War nicht dabei

Die Welt wird immer kleiner und überfüllter. Es gibt zwar noch Orte, die nicht von Kreuzfahrtschiffen überwältigt werden, aber Billigflüge etc. machen heute alles möglich. Davon profitiere auch ich, manchmal. Nach Paris kann ich seit ein paar Jahren direkt mit dem TGV von Freiburg aus fahren – ein großes Wunder, 3 Stunden 40 Minuten. Pattensen, Peine, Paris, denke ich manchmal und wundere mich, dass ausgerechnet Freiburg vor ein paar Jahren an die französische Metropole angeschlossen wurde. Hier stiegen allerdings immer nur maximal zehn Leute ein und der Fahrpreis war meist so überteuert, dass man besser per Auto zum Bahnhof Mulhouse fuhr und von da aus den TGV nahm. Das hat sich nun anscheinend geändert, denn seit ich weiß nicht genau wann fährt der Zug ab Freiburg nicht mehr über Mulhouse, sondern über Strasbourg. Und hält nicht nur in Offenburg, sondern sogar in Kaffs wie Emmendingen und Lahr, bevor er über Kehl Frankreich erreicht und ab Strasbourg nonstop in unter zwei Stunden nach Paris fährt. Ach, warum also nicht einen Versuch starten.

Die Enttäuschung folgte auf dem Fuß: Zug ausgefallen. Tja. Warum, weiß kein Mensch, wird auch nicht bekanntgegeben. Kurz vor sechs Uhr morgens am Freiburger Bahnhof angekommen, taumelten zahlreiche Nachtschlafene wie ich (wer denkt sich bloß Abfahrten nach Paris um 6 Uhr 22 aus) zum Infoschalter in der Halle. Um 6 Uhr öffnet die Information, die meisten Reisenden sind vor sechs Uhr da, des êtres errants. Ah, was machen die Franzosen wieder, sagt der lustige junge Mann am Schalter. Erst will er uns – eine circa 30-köpfige Menge verschiedener Nationen – über Mulhouse leiten, doch dann findet er eine Alternative: IC bis Offenburg, umsteigen in eine elsässische Regionalbahn bis Strasbourg und dann würden wir einen TGV mit Ziel Paris erreichen. Er brauche aber all unsere Tickets. Leider fährt der Zug nach Offenburg schon um 6 Uhr 25 und ich sehe schwarz, wie wir den allesamt nach Ticketkontrolle erreichen könnten. Da erscheint eine Kollegin des Mannes, jünger, blond gelockt, gut geschminkt. Ich frage sie, da wir ja nun so wenig Zeit hätten, ob sie uns nicht parallel zu ihrem Kollegen auch abfertigen könne. Da wir ja alle unsere Tickets vorzeigen müssten. Unsere Tickets seien gültig, antwortet sie mir unfreundlich, wir müssten sie gar nicht vorzeigen. Als ich sie darauf anspreche, aber genau das hätte ihr Kollege doch gerade gesagt, wird sie noch muffiger, nein, das sei nicht so. Also hoffe ich – wie all die anderen, die das mitbekommen haben, dass es klappt und dass wir einfach so zu unserem Gleis gehen können. Unter den Reisenden sind viele Asiaten, ein paar Franzosen und englischsprachige Menschen, man versucht, sich gegenseitig zu informieren, doch es herrscht Chaos.

