Eleganza italiana

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Keine Shorts, keine freien Oberkörper auf offener Straße. Die meisten tragen sogar geschlossene Lederschuhe, Socken und Hemden statt Shirts. Ältere süditalienische Männer an einem ihrer typischen kommunikativen Versammlungsplätze, vor einigen Jahren gesehen in Alghero, Sardinien, in glühender Sommerhitze (es war erst Juni, doch so heiß wie dieses Jahr hier im Juli/August). Aber zu den wunderschönen Oleanderbäumen würde ja auch nichts anderes passen.

Vielleicht sorgte ja zwischendurch ein Zitroneneis für Abkühlung.

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Heißer Sommer

Vor kurzem las ich hier von „Saetze & Schaetze“ einen Beitrag (ach nee, man muss ja jetzt Eintrag sagen wegen der DSGVO) über das Buch „Heißer Sommer“ von Uwe Timm, das ich Mitte der 70er auch verschlungen hatte. Leider war es mir wegen irgendwelcher Askimet-Dingens nicht vergönnt zu kommentieren. Wie auch immer, ich sehe heute auch Parallelen und das nicht wegen der äußeren Hitze, nur geht heute kaum jemand auf die Straße und wenn, meistens die Rechten. Dabei würde es wieder Zeit. Aber angeblich ist ja im reichen Deutschland alles in Ordnung (fragt sich nur, wo der Reichtum steckt bzw. wer davon profitiert), es ist nur zu heiß. Heute gab es erstmals Erfrischung, doch die war auch nur ein kurzes Intermezzo, wieder habe ich 26 Grad in der Bude – immerhin nicht die 29 Grad der letzten Tage und Nächte.

Nachdem nebenan auf dem wegen der Ferien verlassenen Schulhof die Stadtgärtner ihre elektrischen Heckenscheren wieder ausgeschaltet haben, erfreue ich mich gegenüber auf der Straßenseite meiner Wohnung anderer Geräusche. Momentan halten sich etwas Baulärm von der Großbaustelle und Schlagergeräusche vom Altenpflegeheim direkt daneben fast die Waage. Die Musik ist sogar lauter, die Bauarbeiter scheinen sich schon auf den Feierabend einzustimmen, doch morgen früh spätestens um sieben werden sie wieder alle Anwohner aus dem Schlaf reißen.

„Comment ça va?“, Wie geht’s,  unterhält ein Alleindarsteller mit Playback-Musik die alten Leute, die auf Stühlen im Halbkreis im Freien sitzen und andächtig lauschen, manche der wenigen überlebenden Männer haben zur Feier des Tages – sicher das jährliche Sommerfest – sogar Anzüge angezogen. Dazwischen die weißgewandeten Schwestern. Comme ci, comme ça, singt der für mich leider unsichtbare Interpret – so lala also. Ich kannte den Schlager gar nicht, nun lese ich, dass es sich um einen bekannten zweisprachiger Popsong der niederländischen Boygroup The Shorts aus dem Jahr 1983 handelt, abwechselnd auf Französisch und Deutsch gesungen, très chic. Zu der Zeit habe ich andere Musik gehört. Das Lied handelt von einem Holländer, der sich in Paris in ein französisches Mädchen verliebt hat. Der Schlager, von etwas Akkordeon unterlegt, hat den typischen Mitklatsch-heile-Welt-Rhythmus. Nun ist „Bella, bella Marie“ dran, mit Roy Black versinkt die Sonne  hinter den imaginären Fischern im imaginären Meer bei Capri – offenbar ein Sehnsuchtslied der alten Damen, die auf Kommando mitsingen. Die Bauarbeiter mit Blick auf die Szenerie haben vor Schreck ihre Werkzeuge weggelegt.

In den 80ern habe ich lieber sowas gehört, heute auch noch:

Cosa sarà – ja, was wird sein.

