Die 37. Woche, 2016

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Statt die Katze zu verjagen, stell den Teller weg.
(Aus Japan)

Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe, ich schwör’s euch!
(Rainer Maria Rilke)

Die Selbstachtung einer Katze ist außerordentlich.
(Christian Morgenstern)

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Ich bin nicht Charlie

Nein, je ne suis pas Charlie und ich habe das sowieso nie gesagt, weil dieses angebliche Satiremagazin einfach nur menschenverachtend ist. Anscheinend ist die Redaktion empathielos und verwechselt Satire mit Widerwärtigkeit, Geschmacklosigkeit und Beleidigungen. Diese „Karikatur“ veröffentlichte das Magazin in seiner letzten Ausgabe: „Erdbeben auf italienische Art“:

 

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Schlimmer geht’s kaum noch. Ich habe überlegt, ob ich das perverse abscheuliche „Werk“ hier überhaupt zeigen soll, aber ich finde, man muss darauf hinweisen. Hier hört meine Toleranz auf. Ich finde, die Redaktion müsste angezeigt werden wegen menschenverachtender Äußerungen.

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Wann sind wir da? Mir ist langweilig!

Letztes Jahr hatte ich ein lustiges Erlebnis:  Kaum in den Flieger gen Spanien gestiegen und angeschnallt, fragt das Schweizer Kleinkind in der Reihe hinter uns seine Eltern: “ Sind wir jetzt da?“ Ich musste so lachen!

Wenn es jemanden gibt, der nie unter Langeweile litt, so gehörte ich dazu. Viel zuviel ging immer in meinem Kopf vor, es gab so viele interessante Möglichkeiten, sich zu beschäftigen oder über Pläne zu sinnieren, was ich gern machen würde, der Geist war immer in Bewegung. Plötzlich ist das anders, sicher war das eine schleichende Entwicklung. Nachdem ich meinem Brotverdienst nachgegangen bin und irgendwann am Tag den Griffel bzw. die Tastatur fallenlasse, ist da eine Leere (nee, der Geist arbeitet schon immer noch, aber ohne etwas Konstruktives hervorzubringen). Ich sitze da, starre Luftlöcher gen Schwarzwald und denke stumpf vor mich hin…Dabei würde ich doch so gern auch noch und… Schon länger kann ich mich auch kaum noch auf Bücher konzentrieren, nur im Urlaub. Dabei abe isch gar kein Smartphone, das mich ablenkt und selbst das alte Handy ist meist aus oder der Akku leer. Was ist mit mir los? Den Medien- und vor allem Nachrichtenkonsum habe ich schon eingeschränkt, um mir nicht 24 Stunden am Tag Sorgen zu machen, dabei rege ich mich trotzdem noch genug auf.

Ich glaube, ich weiß nicht mehr, was ich kann und was ich möchte, ich habe das vergessen, meine Träume sind mir verlorengegangen. So scheint es. Warum, weiß ich nicht. Ich langweile mich plötzlich. Bin vollkommen orientierungslos. Und deshalb bin ich langweilig geworden, uninteressant für mich selbst und für andere erst recht. Ödnis pur. Ich warte auf Tritte in den Hintern, auf Zufälle oder einen Wink des Schicksals, aber da kommt nix, da ist nur pure Stagnation.

Vielleicht helfen mir ja Fremdzitate, auch oder weil sie den Finger in die Wunde legen…

In der Provinz ist schon der Regen Zerstreuung.
(Jules und Edmond Huot de Goncourt)

L’ennui pleure.
(Mauerinschrift in Paris)

Langeweile ist der Zustand ungelebten Glücks.
(Almut Adler)

Langeweile ist eine Halbschwester der Verzweiflung.
(Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

Wer über Langeweile klagt, hat zu sich selber nein gesagt.
(Erich Limpach)

Die Langeweile wartet auf den Tod.
(Johann Peter Hebel)

Mitunter sage ich mir wohl: das Leben ist zu kurz, daß mich nichts beunruhigen darf. Kommt aber ein unwillkommener Besucher, der mich beim Ankleiden stört, packt mich Ungeduld, und ich kann es kaum ertragen, mich auch nur eine halbe Stunde zu langweilen.
(Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues)

