Lach du nur

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Fotoquelle: /www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/gruenspecht/

Neuerdings weckt mich frühmorgens manchmal ein lachender Vogel. Waren es bislang die frechen Spatzen und die sich in der Stadt anscheinend immer wohlfühlenderen Krähen (scharenweise und nicht nur das hier im Haus bekannte Krähenpaar), melden sich neuerdings auch Tauben (sehr sporadisch) und plötzlich auch Lachvögel zu Wort. Was es mit den lachenden Vögeln auf sich hat, wusste ich zunächst gar nicht, ich kannte nur Lachmöwen. Und das, obwohl ich auf dem Land aufgewachsen bin. Niemals zuvor habe ich diesen Vogel gehört. Sein Gesang klingt wie „Hahahahahahaha“ (meist in dieser Silbenzahl). Nun weiß ich, dass es sich um den possierlichen Grünspecht handelt. Das Lachen soll auch den nahenden Frühling ankündigen (danach sah es aber eher vor einem Monat aus, egal, die Tiere wissen es besser). Der Grünspecht ist ein hübscher kleiner Vogel, der durchaus nicht nur grün ist, sondern unter anderem auch Rottöne hat. Wie hat dieses Tier, das zeitweise als gefährdete Art eingestuft wurde, bloß den Weg in die Innenstädte gefunden? Der Grünspecht liebt Verstecke im Unterholz und bevorzugt als Nahrung Ameisen unter morschen Baumborken. Wie und warum auch immer, ich mag diesen Vogel. Aber zu sehen werde ich ihn hier wohl nicht bekommen.

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Small Talk

Seit einiger Zeit redet man ja nicht mehr miteinander. Paare im Restaurant sitzen nach dem schweigenden gemeinsamenEssen jede/r für sich wischend auf ihrem smarten Phone herum. Freunde sind zusammen und reden doch kein Wort, weil jeder die Beiträge wildfremder Menschen liked oder sich an deren Likes ergötzt. Nicht mal mehr für banalsten oder auch netten Small Talk ist Platz, ähm, ist genügend Aufmerksamkeit da. Der Untergang des Menschlichen, der Kommunikation oder gar der Zivilisation? Beileibe nicht! Kein Grund für Kultur- und Sozialpessimismus. Die Trendwende ist längst eingeleitet, der Mensch spricht wieder. Er wischt und klickt nicht nur, sondern gebraucht wieder seine Stimme, das ist revolutionär – oder auch: back to the roots! Mach die Heizung an, Alexa, spiel meine Lieblingsmusik, Google, bestell mir doch dies und das. Dabei muss man gar keinen Finger mehr rühren, nix wischen, nicht klicken. Ich bin erleichtert. Dachte schon, es ginge bergab mit uns. Aber nein, es geht bergauf, stetig. Wir reden jetzt wieder! Wenn auch nicht mit unseresgleichen, sondern mit Robotern. Wenn das kein Fortschritt ist.

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Blaue Stunde

Seit ungefähr zwei Jahren geistert mir bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit der Song „Fly me to the Moon“ durch die Synapsen, keine Ahnung, warum.

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Aber er passt so oft, vor allem im Urlaub. Meist stimmt er mich entspannt und heiter-beschwingt, mal auch ein bisschen melancholisch-sehnsüchtig.

Zur blauen Stunde passt der Song besonders gut. Egal, wo, ob am Meer oder in der Großstadt oder sonstwo. Zwischen chien et loup (zwischen Hund und Wolf) entfaltet sich die Stimmung aufs beste.

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Die 4. Woche, 2018

Zweig ohne Blatt

Hand ohne Schuh

Januar, etwas matt, aber da

Er kommt noch, der Winter

Doch rührt sich schon längst

Ein Hauch von Unruh.

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1/2018

Der Januar trägt seine enttäuschten Hoffnungen schon in sich und zieht sich deshalb mehr als jeder andere Monat.

Manche schaffen es trotzdem.