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Sans visage, faceless, gesichtslos

Selbstverständlich kann man auch (Ab)Bilder von Menschen machen, ohne deren Gesichter zu zeigen, ohne sie „erkenntlich“ zu machen (ich benutze das mal im falschen Wortsinn). Das kam mir in den Sinn angesichts der neuen rechtlichen Bestimmungen nicht nur zur Fotografie (und ja, überhaupt, wie ist es in der Malerei oder Plastik, darf man einen realen Menschen noch – erkennbar – abbilden und dies der Öffentlichkeit zeigen? Fällt das noch unter Kunst?). All die berühmten Fotografen würden aber ja verhaftet werden, mäße man sie an der heutigen juristischen Lage. Straßenfotografie gäbe es nicht, tot, aus, finito.  Eugène Atget, Henri Cartier-Bresson, Robert Doisneau (der eh viele Bilder gestellt hat), Vivian Maier, Willy Ronis, und viele andere müssten ihre Fotos heute verstecken. Was äußerst bedauerlich wäre.

Nach wie vor finde ich es wichtig, den Menschen auf der Straße zu zeigen, auch von vorn, mit Gesicht, ohne ihn vorzuführen. Heute setzen sich aber ja sowieso die meisten freiwillig in Szene, machen ihre Selfies und zeigen sich „ungeschminkt“ der ganzen Welt, ganz freiwillig, ohne Bedenken und jede Scham verkaufen sie sich. Manche fallen dabei von Felsen und sterben oder lassen sich bei der sogenannten Kiki-Challenge (habe ich gerade zum erstenmal gelesen, weil mir das Stichwort „Osnabrück“, wo ich länger gelebt habe, untergekommen ist und da gab es auch so einen Fall) filmen. Dabei springen sie aus fahrenden Autos, um daneben auf der Straße nach einem bestimmten Song zu tanzen. Der/die eine oder andere wird dabei auch schon mal vom eigenen oder einem anderen Auto überfahren oder rennt gegen Pfähle. Sicher auch was für Influencer, weiß nur nicht, für welche Auftraggeber – na ja, mir fiele schon was ein…. Wie auch immer, das nennt man wohl Narzissmus. Komische Welt.

Weil aber trotz der ausufernden Selbstdarstellungen nun der Blick von außen so reglementiert wurde, habe ich mal ein paar „gesichtslose“ Bilder rausgekramt. Denn natürlich kann man Straßenszenen auch einfangen, ohne alles zu zeigen.

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Verdeckt, abgeschnitten, von hinten – es gibt viele Möglichkeiten.

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Zum Beispiel auch vage Spiegelbilder.

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Interessante Motive finden sich überall.

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Das Verschwommen-Diffuse gehört ebenfalls dazu.

Trotzdem.  Ich mag die Menschen auch weiterhin gern von vorne sehen. Gesichtsloser wird trotz oder wegen des Selfie-Wahns eh alles.

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Die 31. Woche, 2018

Sprach- und energielos wegen der Hitze schaffe ich gerade noch mein Mindestarbeitspensum, während andere Urlaub machen. Oder auf der Großbaustelle gegenüber arbeiten. Oder den Müll wegfahren. Ansonsten sind Zitate alles, was ich noch von mir geben kann.

Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war.
(Mark Twain)

Die Hitze schafft alles Flussartige weg und treibt, was Schärfe im Körper ist, nach der Haut.
(Johann Wolfgang von Goethe )

Lieber Freund, was für ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzen, mehr Omelette als Mensch.
(Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Was ein rechter Sommer ist, heizt zünftig ein und macht sich dann aus dem Staub.
(Brigitte Fuchs)

Während ich das Zubettgehen hinauszögere, stehe ich morgens trotzdem früher auf der Matte. Wie kann man bei diesen Temperaturen ohne Klimaanlage schlafen (wenn es so weitergeht, wird man auch auch in Mitteleuropa nicht mehr ohne auskommen werden).