In meinem bisherigen Leben bin ich oft umgezogen, habe oft den Job gewechselt, das hat mir immer gut getan, mich inspiriert und glücklich gemacht. Aber nun weiß ich nicht wohin und ein paar Lebensjahre mehr machen wohl auch zögerlicher für einen Neuanfang fern der alten Freunde, die eh schon überall verstreut sind. Ach, ich würde so gern reisen, eigentlich dauernd… Was ja nicht heißt, dass es keine Menschen gibt, zu denen ich mich immer hingezogen fühle, egal wo ich lebe, das schließt sich ja nun gar nicht aus, nur brauche ich anscheinend alle zehn Jahre spätestens einen Ortswechsel. Aber der Schwarze Wald lässt mich nicht los, es muss das zähe Baumharz sein, die Behäbigkeit hier, daran klebe ich fest, obwohl mir das alles gar nicht gefällt… Also verordne ich mir erstmal Träume, denn damit fängt ja oft alles an…

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Erinnerungskompilierung

Wie siehst du aus? Warum trägst du die Brille nicht? Dein Vater hat aufgeräumt und all deine Zeichnungen weggeworfen. Wie stehst du, wie gehst du? Solche Schuhe trägst du? Ach, dein Mann liest Bücher? So, du hast dich also getrennt, na, er wird sicher schnell eine Neue finden in der Firma, hat ja genug Kolleginnen. Ich habe auch Gefühle. Dein Geschenk kann ich nicht gebrauchen, das Tuch ist nicht quadratisch, sondern länglich und der Stoff sollte auch leichter sein. Du hast einen neuen Freund? Wie heißt er denn und wo wohnt er? Warum ich frage? Ach, nur so, ich interessiere mich eben für Namen. Also, wir schenken uns nie wieder Blumen, wenn ich welche will, kaufe ich sie im Supermarkt! Das Thema ist für mich erledigt, das war das letzte Wort von meiner Seite. Ich weiß auch gar nicht, was du willst, es gab doch gar keinen Streit. Alles Gute für dein Leben. Deine Mutter.

Und man vergisst doch nichts, auch wenn man will.

 

 

 

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Die 33. Woche, 2016

Heuchelei ist die Tugend des Feiglings.
(Voltaire)

Ins sicherste Nest läßt sich das größte Heuchelei legen.
(Manfred Hinrich)

Man muß unterscheiden lernen zwischen einem heuchelnden Lächeln und einem lächelnden Heucheln.
(Willy Meurer)

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Der Samstagsmarkt – Tropea

Kalabrien war nach Kampanien die zweite Region des Mezzogiorno, die ich besucht habe. Inzwischen war auch Apulien dran, aber darüber berichte ich später. Auf jeden Fall hat sich Kalabrien besonders bei mir eingebrannt, vielleicht auch, weil ich dort allein unterwegs war.

Eigentlich wollte ich dem Friedhof von Tropea einen Besuch abstatten, bei diesem unentschiedenen Wetter. Doch auf dem Weg dahin fiel mir das Gewusel auf und wieder ein, dass ja am Samstag „richtiger“ Markt ist, also nicht nur die gewohnten täglichen Stände auf mich warteten. Na, da musste ich aber hin, und zwar auf den kleinen alten Markt oberhalb der Altstadt, auf dem es vor allem Lebensmittel aus der Region gibt (parallel dazu findet „unten“ noch ein Markt statt, auf dem man sich mit Kleidung und Schuhen versorgen kann). Flugs Augen aufgesperrt und doch glatt einen Parkplatz ergattert für meinen piccolino Fiat Cinquecento – das Glück war mir hold, sono stata fortunata!

Auf den ersten Blick bin ich etwas enttäuscht von diesem großen Parkplatz, der den Ständen eine eher schäbige Bühne bietet, denn nicht nur wegen des diesigen Lichts strahlt der Markt weniger Farbigkeit aus und ist auch längst nicht so adrett wie andere italienische Märkte mit ihren gestreiften leuchtenden Markisen. Kalabrien ist eine arme Region mit wenig Industrie, ein Bauernland.

