Kriegsspiele

Da mir selbst momentan die Zeit und die Worte fehlen, einen Artikel darüber zu schreiben, was mich gerade politisch am allermeisten bewegt und ängstigt, lasse ich andere sprechen:

https://neue-debatte.com/2018/09/11/ein-putsch-jagt-den-anderen/

https://www.nachdenkseiten.de/?p=45930

https://gerdakazakou.com/2018/09/11/11-9-das-grosse-spiel-spitzt-sich-zu-was-tun-sag-nein/

https://redskiesoverparadise.wordpress.com/2018/09/11/nichteinmischung-nichteinmischung-nichteinmischung-nichteinmischung-nicht-einmischen/

Macht- und einflusslos fühle ich mich, aber wenigstens möchte ich auf diese Weise meine Meinung sagen zu dem, was gerade in der Welt geschieht.

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Die 36. Woche, 2018

Frühling, Sommer und dahinter
gleich der Herbst und bald der Winter –
ach, verehrteste Mamsell,
mit dem Leben geht es schnell.
(Wilhelm Busch)

Eigentlich ist alles soso,
heute traurig, morgen froh,
Frühling, Sommer, Herbst und Winter,
ach es ist nicht viel dahinter.
(Theodor Fontane)

Den Frühling habe ich verpasst, im Sommer hatte ich keine Zeit, der Herbst brachte mir die Angst vor dem Winter, im Winter träume ich vom Frühling.
(Stefan Rogal)

Wenn ihr ein Jahr gelebt und den Wechsel der Jahreszeiten erlebt habt: Winter, Frühling, Sommer, Herbst, dann habt ihr alles gesehen und nichts Neues werdet ihr mehr erblicken.
(Michel de Montaigne)

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Gestrige Notiz vom Wegesrand, gesehen an der Dreisam (die nicht mehr so ausgetrocknet ist wie vor ein paar Wochen) bei Freiburg Richtung Kirchzarten. Endlich war mal entspanntes Radfahren möglich, zwischen Gluthitze und Regen. Nur, warum setzt sich die junge Frau an dieses schönes Fleckchen Erde, um auf ihr Smartphone zu schauen? Ein lieber Mitleser gab den Tipp,  das Bild „Einsam an der Dreisam“ zu nennen, finde ich passend, danke!

Selbst finde ich, dass der Sommer ein richtiger Sommer war, endlich mal wieder, lang und warm, aber dann doch meist zu heiß und schwül (wenn auch nicht so schlimm wie 2003) und ich ihn deshalb gar nicht wirklich mitgekriegt habe (abgesehen von den immerhin zwei Wochen in Apulien im Juni), was ich jetzt sehr bedaure. Wochenlang arbeiten in der abgedunkelten Wohnung (das hat man nun vom Freiberuflerdasein im sogenannten Home Office ohne Klimaanlage), keine nächtliche Abkühlung, schlechter Schlaf, Erschöpfung. Die letzten Wochen wenigstens schulfrei nebenan und zwischendurch sogar zwei Wochen Bauferien an der Großbaustelle gegenüber. Die Presslufthammer, Rüttler & Co sind schon wieder in Betrieb und am Montag kommen die brüllenden und kreischenden Schüler zurück. Noch zwei Tage die Ruhe genießen. Doch Melancholie schwingt mit.

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Die 35. Woche, 2018

Obwohl heute erst (schon, ganz plötzlich) September ist, fühlt es sich an wie Oktober. Jacke, Tuch, Stiefeletten.

Vorgestern Temperatursturz von über zehn Grad innerhalb eines Tages. Seitdem Schwarzwaldausläufer wolkennebelverhangen bis ins Tal. Kastanien- und anderes gebräuntes Laub bedeckt die Straßen, bevor die Früchte reif sind. Luft riecht anders, wenn auch noch nicht ganz nach Herbst. Aber man spürt ihn. Fühle mich wie mittendrin.