Es wäre so schön, ab sieben Uhr auf dem Balkon zu arbeiten, zumal ja jetzt auch hier Schulferien sind und die zuletzt nur noch „Fuck you!“-schreienden Jungs und anderes Fußball- und Hofgebrüll von nebenan (zwischendurch noch Achtungfertiglos, einszweidrei-Sportwettkampfbefehle) Pause machen für himmlische sechs Wochen. Wenn, ja wenn da nicht die Großbaustelle gegenüber wäre, die mich mit meist spitzen und manchmal stumpfen metallenen hämmernden Knällen selbst samstags um sieben Uhr aus dem Bett schleudert. Und heute früh, es war abzusehen, aus Erfahrung, kamen dann noch die Leute mit den Kranwagen, die die Fassaden des Schulgebäudes lautstark-motorisch säuberten. Ich stellte zwar fest, dass es mir mittlerweile bis auf Ausnahmen gelingt, den Dauerlärm der Baustelle von sieben bis mindestens 18 Uhr auszuhalten, manchmal kann ich die Geräusche sogar wie ein Hintergrundgeräusch durch mich durchziehen lassen oder fast ausblenden, aber alles, was zusätzlich dazukommt, ist dann doch zuviel und hindert mich am Denken, wobei sich das Hirn ja eh schon auflöst.

Hat man den Tageslärm endlich überstanden, gibt es da die Sportfeste mit schrecklicher Livemusik in der Turnhalle und das mehrtägige Schlossbergfest in der Nähe mit ebenso grauenvollen dröhnenden Rhythmen. Und dann sind da noch die Frauen aus dem Nachbarhaus, die jeden Sommerabend, jedes Jahr, ihre Umgebung mit ihren rücksichtslos lautstarken Gesprächen unterhalten. Ja, Sommer ist schön.

Heute Abend brachte zwar etwas Regen Abkühlung, doch in der Wohnung hat sich trotz Durchzugs kaum etwas getan. Was mich traurig stimmt, ist aber, dass die Mauersegler seit ein paar Tagen schweigen und schon wieder gen Süden weitergezogen sind. Warum sind sie nicht noch etwas geblieben? Der Herbst scheint doch noch so fern. Vielleicht sind ja selbst die noch verbleibenden wenigen Insekten vertrocknet. HILFE! In diesem Moment umschwirren mich zwei Riesennachtfalter! Ich muss das Licht löschen. Gute Nacht.

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Der Fall Özil

Eigentlich wollte ich mich dazu nicht äußern, denn es ist schwierig, sich ein umfassendes Gesamtbild von den Geschehnissen zu mache, noch dazu, wenn man sich im Fußball nicht so auskennt und sich kaum dafür interessiert. Aber es geht ja nicht eigentlich um den Sport. Daher wage ich es nun trotzdem, meine persönliche Meinung zu sagen.

Ich finde es falsch und ungerecht, Mesut Özil für die Niederlage der deutschen Mannschaft verantwortlich zu machen, wie es viele tun. Die ganze Mannschaft hat nicht überzeugt, da sind sich alle Kritiker einig (und ja, habe auch schon mal hingeschaut). Natürlich war es unklug und unsensibel von Özil, sich mit Erdogan ablichten zu lassen, auch wenn er türkischer Herkunft ist. Er hätte in dieser Situation wissen müssen, dass es nicht so gut ankommt, wenn er sich wie ein Freund des Despoten darstellt – und bis heute bereut er nichts, hat die Bedeutung seiner Geste für andere also offenbar nicht begriffen. Andererseits: Wenn Angela Merkel Erdogan nicht nur die Hände schüttelt und gemeinsam mit ihm in die Kameras lächelt, sondern sogar weiterhin mit ihm Geschäfte macht und die Türkei weiter EU-Anwärterin ist, ist das anscheinend vertretbar und korrekt?! Was für eine Bigotterie. Natürlich hat sie den Fußballspieler dann auch verteidigen müssen, sonst hätte sie selbst ja in schlechtem Licht gestanden.

