Erste römische Impressionen – prime impressioni romane

In sechs Tagen kann man in Rom ziemliche viele Eindrücke sammeln, doch womit soll man anfangen, um sie zu beschreiben und zu bebildern? Ich beginne fürs erste einfach mal mit einigen meiner beliebten Einblicke – Blicke in Fenster, durch Tore, auf Plätze und Höfe, in Cafés und Läden. Manchmal sind es auch Ausblicke. Komm einfach mit mir mit, via con me (was ja eigentlich „weg mit mir“ heißt, also: gemeinsam weg nach Rom).

Gleich geht’s ins Haus, in einen mittelalterlichen Palazzo. Meine Ferienwohnung befindet sich unterm Dach, bis dahin sind es 64 Stufen, die in den unteren Etagen noch einigermaßen komfortabel sind – aus Marmor und mit güldenen Knöpfen am Treppengeländer – und ganz oben dann extrem steil werden und nur nochgestaltet aus einfachem Stein und mit schmucklosem Eisengeländer– an dem ich mich regelrecht hochziehen musste, wenn ich viel zu tragen hatte. Man nennt sowas auch Training, sagte mir der lustige junge Mann, der mir bei der Ankunft die Tür öffnete und den schweren Koffer hochschleppte. Hat man die Treppe dreimal am Tag erklommen, hat man tatsächlich das Gefühl, Sport getrieben zu haben.

K1024_rom_höfe2

Oben angekommen, gibt es zur Belohnung zwei gemütliche Zimmer und einen kleinen Balkon mit Blick auf ein Gewirr von Hinterhöfen und Terrassen.

K1024_2017_12020001

Dem Palazzo, der wie ein normales schmuckloses Wohnhaus wirkt, sieht man nicht an, dass er nach hinten raus weitergeht und dort mehr Etagen hat. Nach 1870 war dort eine Zeit lang die römische Präfektur untergebracht, ansonsten hatten dort einige Akademien ihren Sitz: die römische archäologische Akademie und die Accademia dell’Arcadia, der Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler angehörten; auch Goethe wurde in die Akademie aufgenommen. Schließlich befand sich im Haus früher einmal die Accademia dei Lincei (vom lateinischen „lynx“, Luchs – auf Deutsch also: Akademie der Luchsartigen) – luchsartig im Sinne von scharfsichtig. Heute heißt sie „Nationale Akademie der Wissenschaften Italiens“ und ist längst in ein anderes Gebäude umgezogen. In welchen Mauern ich da wohnte, fand ich erst nach meinem Aufenthalt heraus.

K1024_2017_11300018

Auf meinem ersten Erkundungsgang durch die Altstadt kam ich an der barocken Kirche Sant’Ivo alla Sapienza vorbei, 1642 bis 1664 von Francesco Borromeni erbaut. Sie ist dem heiligen Ivo geweiht, dem Schutzpatron der Juristen, und architektonisch besonders originell gestaltet.

K1024_2017_11300020a

Im großen Innenhof hielten sich allerdings keine Juristen auf, sondern Schüler oder Studenten, die sich daran übten, das Bauwerk zeichnerisch festzuhalten.

K1024_2017_11300023

Am Campo di Fiori, auf dem ich einmal absichtlich und einmal zufällig landete, stieß ich auf dieses Schaufenster eines Geschäfts, das Geistliches und Weltliches in bunter Mischung anbietet und skurril drapiert. Überhaupt liegen beide Sphären in Rom, in Italien überhaupt, ja nah beieinander und schließen sich nicht immer aus.

K1024_rom_höfe3

Ob dieser Geistliche ein Priestergewand kaufen oder sich lieber an einem Glas Chianti in der Enoteca Corsi laben will? Er hat die Wahl – und das alles dicht beieinander in der Via Gesù, der Jesusstraße! Selbst entschied ich mich für ein Mittagessen in der zur Enoteca gehörenden Osteria mit typischer römischer Hausmannsküche, sehr schmackhaft ist das Ossobuco.

K1024_2017_12010051

Bald stellte ich fest, dass es von meinem Ferienquartier aus nur ein Katzensprung zu allen Sehenswürdigkeiten des alten römischen Zentrums war. Im Nu war ich beim Pantheon angelangt, das ich bei meinem ersten Rombesuch mit 18 Jahren nicht gesehen hatte. Die Rundkuppel des unter Kaiser Hadrian zwischen 125 und 128 n. Chr. fertiggestellten Baus galt über 1700 Jahre lang als größte Kuppel der Welt – gemessen am Innendurchmesser – und das Pantheon ist, wie Wiki sagt, eines der besterhaltenen Bauwerke der römischen Antike. Auf jeden Fall ist es beeindruckend.

