Zur traurig-schönen Erbauung

Um nicht zu verzweifeln, muss und sollte man sich immer auch wieder das Schöne in Erinnerung rufen und sei es nur das, was manchen Chansons innewohnt.

Aus Brels letztem Album.

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Like an Alien

Manche Menschen fühlen sich auf der guten alten Erde wie ein Alien. Ich zum Beispiel. Manchmal. Gar nicht so selten. Immer öfter. Na ja, eigentlich schon immer, aber das ist eine andere Sache.

Bin ich mit Freunden in diesem oder jeden Punkt noch einer Meinung, gehen die Ansichten in anderen Punkten immer mehr auseinander. Mittlerweile bin ich wohl vielen zu radikal oder zu anders und traue mich manchmal schon nur noch vorsichtig, mich offen zu äußern, denn ich will ja meine Freunde nicht verlieren. Okay, ich sage meine Meinung natürlich trotzdem, weil ich mich nicht verbiegen will, und irgendeinen Konsens gibt’s ja zum Glück immer noch, dazu sowieso die gegenseitige langjährige Sympathie. Trotzdem, es hat sich was geändert die letzten Jahre, ich habe den Eindruck, hier manchmal nicht mehr mehrheitsfähig zu sein. Die Parteien, die ich, als ich durfte, zum ersten Mal gewählt hatte, erst die SPD und danach die Grünen, sind für mich inzwischen genauso indiskutabel wie die konservativen Parteien, von den (extremen) Rechten will ich gar nicht erst reden; die Liberalen klingen meist nur vom Namen her gut und auch die Linke spricht mir nicht hundertprozentig aus dem Herzen. Der Neoliberalismus ist aber für viele Menschen in meinem Bekanntenkreis komischerweise kein ernst zunehmendes Thema, das verstört mich. Bin ich zur Extremistin geworden (dabei bin ich doch eher das Gegenteil, weil ich mich keiner „Linie“ wirklich anschließen kann) oder sind meine alten ideologischen Mitstreiter stehengeblieben? Tja, das wird jeder auf seine Weise sehen… Ich erlaube mir jedoch, selbst über meine früheren gedanklichen Grenzen und Ansichten hinaus zu denken und meine, dass man nie auslernt. Auch auf die Gefahr, sich bisweilen einsam zu fühlen. Hey, aber ich bin doch sonst noch die alte!

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Ach, Hannelore…

Gerade gestern – oder war es vorgestern? – schrieb ich noch in einem Kommentar auf WordPress, dass Hannelore Elsner eine meiner Lieblingsschauspielerinnen ist. Nun stieß ich zufällig im Internet auf die Meldung, dass sie vorgestern gestorben ist, mit 76 Jahren. „Im Alter von“ vermag ich gar nicht zu schreiben. Komisch, für mich war sie zwar nicht unsterblich – das ist schließlich niemand –, aber doch so lebendig und präsent, dass ich mir für sie ein sehr langes Leben vorgestellt hatte.

Hannelore-elsner

Sie spielte in den 70ern auch im „Paukerschreck“ mit, doch um Gegensatz zu Uschi Glas und anderen Darstellerinnen der damaligen (und auch der heutigen) Zeit versank sie niemals im Kitschigen oder Banalen oder typisch deutsch „Komödiantischen“, sondern entwickelte sich weiter und zeigte sich, je älter sie wurde, in umso anspruchsvolleren Rollen. In „Kirschblüten-Hanami“ war sie zwar nicht so lange zu sehen, doch sie hatte Präsenz. Ansonsten überzeugte die Frau mit dem biederen Vornamen in Rollen wie „Die Unberührbare“ oder „Alles auf Zucker“, aber auch durch viele andere Produktionen der ansonsten immer weniger anspruchsvollen deutschen Filmszene. Sogar in vermeintlich kitschigen Rollen wie in „Liebe am Fjord – Zwei Sommer“ ließ sie vergessen, dass es sich um eine – wenn auch ebenso nur vermeintliche – Schmonzette handelte. Hätte sie in Frankreich oder Italien gelebt, wäre sie sicher ein Weltstar geworden und  Autoren, Regisseure und Produzenten hätten sich um sie gerissen.