Menschenkleidung (wieder) überwiegend grau-braun-dunkel. Sicher bin ich zu farbig-rot mit meiner Hose, meinem Schal und der Tasche.

Aber wohl doch genug Signal für ein älteres Paar, er im Rollstuhl, sie an dessen Steuer. Wobei ich ja immer und in jedem Land nach dem Weg gefragt werde, selbst auf Friedhöfen. Sie fragen mich durcheinander nach dem nächsten Café und zeigen dabei in entgegengesetzte Richtungen. Ich kann zwei Cafés aufzählen, eines garantiert rollstuhltauglich und am nächsten gelegen, doch ausgerechnet dorthin wollen sie nicht, will sie nicht. Was er will, wird nicht klar. Er hat keine Chance, sich zu artikulieren. Das zweite Café hat leider ein paar Stufen. Mir fällt das Café des noch näherliegenden Hotels (ebenerdig) ein, der gute Espresso eines italienischen Ladens, vor dem man zumindest draußen sitzen kann, fast ebenso nah, doch nichts überzeugt die Frau. Für das nächste müssten sie nur eine Ampel überqueren. Das ist ihr erst recht zuviel. „Dann gehen wir halt wieder nach Hause“, sagt sie, während ich ihrem leicht verwirrt erscheinenden, doch sehr wachäugigen Mann anmerke, dass er doch gern irgendwo einkehren würde. Er hat aber nichts zu sagen, wird übertönt. Sie wollen genau da vorbeigehen, wo das erstgenannte Café liegt, das sie aber nicht besuchen will. Ich bin nicht schlau aus ihnen geworden. Warum hat sie mich überhaupt gefragt?

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Hintergründe oder: Was wäre, wenn…

Ein Kommentar zu den Ereignissen in Chemnitz, den ich nur unterschreiben kann:

https://form7.wordpress.com/2018/08/31/chemnitz-und-der-casino-kapitalismus/

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Eleganza italiana

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Keine Shorts, keine freien Oberkörper auf offener Straße. Die meisten tragen sogar geschlossene Lederschuhe, Socken und Hemden statt Shirts. Ältere süditalienische Männer an einem ihrer typischen kommunikativen Versammlungsplätze, vor einigen Jahren gesehen in Alghero, Sardinien, in glühender Sommerhitze (es war erst Juni, doch so heiß wie dieses Jahr hier im Juli/August). Aber zu den wunderschönen Oleanderbäumen würde ja auch nichts anderes passen.

Vielleicht sorgte ja zwischendurch ein Zitroneneis für Abkühlung.

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Heißer Sommer

Vor kurzem las ich hier von „Saetze & Schaetze“ einen Beitrag (ach nee, man muss ja jetzt Eintrag sagen wegen der DSGVO) über das Buch „Heißer Sommer“ von Uwe Timm, das ich Mitte der 70er auch verschlungen hatte. Leider war es mir wegen irgendwelcher Askimet-Dingens nicht vergönnt zu kommentieren. Wie auch immer, ich sehe heute auch Parallelen und das nicht wegen der äußeren Hitze, nur geht heute kaum jemand auf die Straße und wenn, meistens die Rechten. Dabei würde es wieder Zeit. Aber angeblich ist ja im reichen Deutschland alles in Ordnung (fragt sich nur, wo der Reichtum steckt bzw. wer davon profitiert), es ist nur zu heiß. Heute gab es erstmals Erfrischung, doch die war auch nur ein kurzes Intermezzo, wieder habe ich 26 Grad in der Bude – immerhin nicht die 29 Grad der letzten Tage und Nächte.