Daher finde ich, dass Özil zu Unrecht als der an allem Schuldige an den Pranger gestellt wird, er kommt mir vor wie ein Bauernopfer bzw. ein Stellvertreter, der alle Enttäuschung und allen Hass auf sich zieht. Wie wär’s, wenn man mal die deutsche Regierung kritisieren und die Waffenexporte in die Türkei unter die Lupe nehmen würde?

Und so übertrieben und auch ungerecht ich Özils allgemeine Anklagen zum Rassismus in Deutschland auch finde, so steckt doch ein Stück Wahrheit darin. Das bemerkt man schon, wenn man die Äußerungen von DFB-Präsident Grindel sieht, der meiner Meinung nach abgesetzt gehört. Teile dieser Gesellschaft sind wohl un“heil“bar. Auch Hoeneß sollte besser den Mund halten, er diskreditiert sich selbst, ebenso wie es andere Fußballoberen tun – vom tumben Matthäus mal ganz abgesehen.

Klar, dass das alles für die AfD ein gefundenes Fressen ist. Am schlimmsten fand ich aber im Grunde die Äußerung unseres (ausgerechnet) SPD-Außenministers Heiko Maas. Von Diplomatie und Taktgefühl hat der ansonsten blasse Mann offensichtlich keine Ahnung, denn warum sonst hätte er sich dazu hinreißen lassen zu sagen, er glaube nicht, „dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über Integrationsfähigkeit in Deutschland“. Wie dumm, voll daneben, Abseits, Eigentor. Und ausnahmsweise stimme ich mal Agenda-2010-Schröder zu, der die Äußerungen von Maas als „schlicht und einfach unerträglich“ bezeichnet hat.

Und da sind aber noch die anderen, die die „Menschen mit Migrationshintergrund“ quasi aus der Gesellschaft aussparen insofern, als sie sich verpflichtet fühlen, ihnen auch dann vehement beizuspringen, wenn sie Fehler machen und sofort reflexartig Rassismusdebatten lostreten wie zum Beispiel Justizministerine Barley, Maas‘ Parteikollegin. Fördert das die Integration? Ist das nicht auch Ausgrenzung? Und überhaupt, sollten nicht alle Menschen, Bürger, gleichbehandelt werden?

In Deutschland ist es schwierig mit dem „Dazwischen“ – es gibt in vielen politischen Debatten nur Schwarz und Weiß, einseitige Parteinahmen, keine Grautöne, kein Differenzieren. Schade.

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Ostuni, città bianca, die weiße Stadt

Schon seltsam, wenn man im Dunkeln irgendwo am äußeren Absatz des italienischen Stiefels gelandet ist und erst am nächsten Morgen begreift, wo man sich befindet.

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Man fährt über von Steinmäuerchen und Olivenhainen gesäumte schmale Straßen (mit hölzernen Strommasten ;-)) und plötzlich meint man eine Fata Morgana zu sehen, dabei ist es „nur“ das Städtchen Ostuni.

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Ich hatte vorher viel darüber gelesen und dachte, „die weiße Stadt“ sei vielleicht überbewertet, doch ich fand sie am schönsten von den Orten, die wir im östlichen Salento besucht haben und das, obwohl sie nicht direkt am Meer liegt, das allerdings aufgrund der erhöhten Lage der Stadt und der geringen Entfernung gegenwärtig ist.

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Der Blick von einem bestimmten Standort aus auf Ostuni ist sehr beliebt bei Hochzeiten, dort lassen sich die Paare besonders gern ablichten.

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Andere Pärchen beschäftigen sich auf dem Belvedere allerdings lieber mit dem Virtuellen, jeder für sich.

Anfang Juni hatten wir immerhin das Glück, zu Füßen der Altstadt im Schatten einen Parkplatz zu finden. Der Aufstieg in die Stadt ist steil, doch hat man sich danach erstmal die ersten paar hundert Meter über gnadenlos sonnige Stufen in die Altstadt emporgekämpft, ist man nur noch entzückt.