Hochinteressant finde ich übrigens, das auch der sogenannte linke Flügel der Grünen hierzulande oder ein Teil der SPD auf diesen neoliberalen Franzosen Macron reinfällt bzw. sich von ihm einlullen lässt und gar als Vorbild sieht. Macron verachtet die Arbeiter und „kleinen Leute“ und hat das auch schon, mehr oder weniger oder versehentlich vor Kameras kundgetan. Da kann er noch so laut von Europa und Gerechtigkeit schwadronieren. Das Volk dort und hier hat es nur noch nicht so recht mitbekommen, denn natürlich berichten die deutschen Medien nicht davon. Ist Verschweigen auch unter Fake News einzuordnen? Och nö.

Andererseits verschieben sich auch die Verständnis- und Toleranzgrenzen. Mit den finanziell weniger großzügig Bemittelten, den im Zuge der Globalisierung Abgehängten, hat die Masse, wenngleich selbst betroffen, kein Mitleid mehr. Das Mitgefühl wird auf Nebenschauplätze verlagert. Muss man nicht vor allem tolerant gegenüber Nicht-Heteros sein? Gegenüber Laktose-, Fruktose- und Fleischintoleranten und Veganern?  Gegenüber Minderheiten überhaupt? Huch, woher kommen die denn alle plötzlich? Werbung, Marketingstrategie? Wie auch immer, wer ein falsches Wort dazu sagt, wird sofort an den Pranger gestellt und geächtet; Reflektieren unerwünscht. Wo bleibt das große Herz für alle, auch die „Normalen“ und Armen, wo bleibt die Gerechtigkeit? Die wirklich wichtigen gesellschaftlichen und sozialpolitischen Fragen gehören nicht mehr in diese Zeit, sind nicht mehr erwünscht, werden sofort abgeschmettert. Denn es geht uns doch prächtig. Ja, dem Staat, der Wirtschaft. Amen.  Alles Ablenkung? Heute gibt es nicht mal mehr die Spiele zum Brot. Komische Welt.

 

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Die 3. Woche, 2018

Zitate von Ernst Bloch:

In der Fremde ist niemand exotisch als der Fremde selbst, so ist auch die Fremde sich selber keineswegs schön verfremdet, und der dort Einheimische hat außer der eigenen Not, die der bloße reisende Enthusiast nicht sieht, selber den Wunsch nach Fremde. Etwa nach derjenigen, woher der reisende Enthusiast selber kommt.

Heimat ist ein Ort, an dem noch niemand gewesen ist.

Denken heißt Überschreiten.

Vieles fiele leichter, könnte man Gras essen.

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Hörnchen im Baum

Heute Vormittag wurde mein Blick von drinnen nach draußen gezogen, weil ich aus dem Augenwinkel etwas im Baum wahrnahm, das ungefähr so groß wie eine Krähe war, aber nicht dunkel genug und sich anders bewegte. Und kaum hatte ich es fotografisch erhascht, war es auch schon wieder weg, husch-husch.

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Ich erinnere mich an eine urkomische Übersetzung aus dem Französischen, die von Croissants in den Bäumen sprach. Dabei ist das richtige Eichhörnchen ein Ecureuil und so hieß auch das Restaurant in Angers, in dem ich während meines Frankreichsemesters das erstemal essen war. Dort gab es Schnecken als Vorspeise. Ich pulte mit der beiliegenden Stecknadel unerfahren im Häuschen herum und immer nur fand ein hartes Plättchen in meinen Mund, das überhaupt nichts Fleischiges oder Schmackhaftes hatte und das man auch gar nicht kauen geschweige denn runterschlucken konnte, was mir aber nicht unrecht war. Ich wunderte mich damals, warum man so etwas überhaupt serviert. Dass die grauen Schnecken in Miniformat, les petits gris, erst hinter der „Tür“ verborgen waren, hatte mir ja niemand gesagt.