Nachdem nebenan auf dem wegen der Ferien verlassenen Schulhof die Stadtgärtner ihre elektrischen Heckenscheren wieder ausgeschaltet haben, erfreue ich mich gegenüber auf der Straßenseite meiner Wohnung anderer Geräusche. Momentan halten sich etwas Baulärm von der Großbaustelle und Schlagergeräusche vom Altenpflegeheim direkt daneben fast die Waage. Die Musik ist sogar lauter, die Bauarbeiter scheinen sich schon auf den Feierabend einzustimmen, doch morgen früh spätestens um sieben werden sie wieder alle Anwohner aus dem Schlaf reißen.

„Comment ça va?“, Wie geht’s,  unterhält ein Alleindarsteller mit Playback-Musik die alten Leute, die auf Stühlen im Halbkreis im Freien sitzen und andächtig lauschen, manche der wenigen überlebenden Männer haben zur Feier des Tages – sicher das jährliche Sommerfest – sogar Anzüge angezogen. Dazwischen die weißgewandeten Schwestern. Comme ci, comme ça, singt der für mich leider unsichtbare Interpret – so lala also. Ich kannte den Schlager gar nicht, nun lese ich, dass es sich um einen bekannten zweisprachiger Popsong der niederländischen Boygroup The Shorts aus dem Jahr 1983 handelt, abwechselnd auf Französisch und Deutsch gesungen, très chic. Zu der Zeit habe ich andere Musik gehört. Das Lied handelt von einem Holländer, der sich in Paris in ein französisches Mädchen verliebt hat. Der Schlager, von etwas Akkordeon unterlegt, hat den typischen Mitklatsch-heile-Welt-Rhythmus. Nun ist „Bella, bella Marie“ dran, mit Roy Black versinkt die Sonne  hinter den imaginären Fischern im imaginären Meer bei Capri – offenbar ein Sehnsuchtslied der alten Damen, die auf Kommando mitsingen. Die Bauarbeiter mit Blick auf die Szenerie haben vor Schreck ihre Werkzeuge weggelegt.

In den 80ern habe ich lieber sowas gehört, heute auch noch:

Cosa sarà – ja, was wird sein.

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Sans visage, faceless, gesichtslos

Selbstverständlich kann man auch (Ab)Bilder von Menschen machen, ohne deren Gesichter zu zeigen, ohne sie „erkenntlich“ zu machen (ich benutze das mal im falschen Wortsinn). Das kam mir in den Sinn angesichts der neuen rechtlichen Bestimmungen nicht nur zur Fotografie (und ja, überhaupt, wie ist es in der Malerei oder Plastik, darf man einen realen Menschen noch – erkennbar – abbilden und dies der Öffentlichkeit zeigen? Fällt das noch unter Kunst?). All die berühmten Fotografen würden aber ja verhaftet werden, mäße man sie an der heutigen juristischen Lage. Straßenfotografie gäbe es nicht, tot, aus, finito.  Eugène Atget, Henri Cartier-Bresson, Robert Doisneau (der eh viele Bilder gestellt hat), Vivian Maier, Willy Ronis, und viele andere müssten ihre Fotos heute verstecken. Was äußerst bedauerlich wäre.

Nach wie vor finde ich es wichtig, den Menschen auf der Straße zu zeigen, auch von vorn, mit Gesicht, ohne ihn vorzuführen. Heute setzen sich aber ja sowieso die meisten freiwillig in Szene, machen ihre Selfies und zeigen sich „ungeschminkt“ der ganzen Welt, ganz freiwillig, ohne Bedenken und jede Scham verkaufen sie sich. Manche fallen dabei von Felsen und sterben oder lassen sich bei der sogenannten Kiki-Challenge (habe ich gerade zum erstenmal gelesen, weil mir das Stichwort „Osnabrück“, wo ich länger gelebt habe, untergekommen ist und da gab es auch so einen Fall) filmen. Dabei springen sie aus fahrenden Autos, um daneben auf der Straße nach einem bestimmten Song zu tanzen. Der/die eine oder andere wird dabei auch schon mal vom eigenen oder einem anderen Auto überfahren oder rennt gegen Pfähle. Sicher auch was für Influencer, weiß nur nicht, für welche Auftraggeber – na ja, mir fiele schon was ein…. Wie auch immer, das nennt man wohl Narzissmus. Komische Welt.