K1024_2017_12010054

Doch da geht es auch schon wieder hinaus, unter den imposanten Säulen hindurch. Es müssen übrigens nicht unbedingt nur die berühmtesten Bauwerke sein, die mein Herz erfreuen. Oft sind es gerade die ziellosen Streifzüge durch die Gassen, die die Flaneurin in mir wecken und immer Neues fürs Auge bieten.

K1024_2017_12010074a

Da wäre zum Beispiel das Back- und Süßwarengeschäft, in dem der Bäcker gerade die frischen dolci anordnet,

K1024_2017_12010079a

die knallgelbe Vespa vor dem Café, in das man bei Regen fliehen kann,…

K1024_2017_12010077b

oder der Pinocchio-Schnitzer im Eingang seiner kleinen Werkstatt, dessen freundliches Gesicht fast auch ein wenig wie geschnitzt wirkt.

K1024_rom_höfe4

A propos dolci: Der Römer ist ein Genussmensch, er isst und trinkt gerne. Ich habe in keiner anderen Stadt soviele Weinbars gesehen wie dort – in den meisten kann man auch zumindest kleine Speisen bekommen. Und Restaurants gibt es sowieso zuhauf. Aber auch die Kuchen verlocken. Ich sah eine Frau mit einem dieser gefüllten süßen Röllchen oben links aus der Pasticceria kommen – sie biss hinein und seufzte laut und verzückt „Oah!“. Ansonsten kann man in der Norcineria Wilschweinsalami, -schinken und vieles mehr kaufen oder, bei sehr gut gefülltem Portemonnaie, beim Metzger/Traiteur die feinsten Gerichte erstehen, die wie Kunstwerke aussehen – Italiener sind halt Ästheten – und die man nur noch in den Backofen schieben oder auf andere Art garen muss.

K1024_rom_höfe1

Tststs, wieder weg von der Esskultur zur Kultur, die man nur anschauen kann, zum Beispiel zu den schönen Innenhöfen, die Rom zu bieten hat. Meist ist das große Eingangstor geöffnet und durch ein zweites, ebenso geöffnetes Tor, gelangt man in die Höfe, die oft Gärten ähneln, und auf die Büros oder Wohnungen ausgerichtet sind. Dabei muss man zwar an der Pförtnerloge vorbei, der die nur mit einer harmlosen Kamera bewaffnete Touristin allerdings immer passieren ließ.

Im Hof angekommen, kann man Kunstwerke wie Statuen, Büsten, Wandgemälde und Reliefs entdecken – faszinierend – und manchmal auch etwas Weihnachtsdekoration wie die mit Lichtern geschmückte Tanne weiter oben.

K1024_2017_12040016

Auch die Schaufenster und Restaurants präsentieren sich weihnachtlich, was in großem Kontrast dazu steht, dass der Römer an sich zumindest noch bei 10 Grad darauf besteht, unbedingt draußen essen zu wollen, ob mit oder ohne Heizpilz, dann eben mit Mantel. Hier in der rot dominierten Auslage vermisste ich die roten Dessous, die Italienerinnen ja an Weihnachten traditionell tragen, doch sicher waren sie vor den neugierigsten Blicken diskret versteckt.

K1024_Collage4

Mich aber fror am kühlsten Tag meiner Städtereise und ich nahm meinen ebenso roten Martini lieber drinnen. Vorher hatte ich mir noch in einem kleinen Laden hübsche dunkelrote Lederhandschuhe gekauft zu einem Preis, für den ich sie in Deutschland nicht bekommen würde. Vor der Bar am Platz des Pantheons war die Hölle los, vor allem asiatische Touristen kamen in(s) Schwärmen.

