Die 17. Woche, 2015

Laut sein

Viel Lärm um nichts.
(William Shakespeare)

Lärm beweist gar nichts. Eine Henne, die ein Ei gelegt hat, gackert, als sei es ein Planet.
(Mark Twain)

Wenn ein Deutscher auf Reise geht, packt er den Koffer voll Lärm.
(Billy)

Zum Lärmmachen nimmt man die kleinsten Leute, die Tambours.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Schwindler machen immer viel Aufhebens und Lärm, und gewisse einfältige Leute halten das für Energie.
(Wladimir Iljitsch Lenin)

Nicht jeder laute Vogel zwitschert schön.
(Hermann Lahm)

Ich ärgerte mich über den Menschenlärm unter mir und konnte nicht eher schlafen, als bis ich wußte, es seien Pferde.
(Jean Paul)

Viele glauben, ihre Existenz durch möglichst
großen Lärm rechtfertigen zu müssen.
(Stefan Rogal)

Wer brüllt, hört nicht.
(Manfred Hinrich)

Wo in einem Hause Menschen sind, die sehr laut einhergehen, da müssen andere sein, die ganz leise schreiten.
(Friedrich Förster)

Wo Hähne krähen, da schweigen die Nachtigallen.
(Aus Griechenland)

Ein nach außen gekehrter Lärm ist heutzutage weit mehr gefragt als eine in sich gekehrte Stille.
(Willy Meurer)

 

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kurz verlinkt

http://www.autorenwelt.de/aktuelles/branchennews/meldung-23042015-blog-vs-facebook

Aha. Achso. Na dann. Wenn’s denn hilft, umso besser. Wer’s glaubt…

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Malerglück

In der leeren Wohnung nebenan wird renoviert, der Maler ist da. Es muss ein seltsamer Typ sein. Einer, der sich entweder allein in der Welt und damit ungehört wähnt oder jemand, der auf Teufel komm raus auf sich aufmerksam machen will à la `“Hört ihr mich auch alle? Ich bin da – und wichtig, ich will gesehen werden!“

Ich wusste nicht, dass Wändestreichen so laut sein kann. Wobei, es ist nicht die Farbrolle, deren Geräusch, auch wenn direkt hinter mir, doch eher dezent ist. Der Pinsel für die Kanten und Ecken erst recht nicht. Aber der Mann hustet, röchelt, bellt und rotzt in höchsten Tönen, dass es eine Freude ist.  Alles so laut, als sei er in meiner Wohnung, im Nebenzimmer. Wäre er wirklich so krank, wie er klingt, läge er auf der Intensivstation und würde diese Arbeit wohl nicht verrichten können. Wenn er niest, schreit er dazu absichtlich ein bilderbuchmäßiges Hatschi! Triumphierend irgendwie. Sicher verkleckert er dabei Farbe und freut sich.

Dass seine Farbklaviatur so überlaut ist, liegt aber nicht am größeren Hall in ausgeräumten Zimmern. Nein, der Unbekannte betont all seine “Äußerungen“ als vielleicht unentdeckter Künstler oder nicht beachteter Mensch derart, als würde er sich veräußern, von schlimmstem Auswurf begleitet – ich mag mir gar nicht das Parkett vorstellen… Es klingt widerlich und ekelig, man sollte keine Mahlzeiten zu sich nehmen in dieser so nahen Gegenwart. Ach ja, den langen Furz nicht zu vergessen, das Highlight des Tages. Wie rau doch manche Mitmenschen sind, frei von Rücksichtnahme und auch – das erstaunt mich am meisten – von jeglichem Schamgefühl oder auch Bewusstsein für die Menschen der Umgebung.

Vielleicht tobt sich der Mann auch nur in einem anonymen Raum aus, ungestraft, lässt alles raus, was er angestaut hat, ohne Hemmungen. Womöglich ist er ist ein Vertreter von Action Painting – oder er ist Anarchist…

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Streugut

Deutsche Sturmgewehre der Marke G36 haben angeblich Probleme mit der Treffsicherheit, Sie sollen ein wenig streuen. Das ist wahrlich ein Skandal! Wow, womöglich treffen sie keine Menschen, sondern einfach daneben oder nur zum Teil… Vor allem bei Hitze soll dieser Fehler auftreten. Aber die Soldaten in anderen sehr heißen Ländern, an die Deutschland die Waffe geliefert hat, etwa die kurdischen Peschmerga, haben keinerlei Probleme mit dem Ding, egal bei welchem Klima. Komisch, oder? Jedenfalls kamen Beschwerden nur aus Deutschland und nur von Leuten, die nie mit dem Gewehr geschossen haben.