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Allgegenwärtig sind hier die Cipolle rosse, die roten Zwiebeln, natürlich müssen sie unbedingt aus Tropea sein! Es heißt, man könne sie wegen ihrer milden Süße und Fleischigkeit wie einen Apfel essen – das finde ich nun doch etwas übertrieben, aber sie schmecken tatsächlich vorzüglich und finden sich in vielen Speisen.

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Mandeln, Nüsse und andere Knabbereien, Buongiorno Signori, jungen Käse, Olivenöl und Wein findet man ebenso wie die deftigen Würste und allerlei Eingelegtes, natürlich auch Confit von der roten Zwiebel, das man zum Beispiel zu Fleisch essen kann. Da kaufe ich mal zwei Gläser! Außerdem liebt man hier alles mit Chili, das auch gern das Öl verschärft, und andere scharfe Sachen.

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N’Duja etwa, eine sehr pikante Salami, mit der die Kalabresen gern in Form von Brotaufstrich ihre Gaumen kitzeln. Irgendwo bekomme ich so ein Stück auf die Hand – oh ja! Aber, was ist das, sogar Viagra gibt es, ebenfalls in Gläsern. Ich entdeckte es erst auf dem Foto. Bestimmt ist es am schärfsten von allem und deshalb zur Vorsicht nur in kleinen Dosen abgefüllt!

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Hmmm, Oliven mag ich doch auch so gern, dumm, dass ich erst gestern welche gekauft habe!

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Frage ich die Standbesitzer, ob ich sie fotografieren darf, stellen sie sich sofort in Positur und machen bella figura! Er verkauft Fleischiges und Fischiges und als ich frage, was diese merkwürdigen Gerippe seien, zeigt er mir die aufgeschlitzten und ausgenommen getrockneten und nun hängenden Fische dazu. Drei Tage lang in Wasser einweichen und dann kann man es zubereiten, erklärt er gerade, als eine Bekannte von ihm vorbeikommt, eine schöne junge Frau mit den typischen italienischen Augen in einem porzellanfarbenen Madonnengesicht. Er will, dass wir ins Gespräch kommen und so unterhalten wir uns eben, warum denn nicht? Lustig! Natürlich fragt sie, wo genau ich Urlaub mache, wo ich wohne, das tun alle Süditaliener. Er hört zu. Und sie trainiert ihr Englisch, während ich ihre Fragen auf Italienisch beantworte. Ciao, hat mich gefreut! Was war das jetzt für ein interessantes Intermezzo? Ich war so überrascht, dass ich vergaß, sie zu fotografieren. Also schlendere ich weiter.

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Hier hängt alles, Fische, Würste, sogar der Käse! Der linke, mit dem kleinen Köpfchen, ist ein Caciocavallo. Wie er zu seinem Namen kann, darüber gibt es verschiedene Erklärungen, mir gefällt diese am besten: Der Käse wurde früher paarweise in Satteltaschen oder an einer Stange auf einem Pferd (cavallo) transportiert , daher die Schnüre! Cacio kommt entweder von „paarweise“ oder von „casio“ (frühitalienisch „cacio“), da streiten sich die Geister, vielleicht ist ja die Doppelbedeutung Absicht.
Zum Glück sind die Sapori aus „Casa nostra“ und tragen nicht den Stempel der Cosa Nostra, doch das wäre ja die sizilianische Mafia. Die in Kalabrien heißt ‚Ndrangheta.

Entschuldigung, ich musste gerade zwischendurch an den Kühlschrank, mir einen kleinen Antipastiteller zubereiten, zwar mit Pecorino, aber der ist auch gut.

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So, jetzt erst mal weg von den Lebensmitteln, hier gibt es ja auch ein paar Haushaltswaren, Buntes aus Plastik und auch Getöpfertes. Ach, doch noch was zum Essen dabei: Pasta! Na, die darf natürlich nicht fehlen, denn auch hier im Süden hat frau nicht immer Zeit und Lust, den Nudelteig selbst zuzubereiten!

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Was für ein riesiger Hühnervogel! Selbst der am Haken! Den muss ich ablichten. Oh, Signori, darf ich? Aber gern! Und schon muss die andere Signora auf ihr Geld und eine weitere auf Bedienung warten. Wer sagt, die Kalabresen seien sehr zurückhaltend? Ich las es überall, aber das Gegenteil ist der Fall, ständig werde ich von Wildfremden gegrüßt und angesprochen, meist von Männern, dabei bin ich weder jung noch blond. Den Schalk im Nacken haben sie auch.