Immer war sie auch sie selbst, niemals konventionell, manchmal rebellisch, auch ein bisschen frech, nie wirklich einzuordnen. Ich mochte sie sehr. Auch dafür, dass sie sich nicht glattspritzen und -liften ließ, was sie aber auch ohnehin nicht verschönt hätte, denn sie war und blieb schön, einfach so, von innen. So herrlich wach und natürlich frisch wie sie würde ich auch gern bis zum Schluss sein.

Traurig bin ich. Nun lese ich, dass sie in „Kirschblüten & Dämonen“, die Fortsetzung von „Kirschblüten-Hanami“ ihre letzte Rolle verkörperte. Den Film werde ich mir auf jeden Fall anschauen.

Und nein, sie war keine „Diva“, sondern einfach eine gute Schauspielerin.

Fotoquelle: https://www.discogs.com/de/artist/609355-Hannelore-Elsner

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Notre Dame de Paris en flammes

Quelle tristesse, Notre Dame steht in Flammen. Ich muss natürlich an Vicor Hugo denken und seinen Glöckner, an Quasimodo. Auch an Garou, dessen Stimme ich immer toll fand. Und an seine anderen französischen Chansonnier-Kollegen, die wohl inzwischen alle in der Versenkung verschwunden sind und anderen Platz gemacht haben, die nicht tiefgründiger sind, aber gefälliger.

Kitschig? Kann sein. Trotzdem schön. Finde ich. Erinnert mich an frühere Zeiten.

Fluctuat nec mergitur – Sie schwankt, aber sie wird nicht untergehen. Die Kathedrale hat Kriege unversehrt überstanden und nun fiel sie einem Feuer zum Opfer, das Schiff ist zerstört. Zum Glück stehen die beiden Haupttürme noch.

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Greta Thunberg und die Massenhysterie

Wie schön, dass junge Menschen wieder auf die Straßen gehen, demonstrieren und sogar die Schule schwänzen! Das würde ich normalerweise angesichts von sich engagierenden Schülern denken. Was sich aber derzeit abspielt, angeführt von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg, hat schnell hysterische Ausmaße angenommen und macht mich deshalb nachdenklich oder noch nachdenklicher als ich sowieso schon war (abgesehen davon, dass manche Schüler gerne schwänzen, aber das würde ich der Mehrheit der Demonstranten nicht unterstellen).

Ich will jetzt nicht darauf eingehen, ob und von wem das Mädchen vielleicht gesteuert und manipuliert werden könnte. Auf jeden Fall kommt ihr missionarischer Eifer denjenigen unter den Klimaschutzaktivisten gut zupass, die selbst mit diesem Thema ziemlich viel Geld verdienen.

Selbst habe ich lange daran „geglaubt“, was uns da mit angsteinflößenden Vokabeln eingehämmert wird. Denn schließlich haben Wissenschaftler und deren Studien ja „bestätigt“, dass der Klimawandel ausschließlich von uns bösen Menschen verursacht wird und zwar hauptsächlich vom CO2-Ausstoß – Kohlendioxyd, Treibhauseffekt. Ich muss aber wohl zugeben, dass ich zu gutgläubig bis naiv war. Wenn ich über Umzugspläne innerhalb Europas nachdachte, machte ich mir schon Gedanken darüber, dass ich lieber doch nicht im bald völlig versteppten Südfrankreich leben wollte, wenn es selbst in der Bretagne bald nordafrikanische Zustände geben sollte. Dann nahm man das alles irgendwie zurück und nun heißt es, dass Klimaerwärmung doch etwas anderes bedeute und zwar vor allem mehr Tornados und mehr Regen undsoweiter. Seit einigen Jahren habe ich beruflich vermehrt mit Studien zu tun (wenn auch zu anderen Bereichen), die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Das beginnt bei den Auftraggebern aus der Wirtschaft und hört damit aus, dass das Studienergebnis genauso ausfällt, wie es gewollt war. Dabei wird immer plumper vorgegangen, was mich wunderte, allerdings nur anfangs. Nein, mich überzeugt so leicht nichts mehr. Ein Klimaforscher, der sehr vehement den baldigen von Menschen gemachten Untergang beschwor, musste zugeben, dass es wenigstens zwischendurch dann doch mal eine Klimaabkühlung über zehn Jahre geben würde.