K1024_2017_12030046

Die hübsche junge Japanerin verwirrte mich: Sie zankte die ganze Zeit schlecht gelaunt und mit grimmigem Gesicht mit ihrem männlichen Begleiter herum – bis es um die Selfies vor Pferd und Pantheon ging. Kurz Lippenstift nachgezogen und das Haar gerichtet und dann setzte sie von jetzt auf gleich das sanfteste zuckersüßeste, liebreizendste Lächeln auf für das Bild. Wie angeknipst. Nach dem Fotoknipser wurde die Mimik auch gleich wieder auf schlecht gelaunt zurückgestellt. Ich war beeindruckt von soviel zielgerichteter professionaller und abrupter Wandlungsfähigkeit.

Noch mehr Touristen als am Pantheon begegnete ich dann an einem Sonntagnachmittag am Trevi-Brunnen. Aber auch zahllose Römer trafen sich dort auf ihrer Passeggiata, flanierten ein wenig vor und zurück oder standen grüppchenweise zusammen, wie es in ganz Italien üblich ist.

K1024_2017_12030008

Ich beschränkte mich beim Fotografieren erstmal auf ein Fenster, in dem sich etwas Trevi-Brunnen spiegelte, so hatte ich keine schwarzen Menschentrauben vor der Linse.

K1024_2017_12040040

Viel ruhiger und dabei sonnig und mild verabschiedete mich Rom dagegen am letzten Tag auf der Piazza Navona, begleitet von Straßen-Live-Musik beobachtete ich das friedliche Treiben.

K1024_2017_12040046

Ich fühlte mich wie im Vorfrühling, blieb solange, bis mich der Schatten einholte, als die Sonne von den hohen Häusern verschluckt wurde und sagte Arrividerci.

Veröffentlicht unter Rom | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Fragen und: Grazie Roma

Zum Jahresende werden wir mit Schenkbefehlen, Horoskopen und Programmen für gute Vorsätze überschüttet – ob wir wollen oder nicht. Man müsste schon als Einsiedler leben, um davon nichts mitzubekommen. Nachdenken sollen wir aber trotzdem. Uns besinnen. Aber warum ausgerechnet jetzt? Wer schreibt denn vor, dass das Kalenderjahr unser zeitlicher Maßstab ist?

Warum sollen wir uns ausgerechnet im Dezember darüber klar werden, was wir in den letzten zwölf Monaten erreicht oder nicht erreicht haben, dafür, ob wir glücklich waren oder nicht und was wir uns für die Zukunft vornehmen? Hat nicht jeder, alles, seine Zeit?

Woher kommt die Digitalisierung? Von wem wird sie uns aufgedrückt, als unabdingbar, mit Panikmache für die Wirtschaft (oh Schreck, VUCA-Welt, alles disruptiv, Hilfe, zeitnahes agiles Handeln dringend erforderlich, nein: überlebensnotwendig)? Warum hinterfragt das niemand? Wie naturgegeben schwappt der digitale Wandel, die Robotisierung über die Welt von irgendwoher und wir sollen es schlucken, Massenentlassungen inklusive, schon proaktiv, siehe Siemens. Hauptsache, den Managern geht es prima und sie bekommen weiter ihre Millionengehälter.

Warum gibt es keine unabhängigen kritischen Journalisten mehr? Warum darf man als Journalist nichts mehr kritisieren, ohne seinen Job loszusein?

Warum wird man in Deutschland angeschnauzt, wenn man es wagt, ein Taxi für zwei Kilometer zu nehmen? Ist nicht jeder Fahrer mal vorn in der Schlange und hat nur eine kurze Strecke, gleicht sich das nicht aus? Wieso kann der Busfahrer nicht ein einziges Wort sprechen außer „Einfach?“ und kommandiert sonst nur mit fuchtelnder Zeichensprache rum? Warum wird man im WordPress-Forum (!) beschimpft, wann man sachliche Fragen zum Fotospeicher stellt: „Vielleicht mal 5 Sekunden nachdenken anstatt hier solchen Rotz zu fabrizieren. Bitte … gerne“, „Nochmal für (die) ganz Dumme“ und „Na … dämmerts dir?“

Ja, ich bin dumm, weil unvorbereitet für die allgemeine neue Welt und speziell die rohe Welt der unzivilisierten respektlosen Barbaren hierzulande, die jeder Grundhöflichkeit entbehren. Wirklich, „Neue Männer braucht das Land“ – und mehr als vor 30 Jahren. Was ist bloß los hier? Soviel Aggression, vor allem von Männern gegen Frauen, aber nicht nur. Die allgemeine Grundstimmung ist mies. Gerade aus dem Ausland zurück, spüre ich das immer besonders hart. Ach ja, in Rom wird man noch als (Mit)mensch und auch als Frau behandelt.

