Die 27. Woche, 2015

Jede Sache hat ein Aber.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Der Zweifel ist der Schatten eines Menschen im Dunkel.
(Aus Japan)

Zwei Stücke Fleisch verwirren den Kopf der Fliege.
(Sprichwort von den Haussa)

Je mehr einer weiß, desto mehr bezweifelt er.
(Voltaire)

Gewisse Stubenhocker sind gewohnt,
alles zu bezweifeln, weil sie nichts sehen.
(Honoré de Balzac)

Der Zweifel ist eine Huldigung, welche man der Hoffnung darbringt.
(Comte de Lautréamont)

Ihr anderen werdet sicherer immerdar.
Ich werde fragender von Jahr zu Jahr.
(Christian Morgenstern)

Der Zweifel ist ein Schmerz, der zu einsam ist, um zu wissen, dass das Vertrauen sein Zwillingsbruder ist.
(Khalil Gibran)

Nichts macht so heimatlos wie der Zweifel.
(Peter Cerwenka)

Wie es natürlich ist, ohne Beweis zu glauben, ist es nicht weniger natürlich, an Bewiesenem zu zweifeln.
(Luc de Clapiers Vauvenargues)

Nicht der Zweifel macht wahnsinnig, sondern die Gewissheit.
(Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Der Skeptiker glaubt an eine dritte Version,
auch wenn es nur zwei Möglichkeiten gibt.
(Dr. Fritz P. Rinnhofer)

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Frisch aus dem Höllental

Der Mond ist noch längst nicht voll, aber er tut so. Leuchtend scharf projiziert er mein Scherenschnittprofil auf die Hauswand, obwohl ich nicht gesehen werden will. Ein wenig eingedellt gibt er sich, doch lächelt er vor sich hin und ein schaukelnder Zweig verleiht ihm die Aura eines Zigarrenrauchers.

Sommerabend, jedenfalls eine Ahnung davon. Wird ja auch Zeit, denn schon sind die Tage wieder kürzer geworden.

Meine Urlaubserinnerungen sind… Erinnerungen, wenngleich schöne. Von ewig lauen Abenden auf der Terrasse. Geräuschkulisse: Keine. Allenfalls ein Windhauch, fremde Vögel, Froschkonzerte oder Meeresrauschen.

Hier rauscht es nun auch, seit gestern. Das ist nicht irgendein normaler Wind, wie ihn jeder kennt, das ist der Höllentaler. Seine Zeit ist der Abend. Wie der Name schon sagt, kommt er aus dem Höllental hierher, bis nach Freiburg hinein. Das erste Mal erlebte ich ihn auf dem Münsterplatz, da wohnte ich noch gar nicht hier. Er brachte Erfrischung nach einem schwülheißen Sommertag.

Inzwischen kenne ich ihn schon länger. Abkühlung bringt er immer noch, der Wind aus dem Schwarzwald. Dabei wirbelt er umher wie ein kleiner Mistral und kann gänsehautfrostig sein. Mal ist er Wohltat, mal Fluch.

Heute ist er mir… nichts von beidem, er ist, was er ist, ein Wind, der aus dem Höllental kommt. Nur, wie schafft er es, aus dem Tal nach oben zu steigen und dann wieder nach unten? Frage ich mich. Aber am faszinierendsten finde ich, dass er nicht nur Bewegung in die Stadt bringt. Nein, er bringt auch Duftschwaden mit sich.

Da, wo ich wohne, erstreckt sich zu drei Seiten die Stadt. An der vierten Seite liegt der Schlossberg, der Hausberg Freiburgs. Ein Wald. Keine Landwirtschaft, nirgends. Und trotzdem, man mag es kaum glauben:: Seit gestern, wie an manchen anderen Sommertagen, riecht es bis in meine Wohnung nach Landleben. Genauer, nach Stall, noch präziser: nach Kuhstall. Oh, ich weiß, wie Ställe duften, habe ich doch einen Großteil meiner Kindheit auf dem Bauernhof gegenüber verbracht, im Heu, im Stroh, in Ställen bei den Tieren, auf Äckern, Wiesen und Feldern. Da kann mir niemand was vormachen.