Da schrillt es generalstabsmäßig durch die morgendlich verschlafene Bahnhofshalle, aus dem Mund der hübschem jungen Frau: Anstellen, aufstellen, in einer Reihe!!! Die Asiaten und auch andere der in Ungewissheit Wartenden schrecken zusammen. Ich bekomme sofort den Deutschen-Schuldkomplex. Fehlte nur das Wort „Achtung!“ Fühle, wie so oft, kollektive Scham, die anscheinend immer bestehen bleibt. Diese junge Angestellte der Freiburger Information hat mit derart durchdringender Stimme und derart obercooler Mimik ihre Befohlenen zusammengebrüllt, dass mir angst und bange wurde. Ich weiß auch gar nicht, was sie von den Reisenden wollte, denn es war doch angeblich alles klar. Als ich merkte, dass wir den Zug doch noch bekommen würden, wandte ich mich an ihren freundlichen Kollegen und bat um ihren Namen, denn ich wollte mich bei der Bahn über sie  beschweren. Kenne ich nicht, sagte er solidarisch. Inzwischen hatte eine dritte Person das Terrain des in erhöhter Lage gelegenen Infoschalters betreten und nahm ihre Kollegin in Schutz. Sie hätte alles richtig gemacht, weil Chaos geherrscht habe. Es sei überhaupt nicht unhöflich gewesen. Doch, genau das war’s. Und noch viel mehr. Respektlos. Kundenunfreundlich. Unerträglich. Peinlich. Unter aller Sau. Auf weitere Assoziationen verzichte ich hier. Wie war das noch mit dem Fremdschämen?

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Chez Arielle oder so

Im brandenburgischen Werder, bekannt für das Blütenfest (inzwischen längst verrufen wegen des Besäufnischarakters wie die meisten Feste auch) kann das Leben Anfang August durchaus ein heiteres entspanntes sein.

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2019_08040027Man muss nur, etwa im Arielle, vom gebratenen oder geräucherten Fisch bestellen, sich auf der wie auf einem Schiff schwankenden Plattform niederlassen und schon findet man selbst die Standup-Paddler auf der Havel nicht mehr sooo doof, sondern wird tiefenentspannt und frönt seinem eigentlichen Motto „Leben und leben lassen“. Und das ist gut so.

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Ob nun der Name der Meerjungfrau dazu beiträgt oder einfach die gelassene Szenerie, weiß ich nicht. Vermutlich Letzteres.

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Man kann einfach dasitzen und aufs Wasser gucken. Oder in den Himmel.

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Oder Leute gucken. Mehr braucht man nicht.

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Vor toten Fischen – nicht essbar – darf man keine Angst haben, sonst alles idyllisch.

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Wer will, kann sich auch vor Ort einquartieren (na ja…, der Eindruck kann täuschen).

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So ähnlich sehe ich’s auch

https://www.rubikon.news/artikel/die-verantwortungsluge

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Kurz vorm Kollaps

Heute fand ich im Internet ein „fröhliches Kleid“ mit floralem Print. Ich wusste gar nicht, dass Gegenstände fröhlich sein oder überhaupt zu Gemütszuständen in der Lage sind. Ich war aber schon fast froh, dass es sich nicht um ein Cheerful oder gar Happy Dress handelt, zumal der Druck ja schon halb englisch ist. Vielleicht besteht der Stoff aber ja auch aus glücklichen Pflanzenfasern, wer weiß.

Vor einigen Wochen, als ich beim Friseur mal wieder die Brigitte las, die ich jahrzehntelang als meiner Meinung nach beste Frauenzeitschrift bis vor ungefähr sieben, acht Jahren gelesen und früher sogar  eine Zeit lang abonniert hatte, hätte ich das Machwerk beinahe wutschnaubend in die Ecke geworfen, doch ich weiß mich ja zu benehmen. Meine Abscheu rührte allerdings nicht nur von der Verenglischung der deutschen Sprache her à la „mein Style“ und „Beauty Tipps“ – das liest man schon lange in allen Magazinen für die überwiegend weibliche Zielgruppe. Auch die biedere Für Sie und die nette Freundin haben das übernommen, nachdem vor allem die Cosmopolitan schon lange vor allen anderen Begriffe wie Blowjob in den Mund genommen hatten, bevor Fashion Highlights folgten.