Beeindruckend sind die Eingänge zu den Häusern und Wohnungen – wie schaffen es wohl nicht mehr fitte ältere Menschen, ihre Einkäufe dort emporzuhieven und ihren anderen Wegen nachzugehen? Schon der „Einstieg“ zur Haustür ist oft schwierig.

Wie auch immer, die Kräuter fürs Restaurant wachsen direkt an der Gasse.

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Für hinguckende Touris liegen auch noch andere Motive am Wegesrand.

Selbst Picasso war da, na ja, postirgendwas…

Ans banal-profane Essen denke ich Ferienmachende natürlich auch, wobei ich diesbezüglich in ganz Apulien noch nie danebengegriffen habe. Unser Lieblingsrestaurant der ersten Woche war das Ristorante Miramare da Michele in Torre Santa Sabina.

Eine Speisekarte lag nur draußen auf den Tischen, wo ein paar Engländer saßen. Drinnen – wo man einen Blick aufs Meer durch Fliegengitter hatte – kam der Chef an den Tisch und nannte die frischen Tagesgerichte. Beim erstenmal nahmen wir die (natülich selbstgemachte) Pasta mit Gambas, beim zweitenmal wählte mein Reisebegleiter den gegrillten Fisch und ich – weil ich das am Nachbartisch sah – ein äußerst einfaches, aber köstliches Gericht: Cozze (Miesmuscheln) mit Kartoffeln, Reis, Zucchini und Tomaten – für acht Euro. Schlichter geht’s kaum, für mich war es ein Traum.

Was soll ich in Deutschland nur essen? Diese Frage stelle ich mir immer nach solchen Reisen und bin immer noch nicht wieder richtig zuhause.

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Die 29. Woche, 2018

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Ein Kompromiss ist ein guter Schirm, aber ein schlechtes Dach.
(James Russell Lowell)

Kompromisse sind die Schlaglöcher auf dem Weg zur Selbstverwirklichung.
(Prof. a.D. Dr. Matthias Scharlach)

Ein Kompromiss ist immer auch ein Verlust.
(Robert Kühl)

Zugeständnisse sind auch Geständnisse.
(Dr. Hanspeter Rings)

Kompromisse gehe ein, wenn du innere Ruhe hast, dich weise fühlst…, sonst lauf, lauf, lauf und genieße es zu laufen…
(Alexander Liebezeit)

Das Leben besteht unter anderem auch aus vielen Kompromissen. Es genügt nicht, sich selbst glücklich zu wissen.
(Unbekannt)

Manche sind schier unersättlich. Sie verlangen von uns, dass wir ihnen immer wieder Vertrauen schenken.
(Ernst Ferstl)

Die Konsequenz und der Kompromiss sind Todfeinde auf Lebenszeit.
(Erich Limpach)

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Unkorrekte Gedanken

Heute Abend stand ich an der Ampel und hörte im Autoradio eine Nachricht, in der es um „Studierendenwerke“ ging. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, was das Thema war. Ich dachte nämlich die ganze Zeit daran, wie sperrig dieses Wort doch ist und fragte mich, ob sich Frauen vom altbekannten und besser über die Lippen gehenden „Studentenwerk“ heute tatsächlich nicht mit angesprochen fühlen. Also, ich fühlte mich früher immer mitgemeint, das stand nie infrage, obwohl oder weil ich da sogar ein wenig mitgearbeitet hatte.

Unflüssig auszusprechende Wortungetüme entstehen im Zuge des Gender-Wahnsinns und der „political correctness“. Als gäbe es keine wichtigeren Probleme in der Welt. Immer mehr Studiengänge an Universitäten zu Gender-Wissenschaft entstehen, dabei handelt es sich gar nicht um eine Wissenschaft, sondern hauptsächlich um unbelegte Hypothesen und Manipulationen, die aber offenbar selbst die konservativsten politischen Parteien überzeugen und sogar schon Kindergartenkinder verunsichern, weil sie sich bereits mit drei Jahren und ohne Not fragen und verunsichern lassen müssen, ob sie nun wirklich Mädchen oder Junge oder was dazwischen sind (das biologische Geschlecht tritt ja in dieser Diskusstion immer mehr in den Hintergrund). Natürlich werden diese Lehrstühle – pardon, muss es hier nicht LehrstuhlInnen heißen, was aber auch wieder nicht die Transgender berücksichtigen würde – hauptsächlich von Frauen besetzt. Die ja angeblich keine Macht haben in der Gesellschaft.