Derweil verrecken Flüchtlinge weiter im Mittelmeer. Ein kleines Land wie der Libanon mit nur vier Millionen Einwohnern hat eine Million Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, aber in Europa tun die Politiker so, als sei der Kontinent zu klein für die Flüchtenden und würde vollkommen überschwemmt von Asylanten (ganz Afrika und Arabien kommen bestimmt rüber!!!) und dadurch untergehen. Andere sagen, Rettungsaktionen seien quasi gleichbedeutend mit der Unterstützung der gnadenlosen Schlepperbanden, was zwar teilweise stimmt, aber doch zynisch ist. Das ursächliche Problem in den Ursprungsländern der Flüchtlinge, das es eigentlich zu beheben gälte, wird wohl kaum je beseitigt werden angesichts der politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnisse in der Welt, doch das wäre die einzige langfristige Lösung. Aber da nicht damit zu rechnen ist, besteht doch wohl die verdammte moralische menschliche Verpflichtung, die Flüchtenden nicht krepieren zu lassen und sie aufzunehmen – und nicht vor allem Italien und auch den anderen acht aufnahmebereiten Ländern alles allein aufzubürden -, außerdem in Libyen, wo die meisten auf die unsichere Überfahrt warten, zu handeln und Asylanträge zügig zu bearbeiten und schon damit den Schleppern das Handwerk zu legen. Möglich ist das, wenn es denn gewollt wäre und nicht andere Interessen dagegen sprächen. Es gab ja übrigens schon andere Flüchtlingswellen in der Geschichte…

Mein Unwort des Jahres wäre übrigens „Flüchtlingssaison“. Ich hörte es im Radio und wie ich eben las, benutzen es verschiedene Medien, anscheinend, ohne sich weiter Gedanken darüber zu machen. Es bezieht sich darauf, dass in der kommenden warmen Jahreszeit noch mehr Menschen aus Krisenländern die Flucht übers Mittelmeer wagen, da die See dann ruhiger ist. „Flüchtlingssaison“ – klingt doch nett und nach Mittelmeerurlaub, oder? Ich buch schon mal ne Barke. Hey, nach Sizilien wollte ich schon immer mal – Catania, ich komme, nicht mit Easy Jet, sondern mit Difficult Boat named Fugitive Season!

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Die Flüchtigen / Les égarés

Gerade auf arte gesehen und für gut befunden: „Die Flüchtigen“ – im französischen Original „Les égarés“. Ein Film aus dem Jahr 2003, ja, schon “alt”. Aber er wurde ja nie in den deutschen Kinos gezeigt…

Der folgenden Filmkritik stimme ich im wesentlichen zu und wiederhole den Inhalt nicht:

http://www.kino-zeit.de/filme/die-fluechtigen-tv-tipp-der-woche

Wirklich schade und unverständlich, dass es dieser Film nicht in die deutschen Kinos geschafft hat. Das haben nämlich schon ganz andere, auch solche, die offen die Nazigräuel darstellten, also woran lag es? Vielleicht ist dieser nach anfänglichem Schrecken doch eher leise Film ja einfach zu französisch, mit seinen feinen Dialogen, die im Vordergrund stehen, und den atmosphärischen Naturaufnahmen und Einstellungen. Für mich ist es kein Theaterstück, sondern sensibles lebendiges Kino, sehr natürlich und überzeugend gespielt von allen Darstellern, wobei mich vor allem auch der pubertierende Sohn Odiles (gespielt von Grégoire Leprince-Ringuet) beeindruckt hat. Emmanuelle Béart, so gut wie ungeschminkt, spielte die Hauptrolle sehr überzeugend und zeigte die Zerrissenheit einer verwundeten Frau, die ihren Schmerz wegen ihres schon zu Anfang des Krieges gefallenen Mannes manchmal mit Kälte, fast Grobheit, zu überspielen versucht und in der Ausnahmesituation ihren intellektuellen Horizont erweitert oder besser überwindet und die trennenden Grenzen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung letztlich vergisst. Ein berührender und empfehlenswerter Film.