Bin kein Fußballfan, trotzdem: Danke, Rom, für die entspannten heiteren Tage, deshalb mal was „Seichteres“:

 

Veröffentlicht unter Alltägliches/Allgemeines, Rom | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

Goodbye Johnny

Wie immer ab November nimmt das Sterben seinen Lauf. Unter den Promis hat es nun Johnny Hallyday erwischt, er wurde 74 Jahre alt. Ich kann nicht sagen, dass ich ein Fan von ihm war, dazu war mir seine Musik meist zu rockig, aber einige seiner Balladen mochte ich sehr. Zweifellos hatte Johnny eine unverwechselbare Stimme, dazu diese Augen, er war schon besonders. Wie sagt man: Er hatte was und ich mochte ihn.

Nun bin ich aber doch überrascht, dass er fast ein Staatsbegräbnis bekam, mit Trauerzug auf den Champs Elysées und 700 Harleys. Macron, Hollande und Sarkozy saßen in der Kirche in einer Reihe, seine Exfrauen Sylvie Vartan und Nathalie Baye auch, die Menschen in Frankreich feiern ihn posthum wie verrückt und auf TF1 befasste sich das Journal, die Abendnachrichten, fast nur mit Johnny, der mit richtigem Namen Jean-Philippe Smet hieß. Überall im Land Sonderveranstaltungen. Und sogar in Deutschland wird über ihn berichtet, dabei dachte ich, hier würden ihn nur wenige kennen.

Ich wusste nicht, dass er quasi ein Nationalheiligtum war, anscheinend so wie die Piaf.  Bei Charles Aznavour könnte ich mir diese kollektive Trauer und diese pompöse Zeremonie vorstellen, beim französischen Rocker Hallyday wundert sie mich, denn schließlich war er kein Chansonnier und auch seine Texte hat er nicht selbst geschrieben, auch hatte er bei einigen wohl den Ruf, etwas „einfach gestrickt“ zu sein. Er kam nicht aus der französischen Bourgeoisie, sondern wurde offenbar auf der Straße geboren und bald von der Mutter verlassen, wuchs bei deren Schwester auf und übernahm später den Nachnahmen ihres amerikanischen Mannes als Künstlernamen. Und wenn man bedenkt, dass er als Kind nicht auf Rosen gebettet war, kommen einem schon Parallelen zu Edith Piaf in den Sinn und vielleicht verehrt man dann doch die, die es nicht leicht hatten, was ja für die Franzosen spricht.

Künstlerblut hatte Johnny von seiner Familie geerbt. die aus Schauspielern, Tänzern und Sängern bestand. Er wurde der französische Rocker par excellence und offenbar hat er das Leben vieler Franzosen über Jahrzehnte musikalisch begleitet.  Jetzt fehlt er ihnen, ein Stück Geschichte ist gestorben. Ich bin sicher, ihm, Johnny, hätte gefallen, wie man ihn ehrt, auch wenn er als schüchtern und bescheiden galt.

Adieu, Johnny. Hier ist mein Lieblingsong von dir, „Marie“:

Veröffentlicht unter Alltägliches/Allgemeines, Musik, Film, Theater, Bildende Kunst und mehr | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare

Da, arrivata

In Rom wird man morgens nicht von Krähen geweckt, sondern von Möwen. Mindestens eine halbe Stunde Fahrt vom Meer entfernt, sitzen sie auf den Hausdächern, kreischen, klagen, singen und bellen. Mir gefällt das, ich finde das schön fremd und weniger düster.

Tagsüber auf meinen Erkundungen kann ich, wenn ich Glück habe, sogar kurz optimistisch den Mantel aufknöpfen – heute 17 Grad in der Sonne, im Schatten sind es jedoch auch nur 10 Grad. Gestern Regen, sonst harte Kontraste, nur Hell und Dunkel jetzt, was das Fotografieren erschwert. Die Römer aber scheinen den ankommenden Winter ignorieren zu wollen. Alle Restaurantterrassen geöffnet, mit Heizpilzen und ohne, mit Windschutz und ohne. Man lebt schließlich im Süden.

Selbst die Platanen zögern hier, ihr Kleid abzuwerfen.

Ich entspanne. Bald muss ich schon wieder weg, „nach Hause“.