Also inhaliere ich mit Verwunderung – ohne Ekel, ohne Verzücken, sondern ganz neutral – diesen Kuhstallgeruch und wundere mich, wie er den weiten Weg bis in die Stadt schafft. Derweil kühlt der Höllentaler meine nackten Arme, die Finger bleiben vom Tippen wohltemperiert. Der Quartierkater hat seine gewohnten Abendtöne abgegeben, von den Menschen sind wie meist hierzulande kaum verzückte Singereien zu hören, wenn das Kindergeschrei, das Männergrölen und die Frauendiskussionen verstummt sind. Man und frau ist diszipliniert bis ins Schlafzimmer (sorry wegen der noch dazu pauschalierenden Abschweifung, aber wenn ich denn mal was gehört habe, dann vor allem in Frankreich oder mal in Italien, aus dem Nebenzimmer im Hotel oder aus einer anderen Ferienwohnung).

Nur der Wind ruht selbst hier nicht, für heute scheint er sich viel vorgenommen zu haben. Ich sollte jetzt auch mal ins Bett gehen. Wie passend: Die Glocken des Münsters läuten die erste Stunde des neuen Tages ein.

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Die 26. Woche, 2015 (Halbzeit schon)

Barbaren lächeln nicht.
(Peter Horton)

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Eine Vorläuferin der “Mona Lisa” von Leonardo da Vinci – oder eine Spaßkopie? Wie auch immer: besser als Quadratgesichter…!

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Klebrige Sachen, Mauerblümchen und so

Vor ein paar Tagen muss mal wieder ein Rentenbescheid eingetrudelt sein, jedenfalls drohte der Umschlag damit, deshalb ließ ich ihn erstmal liegen. Ich kam vorgestern zurück nach gut zwei angenehmen Wochen in diversen richtigen und falschen Bundesländern und heute entschied ich dann doch, den Brief zu öffnen.

Nicht dass ich ängstlich gewesen wäre oder böse Überraschungen gefürchtet hätte. Die Botschaft ist doch immer die gleiche. Ich glaube, es war eher Gleichgültigkeit mit einer Prise Horrorfilmspannung meinerseits. Lächerlich, dass die dafür eine Briefmarke und einen Umschlag verschwenden. Nun wäre das auch wieder erledigt.

Demnächst werde ich den Brief abheften und vergessen, aber beim Thema Postablage bin ich eh nicht die Beste. Nur wenn ich muss und das Finanzamt oder der Steuerberater ruft. Aber wenn der Zorn groß genug ist… So wagte ich es heute auch endlich, der Telekom eine Regressforderung wegen gut einer Woche Internetausfalls mitzuteilen. Die Ferien haben mich wohl doch erfrischt und gestärkt.

Müde bin ich dennoch, der Klimawechsel und das Übliche. Also lamentiere ich ein bisschen. Über lächerliche Rentensteuerbescheide, das miese deutsche Wetter, vor allem im weinselig-gutgelaunt-sonnenverwöhnten und ach so symbadischen Südwesten, jau, und über die überfreundlichen Ureinwohner. Ihr könnt mich mal. Aber es gibt doch nette Menschen hier, mit denen ich so vortrefflich über die Leiden der anderen Zugereisten lamentieren kann.

Auf der Schulung in Köln vor drei Tagen stellte ich fest, dass die Kollegen aus dem äußersten Norden (Vorsicht: Flensburg ruft mit Punkten, ist aber auch gnädig mit Wiedergutmachungen bzw. honoriert normales regelkonformes Verhalten mit Löschung der Minuspunkte) am witzigsten und lässigsten sind. Von wegen dröge. Und die lieben gesprächigen hilsbereiten Kölner reden auch noch dann lange auf einen ein, wenn man längst den Verkehr stört: “Meine Frau und ich kennen die Straße, weil wir hier oft spazierengehen, aber auf die Hausnummern achten wir ja nicht, tut uns leid, aber die Straße ist auf jeden Fall richtig, das muss dahinten sein!”