Weil aber trotz der ausufernden Selbstdarstellungen nun der Blick von außen so reglementiert wurde, habe ich mal ein paar „gesichtslose“ Bilder rausgekramt. Denn natürlich kann man Straßenszenen auch einfangen, ohne alles zu zeigen.

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Verdeckt, abgeschnitten, von hinten – es gibt viele Möglichkeiten.

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Zum Beispiel auch vage Spiegelbilder.

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Interessante Motive finden sich überall.

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Das Verschwommen-Diffuse gehört ebenfalls dazu.

Trotzdem.  Ich mag die Menschen auch weiterhin gern von vorne sehen. Gesichtsloser wird trotz oder wegen des Selfie-Wahns eh alles.

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Die 31. Woche, 2018

Sprach- und energielos wegen der Hitze schaffe ich gerade noch mein Mindestarbeitspensum, während andere Urlaub machen. Oder auf der Großbaustelle gegenüber arbeiten. Oder den Müll wegfahren. Ansonsten sind Zitate alles, was ich noch von mir geben kann.

Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war.
(Mark Twain)

Die Hitze schafft alles Flussartige weg und treibt, was Schärfe im Körper ist, nach der Haut.
(Johann Wolfgang von Goethe )

Lieber Freund, was für ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzen, mehr Omelette als Mensch.
(Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Was ein rechter Sommer ist, heizt zünftig ein und macht sich dann aus dem Staub.
(Brigitte Fuchs)

Während ich das Zubettgehen hinauszögere, stehe ich morgens trotzdem früher auf der Matte. Wie kann man bei diesen Temperaturen ohne Klimaanlage schlafen (wenn es so weitergeht, wird man auch auch in Mitteleuropa nicht mehr ohne auskommen werden).

Es wäre so schön, ab sieben Uhr auf dem Balkon zu arbeiten, zumal ja jetzt auch hier Schulferien sind und die zuletzt nur noch „Fuck you!“-schreienden Jungs und anderes Fußball- und Hofgebrüll von nebenan (zwischendurch noch Achtungfertiglos, einszweidrei-Sportwettkampfbefehle) Pause machen für himmlische sechs Wochen. Wenn, ja wenn da nicht die Großbaustelle gegenüber wäre, die mich mit meist spitzen und manchmal stumpfen metallenen hämmernden Knällen selbst samstags um sieben Uhr aus dem Bett schleudert. Und heute früh, es war abzusehen, aus Erfahrung, kamen dann noch die Leute mit den Kranwagen, die die Fassaden des Schulgebäudes lautstark-motorisch säuberten. Ich stellte zwar fest, dass es mir mittlerweile bis auf Ausnahmen gelingt, den Dauerlärm der Baustelle von sieben bis mindestens 18 Uhr auszuhalten, manchmal kann ich die Geräusche sogar wie ein Hintergrundgeräusch durch mich durchziehen lassen oder fast ausblenden, aber alles, was zusätzlich dazukommt, ist dann doch zuviel und hindert mich am Denken, wobei sich das Hirn ja eh schon auflöst.

Hat man den Tageslärm endlich überstanden, gibt es da die Sportfeste mit schrecklicher Livemusik in der Turnhalle und das mehrtägige Schlossbergfest in der Nähe mit ebenso grauenvollen dröhnenden Rhythmen. Und dann sind da noch die Frauen aus dem Nachbarhaus, die jeden Sommerabend, jedes Jahr, ihre Umgebung mit ihren rücksichtslos lautstarken Gesprächen unterhalten. Ja, Sommer ist schön.