Veröffentlicht unter Reiseimpressionen, Rom | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare

Genscher im Erbgut

Heute früh ist mir sozusagen ein geistiger Lapsus passiert. Im Internet sah ich unter den Nachrichten bei SPON den Titel „Forscher schleusen Genschere in Patienten ein“. Ich überlas ein E. Heraus kam „Forscher schleusen Genscher in Patienten ein“. Bei Außenministern wäre das ja nicht völlig absurd, auch wenn der Mann schon tot ist. Als mir klar wurde, dass es sich nicht um ihn handeln konnte, wusste ich immer noch nicht, was gemeint war. Ob es sich um ein Bakterium handelt? Genschere (immer noch las ich es mit kurzem E in der ersten Silbe) klingt so und erinnert an sowas wie Escherichia coli. Jedenfalls muss es etwas Unangenehmes sein, da es ja eingeschleust wird. Damit verbinde ich nämlich, dass es heimlich geschieht und gegen den Willen eines Menschen oder einer Gruppe, auch über Grenzen. Einschleusen bedeutet ja: unbemerkt hineinbringen, Einschmuggeln.

Doch weit gefehlt: Eine Genschere oder CRISPR ist ein gentechnisches Verfahren, mit dem man ins Erbgut von Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren oder eben auch Menschen eingreifen kann, um einen genetischen Defekt zu beheben. Im beschriebenen Fall soll ein an Morbus Hunter erkrankter Mann damit geheilt werden. Warum man dann das Wort Einschleusen benutzt, ist mir schleierhaft. Vielleicht muss das vorhandene Gen überlistet werden und darf nicht vorher informiert werden? Wie auch immer, ein Bindestrich würde für unwissende Leser wie mich Vorteile bringen. Bei Gen-Schere (so schreiben es die meisten) wäre mir das nämlich nicht passiert und ich hätte mir diese Peinlichkeit ersparen können. Und überhaupt: Nicht immer sind laiensprachliche Begriffe für Laien auch verständlich, denn: Wird da ein Gen durchgeschnitten? Hätten sie doch gleich CRIPSR geschrieben, dann hätte ich wenigstens gleich googeln können.

Ach, würde doch Genscher noch leben, dann wären der FDP all die Möllemanns, Westerwelles und Lindners erspart geblieben.  Aber wenn ich die Wahl hätte, wäre ich doch am liebsten für das Hamm-Brücher-Gen, doch das scheint sich in dieser unsäglichen Partei nicht durchgesetzt zu haben.

Veröffentlicht unter Alltägliches/Allgemeines, Skurriles | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Wie wäre Venedig im November…

Gerade stoße ich beim Thema November auf einen WordPress-Beitrag von mir vom 25. November 2014. Anne alias (La)Nanef ist nun schon bald zwei Jahre nicht mehr lebendig. Sie war einfach verschwunden, disparue.

Es bleibt ihr Kommentar, es bleibt ihr Blog „Ici, là et ailleurs“ – Hier, dort und anderswo.

————————

Des mots inspirés par des photos de Venise accompagné d’un poême d’Anne Faucher sur Facebook (angeregt von Venedig-Fotos und Worten der Facebook-Freundin Anne Faucher):

Ni rien ni…

Portes mi-closes
Portes indécises
Sur un canal, une vie

Derrière les façades fanées
Persistent pour toujours
Les mystères
Ainsi que les secrets
Importants ou pas
Dans l’ancien palais
Au sol de marbre
Et ailleurs
Peuplé de fantômes
D’histoires
Et leurs ombres
Aux ailes qui battent
Inlassablement
Pour éviter la chute finale
Vie étrange
Ville mystérieuse
D’un autre monde
Que tu es
Que même le carnaval
Ne peut pas
Démasquer
En ce mois
Si nébuleux.