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Wenigstens beißen sie nicht, die roten Zwiebeln ja auch nicht, die berühmten.

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Ich verlasse den Parkplatz und gehe die Straße hinunter zum Dauermarkt mit festen Ständen, die jeden Morgen geöffnet haben. Am Rande des Geschehens verkauft ein altes Paar, was die Eigenproduktion so hergibt, als Stand dient die Ladefläche der Ape. Improvisation ist alles.

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Pecorino bieten diese Beiden an, einer ebenfalls in Kleinstmengen und auch von seinem Ape-Laden aus. Der andere Signore genießt das Privileg, ein Dach überm Kopf zu haben. Stolz sind sie beide.

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Ein paar Tomaten und Fenchel könnte ich brauchen. Soll ich für heute Abend Fisch kaufen? Ach nein, ich habe doch noch einen Rest von meiner riesigen Costoletta mit Paprika-Tomaten-rote-Zwiebel-Gemüse! Immer habe ich Reste, weil ich mittags – heute zum vierten Mal in einer Woche! – von meiner netten Vermieterin mit Essen beliefert werde, einfach so, aus Gastfreundschaft! Es ist meistens so viel, dass ich es nicht mit einer Mahlzeit vertilgen kann. Wann soll ich eigentlich endlich in ein Restaurant zum Essen gehen? Aber so bekomme ich die wirklich typische regionale Kost, mit Liebe zubereitet, was will ich mehr? Ich werde verwöhnt! Nur vom Wetter nicht. Es regnet schon den ganzen Tag, da schreibe ich mal ein bisschen und verarbeite ein paar Eindrücke.

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Nein, kein Fleisch heute! Dankeschön! Wo ich schon einmal eingekauft habe, werde ich begrüßt. Hier fällt man und frau auf, wenn „neu“ und wird entsprechend neu-gierig beäugt. Wie im Cilento, im wilden Kampanien, da war es genauso.

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Die Zitrusfrüchte fallen einem hier vom Baum direkt in den Mund, hier wächst alles. Und die Auberginen gehören zu den wichtigsten Hauptbestandteilen der kalabresischen Speisen, seit jeher. Die Küche ist überhaupt alt, hat sich kaum geändert über die Zeit, sie ist so gar nicht raffiniert, aber aus guten frischen Zutaten, aus dem Boden oder dem Wasser, und sehr herz- und schmackhaft.
Nach dem Umherstreifen meldet sich mein Magen! Ich werde gleich das spendierte Risotto von gestern aufwärmen, schwarz gefärbt von Sepiatinte. Die Tierchen wurden vom Bruder der Vermieterin am frühen Morgen aus dem Meer geholt.

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Aber die Blumenbilder muss ich mir noch kurz anschauen. Tja, sie weiß wohl nicht, wofür sie sich entscheiden soll…

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Während die Damen sich um die (Schnitt)blumen kümmern, engagieren sich die Herren bei den Nutzpflanzen – ist doch schön, wenn solche Arbeitsteilung beiden Seiten Freude macht.
Nun aber ab nach Hause, im ersten Gang den steilen Hügel hochgekurvt in der Hoffnung, dass kein Auto entgegenkommt, wenn es gerade keine Ausweichstelle gibt!

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Ach ja, die Cipolle rosse – ich hab doch noch Vorrat!

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Blogger dir (d)einen (Umsatz)

Heutzutage kann jeder seinen eigenen Blog aufmachen. Ob er nun – wie hier bei WordPress einige, darunter ich – persönliche, politische, künstlerische oder andere Gedanken und Bilder veröffentlichen will, mit und ohne Hoffnung auf Entdecktwerden, oder…

Ja, oder… Das andere und erfolgreichere Bloggen ist schon lange zum Kommerz geworden. Man verkauft sich. Und das ohne Bedenken. Konsumkritik und Skrupel waren gestern. Hauptsache, man wird bekannt und oder ist eh schon bekannt und sahnt ab. Genauso wie im Fernsehen. Oh mann, ist der gut oder wahlweise dick. Die Gier überdeckt alles.