Klar sitzen in den Führungspositionen deutscher Konzerne meist noch Männer an der Spitze, aber das liegt nicht nur an den bösen Kerlen, die es natürlich auch gibt und die unter sich bleiben wollen und an der angeblichen „gläsernen Decke“, an die Frauen stoßen, sondern vor allem daran, dass die meisten Frauen gar keine Ambitionen auf eine Superkarriere in den höchsten Etagen haben – und dafür haben sie meist gute Gründe. Und wenn doch, ich bin sicher, gelangen sie heute auch ohne Quote dahin, es gibt genügend Beispiele, seit einiger Zeit vor allem an den Universitäten. Selbst würde ich nie eine „Quotenfrau“ sein wollen. Aber im Rahmen von Diversity kommt es ja eh nicht mehr so auf die Qualifikation an, sondern auf Prozente. Sollte hier jemand denken, ich sei gegen Vielfalt, so irrt er/sie/?. Nur bin ich immer noch der Meinung, die Geeignetsten sollten das Rennen machen (der Plural klingt doch schön neutral, oder? Ach nee, es muss „die GeeignetstInnen“ heißen).

Hoppla, meine Tastatur spinnt, kann nicht zurück, ah, jemand hat die NumLock-Taste gedrückt, ich war’s nicht. Ach ja, vorhin war „der Techniker“ der Telekom hier. Hat mir einen neuen Speedport geliefert, weil meine über 25 Jahre alte Fritzbox zickte (pardon, in diesem Fall sollte man im Sinne des Gender-Mainstreams wohl besser „bockte“ sagen) und gleich noch einen schnelleren Telefonanschluss eingerichtet. Seit der Termin feststand, bekam ich täglich drei SMS à la „Der Techniker kommt bald!“ inklusive einer URL, auf der ich angeblich ersehen können würde, wie lange es noch dauert. Nur heute, am Tag des Ereignisses, kam nix. Man hatte mir ein Zeitfenster zwischen 12 und 18 Uhr 29 genannt, zuerst 18 Uhr 30, aber das war sicher der offizielle Feierabend der MitarbeiterInnen. So saß ich stundenlang auf heißen Kohlen und konnte das Haus nicht verlassen. Dann, knapp zwei Stunden vor Toresschluss, rief eine Frau an, man würde jetzt meinen Anschluss umstellen und der Techniker würde in zehn Minuten kommen.

Es kam – eine Technikerin, genau diese Frau, die angerufen hatte und eben nicht im Back Office arbeitet, sondern selbst unterwegs ist. Damit hatte ich nun auch nicht gerechnet, wie ich zugebe. Sie sagte mir lässig und unbekümmert, sie sei es gewohnt, dass die Leute einen Mann erwarten, es machte ihr offensichtlich nichts aus. Cool, selbstbewusst, freundlich-unaufgeregt, die schwarz und sportlich gekleidete junge Dame, hübsch und mit blondem Pferdeschwanz und ein wenig Décolleté-Einblick. Mit ellenlangen eckigen weißlackierten künstlichen Fingernägeln richtete sie mir noch den neuen WLAN-Zugang ein, worüber ich staunte (nicht über ihre Expertise, die ich nicht anzweifelte, sondern die Fähigkeit, mit diesen Krallen zu tippen). Dabei hat sie wohl die Numlock-Taste betätigt, die ich nie benutze.