Nein, was mich so aufbrachte, war etwas anderes. Da beklagte sich eine Frau über Männer, die nicht einstecken können. Die Dame hatte mal kurz einen Kerl aufgegabelt, von dem sie nichts wollte außer Sex für eine Nacht, das wusste sie schon vorher. Ob der Mann das auch wusste, schrieb sie nicht. Dann aber stellte sich der Typ ungeschickt an, jedenfalls fasste er die Frau “zwischen den Beinen“ nicht so an wie von ihr gewünscht. Das sagte sie ihm dann umgehend. Daraufhin verließ er ihre Wohnung. Was die Frau ungeheuer aufregte. Diese Männer, sie sind einfach nicht in der Lage, klare Worte zu akzeptieren und sich nach den Bedürfnissen der Feministinnen zu richten. Denn selbstverständlich bezeichnet sich auch diese Frau als solche. Vielleicht hätte sie mit dem ONS-Partner vorher einen schriftlichen Vertrag schließen sollen.

Feministin sein bedeutet anscheinend die Überzeugung, dass Frauen das bessere Geschlecht mit Vorrechten sind und dass sich Männer an deren Anforderungen anpassen müssen (der Titel der Zeitschrift Myself spiegelt das ja ganz offen wider). Das ging nicht nur aus diesem, sondern auch aus anderen Beiträgen im Heft hervor. Stellt euch vor: Die Dame, hihi, beklagte unter anderem, sie habe öfter Männer kennengelernt, die ihr von Büchern vorschwärmten, deren Autoren männlich waren! Unglaublich, Frechheit! Warum erzählten sie ihr denn nicht von tollen Frauen, die auch schreiben können? Das konnte sie natürlich nicht tolerieren noch akzeptieren und kickte die Typen weg. Leider hat die Frau Probleme, einen festen Partner zu finden. Warum, verstehe ich überhaupt nicht.

In diesem Tenor sind mittlerweile jedenfalls viele Beiträge in der Brigitte und natürlich nicht nur dort geschrieben. Warum die Frauen überhaupt noch an diesen absolut unzulänglichen Männern interessiert sind, erschließt sich mir nicht ganz. Sicher suchen sie willfährige Diener. Aber eine Meinung sollen sie bestimmt doch haben, sonst müssen sie ja auf sie herabsehen und das wollen sie nun auch wieder nicht. Da lobe ich mir ja fast die schon immer einfach gestrickten Frauenzeitschriften, die nur Mode und Rezepte zeigen, auch wenn sie allesamt langweilig sind. Wenigstens rufen sie nicht zum Geschlechterkampf auf. Ach ja, Brigitte & Co sind ja so feministisch, widmen aber Beauty-Strecken erstaunlich viele Seiten (die fand ich schon immer schlimm, was interessieren mich Fotos von Frauen an karibischen Stränden, die angeblich ihre Haut mit dieser oder jener Care verwöhnen, ich brauche keine Creme-Werbung) – ist das nicht zumindest ein kleiner Widerspruch? Überhaupt finde ich Feminismus doof, ich bin für Humanismus.

Frauen und Männer sollten besser gemeinsam für eine sozialere gerechtere Welt und bessere Lebensgrundlagen eintreten. Statt Einzelnen – sozial absolut ungerecht – Flüge und Autos zu verbieten oder höher zu besteuern und anderem Kleinklein sollten sie zum Beispiel dafür kämpfen, dass die Industrie die Regenwälder nicht mehr abholzt, dass die Monokultur überall auf der Welt gestoppt wird und die Agrarwirtschaft wieder zu dem zurückkehrt, was sie mal war: Bauern, die mit und von der Natur leben.

Na, das entsprang gerade spontan meinem Hirn, sicher infolge einer tagelangen Hitzelähmung und nur weil gerade Sturm aufkommt, der die Synapsen aufrüttelt und Gegenstände von den Bänken der Fenster wirft, die schon offen sind. Bei 29 Grad vor glühender Tastatur. Die Balkontür lasse ich lieber noch zu, 30 Grad drinnen will ich dann doch vermeiden.

PS: Mit den Bauarbeitern gegenüber hätte ich diese Woche auch nicht tauschen wollen.