Venedig

Veröffentlicht unter Poetisch Versponnenes, Venedig | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 2 Kommentare

Lindner und Konsorten

Schon lange frage ich mich, warum im angeblichen Wohlfahrtsstaat Deutschland niemand mehr auf die Barrikaden geht – und wenn, sind nur die Rechten laut. Das war doch mal anders, in den 80ern zum Beispiel, die ja eigentlich als unpolitisch galten. Na, wenn das Jahrzehnt und das nächste unpolitisch war, was ist dann dieses…? Der Neoliberalismus feiert überall Erfolge, vor allem in Gestalt von narzisstischen Typen wie dem französischen Shooting Star Macron und dem billigen Möchtegernimitat Christian Lindner, der ebenfalls sein Egospiel durchzieht, sich dann aber aus der Verantwortung stiehlt, weil er nie Bock zum Regieren/Arbeiten hatte – wobei ich auf diese Art von Politik auch prima verzichten kann. Komische Welt jedenfalls. Und die SPD, leider, liefert weiter ein Jammerspiel. Die Grünen reden von „Recht und Ordnung“ und „Patriotismus“ und kriechen auf Muttis Schleimspur. Was soll bloß werden?

Neue Männer –  pardon, Menschen braucht das Land  (hatte nur gerade den Song von Ina Deter im Kopf und nein: Ich bin weder Feministin noch Emanze, sondern zufällig weiblich).

Veröffentlicht unter Alltägliches/Allgemeines | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 8 Kommentare

Roma

Alle Wege führen nach Rom.

Mit Fragen kommt man gen Rom.

Wer nach Rom gehet, sucht das erstemal einen Schelm, das zweitemal findet er ihn, und das drittemal bringt er ihn heim.

(Alles deutsche Sprichwörter)

Ich war erst einmal in der „ewigen“ Stadt und das ist auch fast ewig her: Interrail. Stazione Termini. Zwischen Madrid, Andalusien und Paris. Drei oder vier Tage. Viele – köstliche – Pizzastücke auf die Hand als billige Grundernährung. Heiße Milch im Hochsommer, weil ich mit 18 noch nicht wusste, dass caldo nicht kalt bedeutet. Bunte Getränke – rot, grün, orange, gelb – in allen Cafés und Bars, das widerlichste fettigste Omelette aller Zeiten in einem Gewölbekeller in der Nähe des Vatikans, glaube ich. Antike Ruinen und Olympiastätten, Colosseum und die Jugendherberge mit dem besten Frühstück der Welt, allerdings mit kalten Wasser Haare waschen und einmal in der Toilette eingesperrt sein und von einer Amerikanerin gerettet werden. Mal sehen, was das zweite Mal bringen wird und ob sich der Schelm schon zeigt – und ob ich Antworten auf meine Fragen bekomme.

Was nützt mir in Rom der beste Stadtplan von Paris?

(Walter Ludin)

Ich vermute, gar nichts.

Deutschland kann sich nicht entlaufen und wenn es nach Rom liefe, überall wird es von der Platitüde begleitet, wie der Engländer von seinem Theekessel.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Klingt irgendwie trist, aber schau’n wir mal. Auf jeden Fall brauche ich wie der Engländer meinen Tee, geht aber auch ohne Kessel.

Die alten Rom-Bilder sind nicht digitalisiert, neue habe ich bisher nicht und anonyme Fotos will ich nicht. Daher ist die Kategorie „Reiseimpressionen“ noch falsch und bleibt unbebildert, aber mir fällt keine bessere ein. „Reisepläne“ wäre ja auch doof. Mehr  zu gegebener Zeit.

Veröffentlicht unter Reiseimpressionen | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

11/17

Ich ziehe deshalb den Herbst dem Frühjahr vor, weil das Auge im Herbst den Himmel, im Frühjahr aber die Erde sucht.

(Søren Aabye Kierkegaard)

Hmmm, ich muss überlegen. Erstens ziehe ich das Frühjahr dem Herbst vor und zweitens suche ich auch im Frühjahr nicht nur Krokusse, sondern auch den Himmel (hier im Bild herbstlich-südburgundisch, ebenso wie die Erde).

2017_10010025

2017_10010031a

Man muss ja nicht mit allen viel-oh-so-fischen Äußerungen einverstanden sein.

Veröffentlicht unter Alltägliches/Allgemeines, Aphorismus der Woche, Monatsfarben | Verschlagwortet mit , , , , , | 7 Kommentare

Retour

2017_10170011a

Wo gestern noch Grün war

Triumphiert, hübsch belichtet, nun Braun

Dazwischen noch Gelb

Schwarze Äste auch hier

Wo eben die See gleißte

Blenden Dächer aus Teer

Wo gerade noch Weite war

Beschützt jetzt ein Vorhang.

Was will man, Meer.

Veröffentlicht unter Poetisch Versponnenes | Verschlagwortet mit , | 4 Kommentare