Hat  geklappt, keinProblem,  super Empfang, auf zu neuen Ufern. Mal sehen, wo ich sie finde. Mir fehlt ein Tritt in den Hintern, denn hier klebt man fest, auch wenn man weg will. Und das sind nicht nur die Sommerläuse. Ça colle.

Anbei ein paar mallorquinische Mauerblümchen.

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Glühwürmchen, tanzende Reisebegleiter (ohne Foto)

Blöd, wenn man im „Urlaub“ arbeiten muss. Denn immer mahnt das Licht des Akkus, wenngleich auch wieder nicht, weil so gut wie möglich ausgeblendet.

Aber dann, eines späten Abends: Mein Reisebegleiter berichtet mir von tanzenden Wesen auf dem Fußboden des nie genutzten Wohnzimmers (denn draußen, auf der Terrasse, wo wir immer sitzen, ist das wahre Wohnzimmer und Leben), dort, wo der Laptop-Akku liegt, mit seinem grünen Licht, im sonst dunklen Ferienhaus. Ich springe herbei: Tatsächlich, da ist jemand in Kommunikation getreten mit dem Akku-Licht. Ein Lichttanz, wie man ihn selten sieht. Gelb gegen oder mit Grünlich.

Was ist das? Ah, ein Glühwürmchen umwirbt meinen Travelmate (so heißt mein anderer, der virtuelle Reisebegleiter). Das arme Glühwürmchen, ich fürchte und weiß, mein rechteckiger Kasten wird es nicht erhören, da kann es noch so tanzen. Noch mehrere versuchen es, auch in den nächsten Tagen.

Mal scheißen Schwalben auf meinen Kopf, mal landen die größten Käfer in meinem Haar, mal flirten Glühwürmchen mit meinem PC. Das Leben bleibt voller Überraschungen. Ich bin schon glücklich, endlich mal wieder Glühwürmchen zu sehen.

Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist der gleiche wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.“
(Mark Twain)

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Die 25. Woche, 2015

Der Wolf mag die Schafskälte,
die beschert ihm weniger Wolle zwischen den Zähnen.

(Martin Gerhard Reisenberg)

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Gerade ist die Zeit der Schafskälte, auch wenn sie nicht jedes Jahr eintreten muss. Noch fünf Tage lang könnte sie andauern…

Allerdings müssen die Schafe auf Mallorca, die bereits geschoren wurden, nicht vor Wölfen bangen. Auch frieren sie garantiert nicht, viel zu warm ist es dafür. Eher werden sie sich erleichtert fühlen. Auch die Lämmchen.

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Rumhängen

Heute ist Welthandtuchtag. Ich wusste bis gerade auch nicht, dass es das gibt. (Wer mehr wissen möchte, schaue in die neue Wissensbibel namens Wikipedia, in der junge, unerfahrene, unwissende und wohl meist egomanische Männer das Handtuch, pardon, Zepter schwingen, und alle wichtigen Entscheidungen treffen, etwa über die Aufnahme von anderen Menschen und eben solchen „Gedenktagen“ in ihr göttliches Imperium, ähm, Verzeichnis), bitte sehr: http://de.wikipedia.org/wiki/Towel_Day .

Ich bewege mich nicht per Anhalter durch die Galaxis, eher als freischwebendes Element auf dem oder knapp überm Erdboden, meist in der Hoffnung, irgendwo anhaften oder anhafen zu können, jedoch oft im Wind, manchmal steifgefroren, dann wieder weichgespült oder sonnengebleicht, wahlweise tropfnass und auf Sonne wartend. Dabei bin ich nicht zimperlich, was mich selbst betrifft. Auch wenn ich bisweilen zum schlaffen Rumhängen neige und nach dem neuesten Frauenzeitschriftenpsychotest zu tief in der Komfortzone stecke, um große Veränderungen in meinem Leben zu wagen.