Davon abgesehen ist ein Croissant ja wirklich ein Hörnchen, wie der Halbmond, der im Französischen genauso heißt wie das Frühstücksgebäck. Und der Verteidiger von Andreas Baader hieß auch so, mit Vornamen Klaus, wobei Claus bzw. Nicolas besser geklungen hätte. Ich war gerade während der RAF-Zeit in Frankreich, wohin Croissant zwei Jahre vorher geflohen war, aber noch während meines Aufenthalts dort verhaftet wurde. Meine Güte, ist das lange her. Nach meiner Deutschland-Rückkehr mit der gelben Ente wurden mein Freund und ich oft auf der Straße angehalten, bedroht von Maschinengewehren im Anschlag. Dabei war wohl kein Terrorist jemals per 2CV mit 28 PS unterwegs gewesen.

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Die 52. Woche, 2017

Ach, die bleiche Sonne Wintersonne! Sie ist traurig wie eine glückliche Erinnerung.
(Gustave Flaubert)

Der Sommer kommt und küsst das Kind; der Winter kommt und tötet es.
(Aus Estland)

Kein Feuer kann sich mit dem Sonnenschein eines Wintertages messen.
(Henry David Thoreau)

 

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Postkarten aus Eguisheim / Eguisheim, une carte postale

Auch wenn man den Weihnachtstrubel nicht mag, kann man bezaubert werden. Ich bin es zum Beispiel von der Art der Elsässer, ihre Dörfer zu schmücken, ob nun zu Ostern oder zur Weihnachtszeit. Sie scheinen ein Faible für das Niedliche und Kitschige zu haben, was mir eigentlich nicht so gefällt, aber dort mag ich es doch. Irgendwie.

Es passt so gut zu den sowieso bilderbuchartigen kleinen Orten mit ihren bunten Spielzeughäusern. Man fühlt sich ein wenig wie in einer Märchenwelt. Abgesehen davon sind die Städtchen, vor allem entlang der Weinstraße, zu jeder Jahreszeit schön. Im Sommer bildet die überbordende Blütenpracht die Dekoration. Im Grunde ist Eguisheim eine einzige Ansichtskarte.

Ein Ausflug am ersten Weihnachtstag (für die Franzosen der einzige Feiertag zu Weihnachten, auch die Geschenke werden dort morgens an diesem Tag verteilt) führte uns unter trüb-grauem Himmel nach Eguisheim, südlich von Colmar und nur knapp eine Stunde von Freiburg entfernt.

Der Ort zählt nur 1738 Einwohner und das Stadtbild ist von Winzerhäusern geprägt. Das besondere an Eguisheim ist, dass bis auf die Hauptstraße alle Gassen ringförmig um die Burganlage angeordnet sind und man den Ort auf diese Weise umrunden kann. Wie es sich wohl in dem kaum zimmerbreiten Häuschen in der Mitte wohnt?

Am zentralen Platz mit einem Brunnen befindet sich die Burg mit der neoromanischen St.-Leo-Kapelle. Trotz der feuchten Kälte, die bis auf die Knochen ging, war dort und in den schmalen Kopfsteinpflastergassen einiges los, zumal dort ein Weihnachtsmarkt aufgebaut war. Nur die Storchennester waren leer.

Vor ungefähr 15 Jahren war ich schon einmal Ende Dezember in Eguisheim, doch ich kann mich weder an soviel Weihnachtsschmuck noch an so viele Besucher erinnern. Mag sein, dass es daran liegt, dass Weihnachten damals schon vorbei war. Mag aber auch sein, dass es die Globalisierung bewirkt, dass Menschen aus der Ferne mittlerweile in den kleinsten Orten der Welt auftauchen – auch da, wo es keine Häfen für Kreuzfahrtschiffe gibt.

Jedenfalls hat sich Eguisheim inzwischen bestimmt auch international einen Ruf erworben. Wie schon einige andere schmucke elsässische Kleinstädte wurde dieser Ort nicht nur mehrfach als ville fleurie für seinen Blumenschmuck ausgezeichnet, der ja zu dieser Jahreszeit wegfällt, sondern 2013 im Internet zum „village préféré des Français“, zum bevorzugten Dorf der Franzosen gewählt (was sich natürlich lediglich auf das Optische bezieht) und sicher auch dadurch noch bekannter.