Heute Abend brachte zwar etwas Regen Abkühlung, doch in der Wohnung hat sich trotz Durchzugs kaum etwas getan. Was mich traurig stimmt, ist aber, dass die Mauersegler seit ein paar Tagen schweigen und schon wieder gen Süden weitergezogen sind. Warum sind sie nicht noch etwas geblieben? Der Herbst scheint doch noch so fern. Vielleicht sind ja selbst die noch verbleibenden wenigen Insekten vertrocknet. HILFE! In diesem Moment umschwirren mich zwei Riesennachtfalter! Ich muss das Licht löschen. Gute Nacht.

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Der Fall Özil

Eigentlich wollte ich mich dazu nicht äußern, denn es ist schwierig, sich ein umfassendes Gesamtbild von den Geschehnissen zu mache, noch dazu, wenn man sich im Fußball nicht so auskennt und sich kaum dafür interessiert. Aber es geht ja nicht eigentlich um den Sport. Daher wage ich es nun trotzdem, meine persönliche Meinung zu sagen.

Ich finde es falsch und ungerecht, Mesut Özil für die Niederlage der deutschen Mannschaft verantwortlich zu machen, wie es viele tun. Die ganze Mannschaft hat nicht überzeugt, da sind sich alle Kritiker einig (und ja, habe auch schon mal hingeschaut). Natürlich war es unklug und unsensibel von Özil, sich mit Erdogan ablichten zu lassen, auch wenn er türkischer Herkunft ist. Er hätte in dieser Situation wissen müssen, dass es nicht so gut ankommt, wenn er sich wie ein Freund des Despoten darstellt – und bis heute bereut er nichts, hat die Bedeutung seiner Geste für andere also offenbar nicht begriffen. Andererseits: Wenn Angela Merkel Erdogan nicht nur die Hände schüttelt und gemeinsam mit ihm in die Kameras lächelt, sondern sogar weiterhin mit ihm Geschäfte macht und die Türkei weiter EU-Anwärterin ist, ist das anscheinend vertretbar und korrekt?! Was für eine Bigotterie. Natürlich hat sie den Fußballspieler dann auch verteidigen müssen, sonst hätte sie selbst ja in schlechtem Licht gestanden.

Daher finde ich, dass Özil zu Unrecht als der an allem Schuldige an den Pranger gestellt wird, er kommt mir vor wie ein Bauernopfer bzw. ein Stellvertreter, der alle Enttäuschung und allen Hass auf sich zieht. Wie wär’s, wenn man mal die deutsche Regierung kritisieren und die Waffenexporte in die Türkei unter die Lupe nehmen würde?

Und so übertrieben und auch ungerecht ich Özils allgemeine Anklagen zum Rassismus in Deutschland auch finde, so steckt doch ein Stück Wahrheit darin. Das bemerkt man schon, wenn man die Äußerungen von DFB-Präsident Grindel sieht, der meiner Meinung nach abgesetzt gehört. Teile dieser Gesellschaft sind wohl un“heil“bar. Auch Hoeneß sollte besser den Mund halten, er diskreditiert sich selbst, ebenso wie es andere Fußballoberen tun – vom tumben Matthäus mal ganz abgesehen.

Klar, dass das alles für die AfD ein gefundenes Fressen ist. Am schlimmsten fand ich aber im Grunde die Äußerung unseres (ausgerechnet) SPD-Außenministers Heiko Maas. Von Diplomatie und Taktgefühl hat der ansonsten blasse Mann offensichtlich keine Ahnung, denn warum sonst hätte er sich dazu hinreißen lassen zu sagen, er glaube nicht, „dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über Integrationsfähigkeit in Deutschland“. Wie dumm, voll daneben, Abseits, Eigentor. Und ausnahmsweise stimme ich mal Agenda-2010-Schröder zu, der die Äußerungen von Maas als „schlicht und einfach unerträglich“ bezeichnet hat.