Und dabei kommt die Frage auf, warum es nicht auch den Tag des Waschlappens gibt. Immerhin gibt es den Tag der Verlorenen Socke (eine Waschmaschinenwissenschaft für sich), den Tag des Deutschen Schlagers und den Tag des Deutschen Butterbrotes. Also bitte, das ist eine Anregung! In diesem Zusammenhang würde ich auch noch gern den Tag der Kulturtasche – leger auch Kulturbeutel genannt– aufnehmen. Da könnte man auch mal darüber nachdenken, wieviel Kultur darin steckt und warum das nur in Deutschland so heißt.

Ich geh‘ mal wieder auf meine Leine zurück und hoffe, dass mich bald mal jemand abnimmt und ordentlich zusammenfaltet. Oder lieber doch nicht… Na, ich fürchte, ihr denkt, ich sei mit dem Klammerbeutel gepudert…

 

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La Déesse, die Göttin, wird 60

Oh, heute war Jubiläum der Déesse in Paris, mein Lieblingsauto, die Göttin (ich bin keine, nur hier in Jung)…, sehe ich jetzt erst zufällig im Internet…

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http://www.ladepeche.fr/article/2015/05/23/2111038-paris-olympe-de-deesses-sexagenaires-ce-week-end.html

Eine der besten Erinnerungen an mein Traumauto ist die, dass zwei Kölnerinnen und ich beim  Autostop in Umbrien von einem DS-Fahrer mitgenommen wurden…, ansonsten überwog natürlich, wie auf dem Foto, Frankreich…

PS: Danke an den Fotografen! ;-)

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Whatsapp, What’s up?, Was‘n los, was geht ab tonight? Wattsab!

Och, der Tatort war ne Wiederholung, aus Dänemark, wenn auch ssüß, wegen die Ssprache. Also… ssweifen die Gedanken ab, sorry, app.

Whatsapp? Kenn ich nur vom Hörensagen, hab ich nicht, bin nicht mehr im richtigen Alter (doch, klar noch, andere tun’s doch auch, aber ich will nicht, wenngleich durchaus noch fähig zur Bedienung). Isch abè abärr garr kein Smartphone oder Iphone (nur ein nicht mehr up-to-dates Handy und einen Ipod für Musik, der meist zickt).

In der badischen Wirklichkeit, die mich wohl doch eingeholt hat, kenne ich nur Wattsab, zu Deutsch „Wart’s ab“, aber immer mit Ausrufezeichen – wichtig! Genau wie Pass uff (sonscht…)! Aber ich weiß nicht, ob es das auch schon als App gibt à la Path of(f) oder Off the Path, whatever… , jedenfalls vielleicht für Leute, die mal nicht ihrem Navi (hab ich auch nicht) gehorchen wollen oder eins möchten, das sie vom Weg abbringt. Fast so wie früher, als wir mit dem Shell-Atlas per Ente und Zelt in Urlaub fuhren, meist nach Frankreich oder auch Italien, und ein rotes gefülltes Dreieck auf dem Plan bei einer Stadt die Aussicht auf einen Campingplatz in Aussicht stellte. Den ersten gesehenen fuhren wir dann an, ohne zu ahnen, dass es ja noch weitere geben könnte.

Mein Gott, waren wir, war die Welt dumm und ahnungslos damals. Anhalten und bleiben, ohne andere Möglichkeiten zu erkunden, einfach so. Ohne Googeln. Sich einfach dem Zufall hingeben. Ganz vertrauensfolle, ja, man könnte denken, ich sei verrückt gewesen. Wie der Rest der Zeit.

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Whatsapp tonight? I don’t know. It’s me equal.

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Le théâtre des crudités, pardon, Antonin… (Petit jeu de mots – kleines Wortspiel)

Crudités

Un message cru
Presque rude
Est comme un message
Manquant

Écrit avec
Un certain effort
Par politesse
Sans âme ni coeur
À ne pas parler
Des sentiments

Cruel comme si rien
Ne s’était passé
Des crudités
Pas à croquer

Face à la cruauté
Faut pas craquer.

………………………..

Zu Deutsch: Von Rohkost bis zu(m Theater der) Grausamkeit ist es nur ein kurzer Weg, lach.

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