Und die Moral von der Geschicht, was will ich damit sagen? Ach, ob Techniker oder Technikerin – es geht auch alles ganz locker und unverkrampft. Was sollen die verbissenen Geschlechtsdiskussionen. Lass dich einfach überraschen und lebe dein Leben, mach dein eigenes Ding. Geschlechterkampf bringt nichts, ist kontraproduktiv. Und welche Frau will schon einen Mann, der keiner mehr ist, sondern von und mit Frauen selbst im Gender-Jargon redet – wie unsexy und abtörnend. Wenn alle Menschen androgyn, wenn alle quasi gleich sind, können wir ja gleich zu Zwittern, ähm, ZwitterInnen, werden.

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Trullo-Trala

Wenn der schwarze Wald meint, seine Wolken mal wieder ins Tal schicken zu müssen wie manchmal in den letzten Tagen (und überall sonst in Deutschland schien die Sonne), dann sehne ich mich nach mehr Überblick und mehr Licht. Der Urlaub ist nun schon solange her, wie er gedauert hat, erschreckend. Ich muss die Bilder rauskramen, um die Erinnerung wieder wachzurufen. Zum Beispiel an die erste Woche, die wir in einem Trullo bei Ostuni in Apulien verbrachten (Vorsicht, es kommen nur banale Worte und Urlaubsbilder ohne intellektuellen, künstlerischen oder sonstwie fruchtbaren Nährwert).

Nach der späten Ankunft im Dunkeln und der netten Begrüßung und Hausführung von Siretta und dem ersten Gecko, der ins Haus wollte (Siretta lachend: „Aveta paura?“ Aber nein, vor den kleinen Viechern fürchten wir uns nicht) hockten wir noch sehr lange vorm Haus, aßen und tranken, was ich in der Tankstelle bei der Autovermietung gekauft hatte, da alle Läden schon geschlossen hatten – also Pizzastücke, Panini, regionalen Wein, und kleine Kuchen fürs Frühstück und  schauten in die schwarze unbekannte Stille. Das heißt, nicht ganz, denn die Kleinohreule, deren Ein-Ton-Laut ich schon von anderen südlichen Ländern kannte, gab wieder eines ihrer äußerst virtuos-monotonen Konzerte – ich liebe es! Dann, aber das sah leider nur mein Reisebegleiter, flog eine Schleiereule übers Haus und unseren Sitzplatz. Um ehrlich zu sein, tönten von einem entfernteren Nachbargrundstück zwischendurch auch andere Geräusche herüber. Ein sehr unentschiedener Discjockey (sagt man heute gar nicht mehr) legte mal dies, mal das auf, aber die Leute freute es, es schien sich um eine private Fête (sagt man auch nicht mehr, pardon, Party) zu handeln und war recht lustig. Dann war es eh wieder still, denn der Sonntagabend und damit das Wochenende waren vorbei.

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Am nächsten Morgen sprangen wir aus dem Haus, um die Umgebung bei Tageslicht in Augenschein zu nehmen. Es ist ja immer spannend, wenn man im Dunkeln ankommt und erst am nächsten Morgen das Grauen, ähm, die Schönheit der Umgebung erblickt. Hier war alles schön. Der hübsche kleine Sitzplatz vor der Trullo-Haustür war schon zu sonnig, also ging es zum Frühstücken an den großen Tisch neben dem Haus. Eine Brise erfrischte die Szenerie, die Licht- und Schattenspiele erfreuten das Auge und die kleinen am Vorabend erstandenen Kuchen schmeckten gar köstlich. Dort wohnten auch die meisten Mücken, sie stachen mich beim Frühstück täglich ober- und unterhalb der Kniekehlen, denn da sieht man sie ja nicht anfliegen. Egal, da muss man durch.

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Es war der erste Trullo, in dem ich wohnte und ich kann mir kaum einen schöneren vorstellen, vor allem wegen des riesigen halbwilden Grundstücks. Ach ja, ein Trullo ist ein traditioneller apulischer Rundbau mit Kraggewölbe, manchmal verniedlichend auch Zipfelmützenhaus genannt. Die Grillofenkonstruktion auf dem Foto befindet sich übrigens auf einem alten Nähmaschinengestell deutscher Provinienz – das Gesamtensemble wirkte wie eine alte Dampflok.