Neben den mehrheitlich französischen Stimmen hörte man auch Russisch und Japanisch. Schicke Japanerinnen mit Einkaufstüten von Designern (vielleicht machten sie Orts- und Shopping Hopping im Elsass, von Strasbourg über Colmar bis hin zum winzigen Eguisheim) kauften doch tatsächlich plüschige Hausschuhe aus dem Souvenirladen. Die Russen drängten sich um die süßen Esel, Schafe und Lämmchen, die sich in einer Art Freiluftstall auf dem Marktplatz befanden. Ob sie – die Tiere – wohl später zum lebendigen Krippenspiel gerufen wurden?

Während man als weihnachtlichen Fenster- und Türschmuck vor wenigen Jahren noch große Päckchen in farbigem Glanzpapier mit großen Schleifen sah, sind nun offensichtlich Plüschtiere modern, vor allem Teddys und Eisbären*. Ich fühle mich ein wenig in eine Kindheit versetzt, die es so puppenstubenartig ja nie wirklich gab – und trotzdem. Aus den putzigen Bildern von Eguisheim, allein aus den weihnachtlich geschmückten Fenstern, könnte man gut einen altmodischen Adventskalender erstellen – etwas silberner Glitzerstaub darüber würde das ganze noch komplettieren. Doch nun sind ja alle 24 Türchen schon wieder geschlossen.

* Ob die Franzosen noch an den Hit Eisbär denken? Zu meinem großen Erstaunen war der NDW-Song der schweizerischen Band Grauzone in Frankreich 1981 ein Riesenhit. Als ich zu der Zeit in der Bretagne war, tönte er ständig aus dem Autoradio. Was fanden sie bloß an diesem deutschsprachigen und ziemlich monotonen Lied? Aber sie mochten ja auch „Autobahn“ von Kraftwerk (fand ich auch gar nicht so übel) und sogar „Dadada“ von Trio. Manchmal ist es sicher gut, nicht alles zu verstehen.

Letzte Nacht träumte ich übrigens, dass ich Eisbären rette. Allerdings sahen sie eindeutig wie Braunbären aus.

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12/17

Schön ist er nicht, dieser Dezember, jedenfalls wettermäßig: in den ersten zwei Dritteln gab es in Deutschland schon 100 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge des gesamten Monats und nur ein Viertel der normalen Sonnenstunden. Oft ist es dunkel, zumindest grau mit oder ohne Nebel. Und der Schnee, der sich hier in meiner Region zweimal morgens zeigte, schmolz schon nach wenigen Stunden.

Das Gute: Obwohl ich die Zeit von Mitte November bis Ende Februar gar nicht mag, weil mir Licht und Farben fehlen, ging sie diesmal bisher schneller vorbei als sonst. Und nun geht es lichtmäßig ja auch schon wieder vorwärts, auch wenn man es erst nach ein paar Wochen merken wird.

Es tut mir gut, die lange Dunkelzeit zu unterbrechen, rauszukommen, etwas anderes zu sehen. Und sicher liegt es auch an meiner Romreise, dass der Winter, der aber ja kalendarisch sowieso erst jetzt beginnt, sich noch nicht so lang anfühlt.

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Dazu kommen unerwartet schöne Erlebnisse (nach einigen weniger schönen), die mein Herz erwärmen. Ich hatte zu einem Nachbarschaftstreff eingeladen, wobei ich die jeweiligen „Parteien“ zum Teil schon ganz gut kannte, sie sich jedoch untereinander kaum. Und weil es doch sehr große Altersunterschiede gibt, war ich etwas aufgeregt und unsicher, wie sie miteinander zurechtkommen würden. Doch es wurde ein sehr langer lebendiger Abend, an dem wir viel gelacht haben, aber nicht nur. Meiner Kehrwochenpflicht kam ich am nächsten Tag dann erst recht spät nach, aber das Treffen hat sich gelohnt und es werden weitere folgen. Die nächste Balkonzeit erwarte ich voller Ungeduld, auch wenn wir uns da drängen  werden müssen.

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