Aus Neu-Gier habe ich mal in Blogwalk geguckt, dafür wird ja im TV ununterbrochen geworben. Da sieht man dann ausnahmsweise schöne junge Frauen, die sich in Paris, Berlin oder auf Mallorca auf der Straße ablichten lassen und angeblich neue Modetrends präsentieren. Die neue Avantgarde, die auch schon mal auf der Fashion Week in der ersten Reihe neben C-Promis sitzen darf. Wer anzieht, was die Bloggerinnen anziehen, ist hip (oder wie heißt das heute?), ach nein, die ist stylish. Finde deinen Style oder so. Es geht nur um dich, weißt du, es geht about you, yes! Alles fern von Mainstream, you know.

Was man aber findet, ist Mode, die keine ist, weil nicht innovativ. Alles 0815, schon oft gesehen, selbst in der Provinz. Die hübschen Mädels tragen langweilige Straßenkleidung, die andere so ähnlich auch im Schrank haben und die man überall haben kann. Was daran toll sein soll? Nicht mal die Kombination der Einzelteile. Könnte oft auch aus dem Otto-Katalog oder sogar von Bonprix sein. Na ja, manche der oft banalen Teile (Ringelshirt, Trench und Jeans habe ich auch)  kann frau halt gleich kaufen. Auch wie bei Otto & Co. Da schließt sich der Kreis. Denn genau darum geht es. Das Ganze ist lediglich billige Werbung für Modefirmen. Anzeigen zu schalten ist wohl nicht ganz so preisgünstig und marktdurchdringend, wie willfährige narzisstische promidurstige junge Frauen in scheinbar persönlichen Blogs die käuflich zu erwerbenden Klamotten scheinbar freiwillig anbieten zu lassen. Und die Konsumentin soll glauben, das seien alles unabhängige neue Trends, frischer streetstyle sozusagen? Lach. Und alle haben die Kelly- oder Prada-Bag steif und unbequem am Knöchel des stylish angewinkelten Armes fixiert – die 50er lassen grüßen – oh my god! Das Gleiche in Grün, pardon, Rosa, gibt’s für Kosmetik-, pardon, Beauty-Blogs à la „Zeig mir deinen Lidstrich und ich kaufe das Produkt“ gegen/für kleine Augen, große Augen, Schlupflider and so on. Willige Mode- und Beauty-Bloggerinnen können aber durchaus gut daran verdienen, sich derart zu verkaufen. Kreier dir deinen Look, yeah! Unselige Vermischung von Privatem und fremdbestimmter Werbung. Hello, it’s me, for sale! Ist das just clever und die neue Emanzipation oder…?

Schöne neue (Schein)Welt und so hübsch verlogen. Na ja, für die, die’s nicht merken oder denen es egal ist. Da bleibe ich lieber auf meiner werbefreien Insel, in die mir keiner reinquatschen kann, und da würde ich auch bleiben, wäre ich erst süße 20. Jetzt ohne Neid.😉

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Die 18. Woche, 2016

Wir sollten aus jeder Erfahrung lernen. Genau wie die Katze, die sich auf eine heiße Herdplatte setzt. Sie wird sich nie wieder auf eine heiße Herdplatte setzen… sie wird sich aber auch nie auf eine kalte Herdplatte setzen.
(Unbekannt )

Ausgegangene Haare kommen nie wieder zurück!
(Helga Schäferling )

Nie wieder Jungfrau!
(Graffito)

Viele haben sich in ihrer frühesten Kindheit verloren
und bis zu ihrem Ende auch nie wieder gefunden.
(Alfred Selacher)

Verlorene Zeit kommt nie wieder, und was wir Zeit genug nennen, erweist sich immer als wenig genug.
(Deutsches Sprichwort)

„Verlorene Zeit läßt sich nie wieder aufholen“.
„Auch gut, dann tun wir eben weiterhin nichts.“
(Jules Renard)

Sind Illusionen einmal verflogen, kommen sie nie wieder.
(Giuseppe Mazzin)

Es gibt Menschen, die gehen auf Grund, wenn sie nur ein paar Schrotkörner abkriegen, und kommen dann nie wieder hoch.
(Henrik Ibsen)

Aber wenn wir nicht mehr wollen:
dann gibt es nie wieder Krieg!
(Kurt Tucholsky)