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Kleine deutsche Alltagsfreuden

Ich bin in einer relativ ruhigen Straße eines Wohnviertels mit dem Auto unterwegs. Auf meiner Seite parken Autos, aber es passen trotzdem bequem zwei PKWs aneinander vorbei. Da zieht eines der entgegenkommenden Autos plötzlich auf meine Spur rüber. Ich bin genötigt zu bremsen und hinter einem parkenden Wagen zu halten, denn Lust auf einen Frontalzusammenstoß habe ich nicht. Ich denke, die circa 50-jährige Frau am Steuer will sicher links abbiegen, hat vergessen, den Blinker zu setzen und fährt nicht besonders souverän und sozial. Ich rege mich nicht auf. Kennt man ja.

Doch dann, als sie auf meiner Höhe ist, schnauzt sie mich von offenem Fenster zu offenem Fenster an, mit aggressivem, hasserfülltem Gesichtsausdruck. Ich verstehe nur „schnell“ und „30“. Ach so, die Dame meinte, meine Geschwindigkeit abschätzen und für zu hoch beurteilen zu können und dachte sich, die bremse ich flugs aus. Danke, Frau Privatpolizistin. Der Motorradfahrer hinter ihr wird vorsichtshalber auch langsamer, weist mit dem Kopf auf die davonfahrende furienhafte Straßenkontrolldame und grinst mich an. Wenigstens das, ich lache zurück. Obwohl er nichts hören kann mit seinem Helm, hat er die Situation sofort mit geübtem Fahrerauge erfasst. Ich hätte mich mit der Frau gern ein bisschen unterhalten, doch sie war zu feige und wollte nur ihre Beschimpfung loswerden. Nein, in Wahrheit hätte ich keine Lust, mich mit solchen Menschen auf ein Gespräch einzulassen, es wäre ohnehin zwecklos.

Das Leben ist schön, friedlich und heiter, meine Arme sind ganz schwer, mein Sonnengeflecht ist entspannt, mein Herz schlägt normal, mein Atem ist ruhig und gleichmäßig.

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Die Bäume im Hof

Aufatmen
Vor grüner Wand
Schon ab Mitte April
Wippende Verschönerung mit Krähen
Sichtschutz vor Ballspielern aller Art
Weitgehende Abschirmung.
Neues Frühjahr
Abschottung, nichts dahinter
Blick versperrt, grüne Hölle
Kein Durchkommen
Kein Horizont
Luft geht aus.

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Die 16. Woche, 2015

Diese Woche kein spezielles Thema. sondern ein paar Zitate des Schriftstellers Alfred de Musset (1810 bis 1857)

Auf unserer Erdenwelt hängt oft alles von den Äußerlichkeiten ab, mit denen man sich in Szene setzt.

Große Künstler haben kein Vaterland.

Das Leben ist Schlaf, dessen Traum die Liebe ist. Du wirst gelebt haben, wenn du geliebt haben wirst.

Wenn zwei Liebende einig sind,
bedeuten Schwierigkeiten kein Hindernis.

Warum sollte die Liebe an Wert verlieren,
wenn man bemerkt, dass sie geteilt ist?

Die Unbeständigen lieben nicht;
sie spielen mit den Herzen.

Reisen ist das beste, ja das einzige Heilmittel gegen Kummer.

Der allzu alten Welt bin ich zu spät geboren.

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Alfred de Musset zählte zu den französischen Romantikern. Er war kurz mit Georges Sand liiert, die ihn jedoch betrog. Er schrieb unter anderem “On ne badine pas avec l’amour” („Mit der Liebe spaßt man nicht“), wobei er wohl selbst nicht wusste, was er sich und anderen zuzugestehen bereit war, denn er galt selbst als leicht entflammbar.