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Frauenpower :(

Na prima, auf Waffen-Uschi folgt Akk, mittlerweile auch schon Knarrenbauer genannt, als Verteidigungsministerin, obwohl sie gar kein Ministeramt übernehmen wollte. Das las ich gerade mit Schrecken. Was befähigt sie? Nun, die Frage konnte man sich ebenso bei von der Leyen und auch vielen anderen Ministern stellen, ich frage mich zum beispiel auch oft, wie Heiko Maas und Jens Spahn zu ihren Ämtern gekommen sind, nur als Beispiele. Und Waffen-Uschi ist nach dem Peter-Prinzip an die EU-Spitze aufgestiegen (so wie auch viele Männer auf diese Weise noch weiter nach oben kommen – wie war das noch mit Günther Oettinger? Der hat’s auch nach Brüssel geschafft und keiner weiß, warum), wurde also nach dem Erreichen der größtmöglichen Unfähigkeit hochgelobt. Armes Deutschland, armes Europa. Gute Nacht

Zwei katastrophale Personalentscheidungen: von der Leyen und Kramp-Karrenbauer. Ein schwarzer Tag.

Auch interessant:

Röslein, Röslein, Röslein schwarz – warum von der Leyen eine Katastrophe für Europa wäre

 

 

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Ungereimtheiten verschiedener Art

Mal ohne Kommentar, einfach nur zum Nachdenken:

„Krankenhäuser schließen – Leben retten?“ – Öffentlich-rechtlicher Kampagnenjournalismus zur besten Sendezeit

https://www.rubikon.news/artikel/das-gestandnis

Verschwörungstheorien: Die ewige Leier von den „einfachen Antworten“ in einer „komplexen Welt“

https://www.rubikon.news/artikel/gretchens-schrei-nach-liebe

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Zwischendurch

Manchmal muss man sich aus den sogenannten sozialen Medien (oder vielleicht aus allem) ausklinken und ein bisschen zur Ruhe und zu sich selbst kommen, so wie es Zaz in ihrem Song beschreibt. Selbst gewählte und durchaus geliebte „Einsamkeit“ – eine, die man einfach wie einen Stachel entfernen kann, wenn man sie nicht mehr mag.

Qu’est ce que t’aimes, qu’est ce que t’aimes?
Je sais pas moi ça dépend, j’aime plutôt les gens honnêtes
Qu’est ce que t’aimes, qu’est ce que t’aimes?
J’aime bien foutre le camp et m’échapper dans ma tête
J’sais pas pourquoi je m’parle à moi même au lieu d’écrire des poèmes
Mais j’y serais sur mon barème
J’sais pas pourquoi j’me parle toute seule
Pourquoi j’me ris a la gueule, peut être que j’aime me marrer

J’aime, j’aime, j’aime la solitude parfois
Celle que l’on choisit pour discuter avec soi
Celle qui fait pas mal et qu’on peut mettre en sourdine
Celle qu’on peut se retirer comme une épine
J’aime, j’aime, j’aime la solitude parfois
Mais j’aime pas les cris quand ils ne s’arrêtent pas
Quand les émotions me plongent en mer enragée
Quand le…

Mir scheint es seit einiger Zeit so zu sein, als ob viele Blogger sich zurückgezogen haben, nicht nur ich. Ich habe den Eindruck, dass die erste Euphorie einfach vorbei ist. Mich befriedigt es auch nicht mehr, eigene Fotos und Beiträge veröffentlicht zu sehen, was anfangs vielleicht noch Spaß und sogar ein bisschen stolz gemacht hat. Heute frage ich mich, warum das alles, für wen, wofür. Wenn dann ein plötzlicher Anflug kommt, irgendwas zu teilen, sei es ein Zitat, ein Gedanke oder ein Song so wie jetzt, hat es längst nicht mehr den gleichen Stellenwert wie selbst noch vor einem Jahr. Vielleicht liegt es auch daran, dass es soviele Probleme in der Welt gibt, dass einem manchmal einfach die Worte fehlen oder man sowieso missverstanden wird, weil alles, was gesagt wird, polarisiert und eher trennt als verbindet.