Wer noch an diese Welt glaubt, hat den Geist bereits
an der Garderobe abgegeben und nie wieder abgeholt.
(Peter Rudl)

Von dem Moment an, in welchem du zweifelst, dass du fliegen kannst,
wirst du es nie mehr wieder können.
(Sir James Matthew Barrie)

Das Wort ist wie ein Sperling, sagt eines unserer Sprichwörter:
Läßt du ihn los, fängst du ihn nie wieder ein.
(Nicolai Wassiljewitsch Gogol)

Chance
Die Chance und der Augenblick
sind hübsche Zwillinge, die vorübergehn:
Ergreifst du die eine nicht,
bekommst du auch die andere nie wieder zu sehn.
(Erhard Blanck)

Ein „Nie wieder“ ist nur schmerzlich zu ertragen. Doch es setzt zumindest voraus, dass es einmal etwas gegeben hat. Ein „Noch nie“ ist auf den ersten Blick vielleicht leichter zu ertragen, doch in Wahrheit viel trauriger.
(Martina Matzka)

„Nie wieder!“ – sagt der Verstand.
„Jederzeit!“ – sagt die Sehnsucht.
(Unbekannt)

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Ach du dickes Ei

Es gibt sie schon ein paar Jahre lang, aber ich hörte erst jetzt davon: Die Eiersuch-App für Kinder, Eifinder genannt. Papa oder Mama (wahrscheinlich eher Papa) versteckt die Ostereier und markiert die Position der gelegten Eier per GPS. Das Kind kriegt das Eiphone in die Hand gedrückt und geht suchen. Die App zeigt ihm „warm“ und „kalt“ an, je nachdem, wie nah es den Ostereiern kommt.

Das Gelbe vom Ei? Die App soll das (Klein)Kind fördern. Aha! In der Bedienung einer App? Früh übt sich… Auch wird hervorgehoben, dass damit kein Ei mehr unentdeckt bleibt – bloß nix verschwenden, böse Konsumgesellschaft, lieber Geld für die App ausgeben, eieiei… Außerdem geht die Suche damit bestimmt schneller und Papa friert sich nicht mehr die Eier ab, denn zu Ostern ist es oft kühl. Also doch, wirklich überzeugend, diese Erfindung.

Besonders nett: Das Kind guckt nicht mehr um sich in die Natur und sucht aktiv auf eigene Faust und mit kleinen Winks von den Eltern, sondern wird zielgerichtet gelenkt, den Blick die ganze Zeit auf das Display des Ei-Phones geheftet und stolpert ansonsten blind durch die Gegend, sieht nichts von der Welt. Das ist wahrer Fortschritt, denn so lernt das Kind gleich fürs Leben. Das Ei des Columbus ist es aber trotzdem nicht, da geht bestimmt noch mehr.

Gibt’s den Eifinder eigentlich auch schon für Veganer? Dürfen vegan erzogene Kinder überhaupt Eier suchen? Na ja, da es ja auch Veggie-Schnitzel, -Frikadellen, -Würste und -Burger gibt, dürfte die App auch für Veggie-Abkömmlinge kein Problem sein, man bleibt ja erstaunlicherweise bei den alten böse besetzten Begriffen, ein bisschen schizophren ist das. Sicher gibt es längst Veggie-Schoko-Ostereier, eifrei sozusagen, in denen auch kein Milch(pulver) und auch sonst nichts von toten Tieren steckt (von lebendigen Tieren darf ja anscheinend immer was drin sein).

Aber in welch unlösbaren doppelten Konflikt stürzt man ein Veggie-Kind, wenn man ihm einen Schoko-Osterhasen schenkt? Erstens sind verbotene Zutaten drin, zweitens isst man sowieso keine toten Tiere, auch wenn sie in Stanniol verpackt daherkommen und drei Monate vorher noch Nikoläuse waren.

Vielleicht sollte man mal die Traditionen brechen und anstatt des Hasen und des Eis andere Symbole für unsere neuen gesellschaftlich-moralischen Gruppierungen erfinden. Aber das sind noch ungelegte Eier. Pardon… Ich brate mir ein Ei drauf.