In diesem Hotel, das ich vor fünf Jahren besucht habe, übernachtete er einst mit George Sand:  

https://rotewelt.wordpress.com/2012/08/24/hotel-victoria-112-rue-de-france-77300-fontainebleau/

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Plötzlicher Tortenhunger oder Himbeer ohne alles

Beim Bäcker

Ich hab da mal ne Frage zu den Himbeertörtchen (zeige nach oben, ob Füllung oder nicht, kann man nicht erkennen, und zur Brombeertorte, zeige eine Etage tiefer, Schnittflächen sind an den Seiten von anderen Tortenarten verdeckt): Ist da jeweils Cremefüllung drin?  (Mir ist nach etwas (Vanille)Creme, nur nicht nach zuviel und auch nicht nach Sahne)

(Bäckereifachverkäuferin bzw. in diesem Fall immer beflissene Ladeninhaberin, schaut aufs Himbeertörtchen, überlegt kurz, dann:) Nur etwas Vanille.

Und in der Brombeertorte?

Blaubeertorte.

Ist in der BLAUbeertorte (sind eindeutig Brombeeren, egal, Hauptsache, ich sehe es) eine Creme?

Das ist Biskuitteig.

Ich meine, ist unter dem Obst eine Creme?

Das (zeigt auf Nachbarkuchen) ist eine HimbeerTORTE und das ist Johannesbeer mit Baiser.

(Ich gebe auf) Dann hätte ich gern ein Himbeertörtchen.

Die Torte oder das Törtchen?

Das Törtchen.

Bitteschön. Danke. Auf Wiedersehen. Danke!

Danke. Tschüss.

Zwei Hunde vor der Ladentür, der große stellt sich quer und lässt mich nicht vorbei. Einmal übern Kopf kraulen, er rührt sich nicht, dann klappt’s links am Schwanz vorbei, wo der kleine Kollege wachsam steht.

Zuhause: Keine Vanille unter den Himbeeren, weder in einer (nicht vorhandenen) Creme noch sonstwo. Schmeckt nach zuviel Gelatine und der BISCUIT (also auch hier) ist trocken wie zu harter Mürbeteig, so dass beim Gabeln die Stücke fliegen. Ich träume von französischen Obsttörtchen mit Vanillecreme auf köstlichem Mürbeteig, die ohne Gelatine auskommen.

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Kommentare aller Art werden freundlich entgegengenommen, auch solche à la: Warum gehst du auch zu einem Bäcker, der…?! Der war doch bestimmt nicht bio, oder?! Tststs…! Weißt du denn nicht, dass es um diese Jahreszeit weder frische Blau- noch Brombeeren gibt und natürlich auch keine Himbeeren?! Hast du dir mal Gedanken darüber gemacht, warum wir nicht saisonales Obst essen müssen? Ist das ökologisch? Hättest du der schwerhörigen, halb blinden, obstunkundigen oder geistig umnachteten Bäckerreifachverkäuferin keine deutlicheren/lauteren Fragen stellen können? Warum schreibst du überhaupt über solche Banalitäten? Das interessiert doch keine Sau. Gibt es keine wichtigeren Probleme im Leben, in der Welt?

;-)

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Nichts „Menschliches“ ist uns fremd…

Heute las ich in den Nachrichten (Zeit und Faz, jeweils online), dass sich eine Frau einen kostenlosen Flug nach Südfrankreich erschlichen haben soll. Sie soll sich laut DPA als Cousine eine der Lehrerinnen aus Haltern ausgegeben haben, die bei dem “Absturz” der Germanwings-Maschine ums Leben kamen. „Die Frau soll nach Angaben der Zeitung in Begleitung von drei Personen zweimal in die Unglücksregion geflogen sein – ohne dass sie mit der getöteten Lehrerin in Verbindung stand.“

Also, wenn das stimmen sollte, was Zeit online und andere schreiben…,

F1050036

…dann wäre es um unsere Gesellschaft, die “menschliche Zivilisation”, ja nicht sonderlich gut bestellt, vorsichtig ausgedrückt…

F1050039

Es entspricht auch meiner Wahrnehmung. Mitgefühl, Pietät, um das altmodische Wort zu bemühen…, alles im Verschwinden begriffen?

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