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Innen war der Trullo mit der angrenzenden Lamie optimal gestaltet, es gab hübsche Schlafzimmer und Bäder und alles war sehr originell, individuell und auf geschmackvolle Art dekoriert. Die Wohnküche war vielleicht etwas dunkel, dafür auch bei der größten Hitze erträglich und ich musste ja arbeiten, wobei ich die Wahl des Arbeitsplatzes hatte, denn das schnelle zuverlässige Wifi reichte überall hin (hallo Telekom…).

Das gesamte Grundstück vor, neben und hinter dem Haus war so schön, dass ich mich – die ganze Zeit – vor lauter Entzücken nicht einkriegen konnte. Zwar haderte ich die ersten Tage schwer mit meinem Schicksal, auch dort arbeiten zu müssen, doch dann bekam ich mich ein wenig in den Griff und genoss meine freie Zeit im Garten und auf Ausflügen.

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Während gelegentlicher Arbeitsstörungen streifte ich durch den Garten…

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…und freute mich an der Natur, zum Beispiel am Distelfalter.

So viele Schmetterlinge, Bienen und anderes Getier hatte ich lange nicht gesehen.

Der Südliche Zitronenfalter war genauso vertreten wie der Südliche Schwalbenschwanz und ein Insekt, das ich nicht recht zuordnen kann, ich vermute, es handelt sich um die gelbstirnige Dolchwespe (Megascolia maculata), die ich eher als Käfer wahrnahm und daher nicht die Flucht ergriff. Klar, es gab auch ein paar Millepiedi (Tausendfüßler) in der Küche, die merkwürdigerweise vor allem In Italien heimisch zu sein scheinen, vorzugsweise in Umbrien und der Toskana, hier aber doch ein erträgliches Ausmaß hatten, außerdem täglich die eine oder andere fette Assel im Haus, die man prima rauskugeln konnte, und ein, zwei Spinnen.  Alles im grünen Bereich. Nur der junge Hausspatz bei Sonnenaufgang war noch lauter als zuhause eine ganze Kolonie, egal, geschlafen habe ich trotzdem besser.

Die An- und Abfahrt vom/zum Grundstück durch Oliven- und Mandelhaine war einfach zu schön. Und überhaupt, ich wollte nie wieder weg.

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Man gewöhnt sich an die ländliche Umgebung, die Weite, die Großzügigkeit und die alten Mauern.

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Dazu noch das Meer in Sichtweite. Ach, es war zwar kein Dolcefarniente, aber immerhin doch ein wenig Dolce Vita. Und das lag nicht nur am Trullo und der wunderschönen Umgebung, sondern auch an den Städtchen in der Region und dem guten Essen.

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Die 27. Woche, 2018

Das Wasser ist ein freundliches Element für den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Die kleinste Bewegung ist für die ganze Natur von Bedeutung;
das ganze Meer verändert sich, wenn ein Stein hineingeworfen wird.
(Blaise Pascal)

Das Meer lehrt, daß es möglich ist zu verdursten, obwohl man sich vor Wasser nicht retten kann.
(Matthias Pleye)

Ich denke oft an die armen thailändischen Jungen, die in dieser Höhle eingeschlossen sind – schreckliche Vorstellung. Alle Welt leidet mit ihnen mit, verständlich. Hoffentlich werden sie alle lebend geborgen! Dass aber nebenbei zig Flüchtlinge auf offenem Meer verrecken müssen und Kapitäne von Schiffen, die sie retten wollen, zu Straftätern gemacht werden, ist mehr als pervers. Jedes Leben ist gleich viel wert, oder? Anstatt Retter zu verhaften, sollte man lieber Regierungsschefs und -chefinnen verurteilen und an den Pranger stellen, die für die Massenflucht verantwortlich sind, weil sie die Ursachen dafür geschaffen haben und auch weiter kein Interesse daran haben, das zu ändern.

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