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Och, nix Besonderes

Pardon, urlaubsbedingte Faulheit und andauernde Selbstvernachlässigung ließen die Auffrischung des Nagellacks nicht zu.

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Vorrsicht wird nur für die Deutschen angemahnt am hübschen Hafen von Cala Figuera auf Mallorca. Die anderen erhalten lediglich Hinweise auf den rutschigen Untergrund ohne „Vorrsicht“. Hmmm, komisch. Bei den Franzosen glitscht es auch nicht, sondern flattert. Mich wundert fast, dass für „uns“ kein „Achtung!“ davor steht, hihi. Aber es bekommt auch nicht jeder Tourist ein (neudeutsch, da fehlt was, ach, Grammatik ist doch hierzulande völlig unwichtig) Hinweis darauf, dass „Gegrillte Sohle“ serviert wird, gesehen auf der Speisekarte eines Strandrestaurants in Santanyi (leider blendete die Sonne auf der Plastikhülle des Menüs, so dass mein Foto nicht wirklich beweiskräftig ist und ich es deshalb vorenthalte). Gemeint war natürlich gegrillte Seezunge. Nicht beweiskräftig sind auch gewisse US-Aufnahmen. Net erschregge, net uffregge, nicht darüber, nicht über die panischen Schwarz-Weiß-Greta-Fans, nicht über fehlende Studentenproteste noch generell über großflächig ausbleibende soziale Debatten (Hey, wo sind die Intellektuellen, sind sie etwa ausgestorben?), net uffrege über gar nix. Ist doch alles mega. Ich versuche mich derzeit in Downcooling. Bäm.

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Die Urlaubskatze Tiger tat jedenfalls ihr Bestes.

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Zur traurig-schönen Erbauung

Um nicht zu verzweifeln, muss und sollte man sich immer auch wieder das Schöne in Erinnerung rufen und sei es nur das, was manchen Chansons innewohnt.

Aus Brels letztem Album.

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Like an Alien

Manche Menschen fühlen sich auf der guten alten Erde wie ein Alien. Ich zum Beispiel. Manchmal. Gar nicht so selten. Immer öfter. Na ja, eigentlich schon immer, aber das ist eine andere Sache.

Bin ich mit Freunden in diesem oder jeden Punkt noch einer Meinung, gehen die Ansichten in anderen Punkten immer mehr auseinander. Mittlerweile bin ich wohl vielen zu radikal oder zu anders und traue mich manchmal schon nur noch vorsichtig, mich offen zu äußern, denn ich will ja meine Freunde nicht verlieren. Okay, ich sage meine Meinung natürlich trotzdem, weil ich mich nicht verbiegen will, und irgendeinen Konsens gibt’s ja zum Glück immer noch, dazu sowieso die gegenseitige langjährige Sympathie. Trotzdem, es hat sich was geändert die letzten Jahre, ich habe den Eindruck, hier manchmal nicht mehr mehrheitsfähig zu sein. Die Parteien, die ich, als ich durfte, zum ersten Mal gewählt hatte, erst die SPD und danach die Grünen, sind für mich inzwischen genauso indiskutabel wie die konservativen Parteien, von den (extremen) Rechten will ich gar nicht erst reden; die Liberalen klingen meist nur vom Namen her gut und auch die Linke spricht mir nicht hundertprozentig aus dem Herzen. Der Neoliberalismus ist aber für viele Menschen in meinem Bekanntenkreis komischerweise kein ernst zunehmendes Thema, das verstört mich. Bin ich zur Extremistin geworden (dabei bin ich doch eher das Gegenteil, weil ich mich keiner „Linie“ wirklich anschließen kann) oder sind meine alten ideologischen Mitstreiter stehengeblieben? Tja, das wird jeder auf seine Weise sehen… Ich erlaube mir jedoch, selbst über meine früheren gedanklichen Grenzen und Ansichten hinaus zu denken und meine, dass man nie auslernt. Auch auf die Gefahr, sich bisweilen einsam zu fühlen. Hey, aber ich bin doch sonst noch die alte!

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