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Um- und Wegziehen

Neue Nachbarn ziehen ein, am dunklen Abend. Hannover-Freiburg. Ein Paar um die 30 wieder, vermutlich. Ich schaue aus dem Küchenfenster und da steht ein mittelgroßer Miet-LKW, in der Größe, wie ich ihn auch schon selbst gefahren habe, Führerschein Klasse 3 reicht. Lange her. Erinnerungen drängen sich auf. Alle Umzüge haben wir so erledigt, mit Freunden. Bis auf die letzten zwei, da wurden Umzugsunternehmen engagiert. Einmal bezahlte es die Firma, einmal gebot es sich so.

Hannover-Freiburg. Ich habe diese Etappe nicht direkt genommen. Da lag Einiges an Orten dazwischen, immer mehr habe ich mich gen Südwesten geschraubt im Lauf der Jahre und bis auf einmal gab es immer einen konkreten Anlass, eine „Zielberechtigung“. Nun sehe ich junge Männer und eine junge Frau, mit Jeans und Sweatshirts, wie ich, wie wir damals, nur eben direkt aus Hannover. Sie wirken so, als hätte die bestimmt sechsstündige Fahrt ihnen gar nichts ausgemacht. Kommt mir bekannt vor. Mir wird wehmütig, traurig auch. Nochmal neu anfangen, egal wo. Immer war es schön und aufregend, spannend, ich habe es geliebt, liebe es immer noch, woanders zu sein, da mir das Heimatgefühl fehlt. Komisch, und trotzdem erfordert es heute Mut, bis vor wenigen Jahren hatte ich gar keine Angst.

Hätte ich heute noch die Kraft, einen Umzug so zu wuppen? Na ja, andere konnten das nie, insofern besteht Hoffnung: Wann war das noch, erinnere mich nicht mehr, da halfen wir Arbeitskollegen/Freunden bei einem Umzug, der nur über ungefähr fünfzehn Kilometer Distanz ging. Aber es war der schlimmste Umzug aller Zeiten, den ich nie vergessen werde. Voller Tatendrang stürmten wie die Wohnung – und nichts war vorbereitet. Kein Schrank ausgeräumt, kein Tisch abgeräumt, das Home-Office der Dame noch verkabelt im Schlafzimmer. Ein hoffnungsloser Fall. 13 Stunden lang taten wir mit den anderen Helfern unser Bestes, lieferten selbst aus privatem Fundus die nicht organisierten Umzugskartons, während die Umziehenden hilflos danebenstanden, sich im Keller orientierungslos drehten und dann gänzlich unsichtbar wurden. Mein Mann fuhr den Umzugswagen, ich schleppte ganze Küchenoberschränke allein, nur damit wir fertig wurden, ebenso engagierten sich die wenigen anderen Bekannten und Verwandten und wir gaben unser Letztes, nur damit dieser schlimme Umzug mal vorbei sein würde. Nach 13 Stunden wieder zuhause angekommen, versank ich in der Badewanne, danach aßen wir ein Stück bestellte Pizza. Niemals wieder in meinem Leben war ich so kaputt, alle Knochen taten mir weh. Seitdem möchte ich bei keinem Umzug mehr helfen.

Die heute Abend sehen trotz Gepäcks frischer aus, sicher war alles besser organisiert. Wie bei uns immer. Da konnte sich kein Helfer beklagen. Na ja, vielleicht über die vielen Terrassenpflanzen, zum Teil vollkommen verrankt in diversen Gittern, aber alle lachten nur beim Entflechten und darüber, dass es eine Extra-Pflanzenfahrt mit dem LKW gab. Danach bekam wenigstens jeder was zu essen, während nach dem 13-Stunden-Horrortrip der Bekannten jeder für sich allein sorgen musste.

Ob mit oder ohne Hilfe, wie würde es heute sein umzuziehen, wegzuziehen, neu anzufangen an einem Ort, an dem man niemanden kennt? Das Leben scheint nicht mehr endlos, so fürchtet man sich vor Konsequenzen, ich fürchte mich ein wenig. Und die Freunde sind längst überallhin verstreut, manche Kontakte wegen der Entferungen auch eingeschlafen. Aber wenn man etwas ändern muss, sollte man doch, sonst… Ich strecke meine Fühler aus, in diverse Länder. Doch wieviel Mut bleibt mir wirklich?

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