Und da sind aber noch die anderen, die die „Menschen mit Migrationshintergrund“ quasi aus der Gesellschaft aussparen insofern, als sie sich verpflichtet fühlen, ihnen auch dann vehement beizuspringen, wenn sie Fehler machen und sofort reflexartig Rassismusdebatten lostreten wie zum Beispiel Justizministerine Barley, Maas‘ Parteikollegin. Fördert das die Integration? Ist das nicht auch Ausgrenzung? Und überhaupt, sollten nicht alle Menschen, Bürger, gleichbehandelt werden?

In Deutschland ist es schwierig mit dem „Dazwischen“ – es gibt in vielen politischen Debatten nur Schwarz und Weiß, einseitige Parteinahmen, keine Grautöne, kein Differenzieren. Schade.

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Ostuni, città bianca, die weiße Stadt

Schon seltsam, wenn man im Dunkeln irgendwo am äußeren Absatz des italienischen Stiefels gelandet ist und erst am nächsten Morgen begreift, wo man sich befindet.

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Man fährt über von Steinmäuerchen und Olivenhainen gesäumte schmale Straßen (mit hölzernen Strommasten ;-)) und plötzlich meint man eine Fata Morgana zu sehen, dabei ist es „nur“ das Städtchen Ostuni.

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Ich hatte vorher viel darüber gelesen und dachte, „die weiße Stadt“ sei vielleicht überbewertet, doch ich fand sie am schönsten von den Orten, die wir im östlichen Salento besucht haben und das, obwohl sie nicht direkt am Meer liegt, das allerdings aufgrund der erhöhten Lage der Stadt und der geringen Entfernung gegenwärtig ist.

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Der Blick von einem bestimmten Standort aus auf Ostuni ist sehr beliebt bei Hochzeiten, dort lassen sich die Paare besonders gern ablichten.

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Andere Pärchen beschäftigen sich auf dem Belvedere allerdings lieber mit dem Virtuellen, jeder für sich.

Anfang Juni hatten wir immerhin das Glück, zu Füßen der Altstadt im Schatten einen Parkplatz zu finden. Der Aufstieg in die Stadt ist steil, doch hat man sich danach erstmal die ersten paar hundert Meter über gnadenlos sonnige Stufen in die Altstadt emporgekämpft, ist man nur noch entzückt.

Beeindruckend sind die Eingänge zu den Häusern und Wohnungen – wie schaffen es wohl nicht mehr fitte ältere Menschen, ihre Einkäufe dort emporzuhieven und ihren anderen Wegen nachzugehen? Schon der „Einstieg“ zur Haustür ist oft schwierig.

Wie auch immer, die Kräuter fürs Restaurant wachsen direkt an der Gasse.

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Für hinguckende Touris liegen auch noch andere Motive am Wegesrand.

Selbst Picasso war da, na ja, postirgendwas…

Ans banal-profane Essen denke ich Ferienmachende natürlich auch, wobei ich diesbezüglich in ganz Apulien noch nie danebengegriffen habe. Unser Lieblingsrestaurant der ersten Woche war das Ristorante Miramare da Michele in Torre Santa Sabina.

Eine Speisekarte lag nur draußen auf den Tischen, wo ein paar Engländer saßen. Drinnen – wo man einen Blick aufs Meer durch Fliegengitter hatte – kam der Chef an den Tisch und nannte die frischen Tagesgerichte. Beim erstenmal nahmen wir die (natülich selbstgemachte) Pasta mit Gambas, beim zweitenmal wählte mein Reisebegleiter den gegrillten Fisch und ich – weil ich das am Nachbartisch sah – ein äußerst einfaches, aber köstliches Gericht: Cozze (Miesmuscheln) mit Kartoffeln, Reis, Zucchini und Tomaten – für acht Euro. Schlichter geht’s kaum, für mich war es ein Traum.

Was soll ich in Deutschland nur essen? Diese Frage stelle ich mir immer nach solchen Reisen und bin immer noch nicht wieder richtig zuhause.

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