Um nicht in die falsche Ecke geschoben zu werden wie so viele Menschen, die sich das kritische Denken erlauben: Natürlich bin ich für den Schutz der Umwelt und der Lebensgrundlage aller Menschen (beides wird leider durch andere wirklich menschengemachte Taten aufgrund von Gleichgültigkeit, Machtinteressen und Gier zunichte gemacht) und mit tumben Egoisten wie Donald Trump, dem die Menschen und die Erde vollkommen egal sind, habe ich nun wirklich nichts gemein; dieser Mann sollte besser die Klappe halten. Auch in die Reihe der Vertuscher, die ebenfalls nur eigenen Interessen folgen, stelle ich mich nicht. Aber ich erlaube mir Zweifel darüber, ob diejenigen unter den Klimaforschern, die gegenwärtig Macht und Einfluss haben, wirklich die sind, die es wissen (sofern wir überhaupt „wissen“ können). Denn warum lässt man die Wissenschaftler, die die (Hypo)these einer hauptsächlich menschengemachten Erderwärmung und „Klimakatastrophe“ nicht teilen, nicht zu Wort kommen oder macht sogar eine Website von Klimaskeptikern kaputt, indem man sie umleitet? (inzwischen ist die Website hier zu finden: http://www.klimaskeptiker.info/). Klimawandel hat es schon immer gegeben, auch als „wir“ noch nicht da waren.

Bewiesen scheint mir weder die eine noch die andere These zu sein. Doch was mich an der Klimadiskussion (vorher auch am Waldsterben und sauren Regen sowie der angekündigten und wieder zurückgenommenen neuen Eiszeit – darüber spricht ja niemand mehr) schon immer stutzig gemacht hat: Wer profitiert von den angeblich durch Menschen verursachten Horrorentwicklungen? Oder eher noch: Wer leidet darunter? Letztlich geht es den Menschen, die nicht reich sind, dadurch schlechter. Bestes Beispiel: die Dieselaffäre und deren Auswirkungen. Wer kein Geld hat, sich für seinen alten Diesel ein neues Auto zu kaufen, ist der Gelackmeierte. Der muss sehen, wie er zur Arbeit kommt. Dann die in Deutschland extremen Umweltschutzauflagen in der Bauwirtschaft: Sie tragen mit dazu bei, dass für viele Menschen die Mieten in den Städten nicht mehr tragbar sind und es sich Familien ohne großes Portemonnaie nicht mehr leisten können, sich ein Haus zu bauen. Tausende von Bergbauarbeitern wurden arbeitslos. Strom/Energiepreise steigen. Und der Regenwald wird weiterhin abgeholzt.

A propos Umweltschutz: Wahrend der Einzelne geschröpft und in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt wird, dürfen andere im Großen die Luft und die Meere verpesten – ich denke nur an die Kreuzfahrtschiffe, die in den schönsten und ehemals abgelegensten Orten der Welt täglich Tausende von Menschen ausspucken, die durch Gassen und Natur der Einheimischen trampeln und Dreck und Lärm hinterlassen, aber kein Geld – sie bringen dort niemandem Wohlstand. In Kroatien fliehen bereits Einwohner aus ihren ehemals lebenswerten Städtchen.

Und das ernste brave Zopfmädchen Greta, das nun nicht nur die Goldene Kamera (kommerzieller und systemkonformer geht’s wohl kaum) erhalten hat, sondern sogar für den Friedensnobelpreis nominiert wurde – honi soit qui mal y pense – sagt ja, dass es aufgrund seines Asperger-Syndroms nur Schwarz oder Weiß sehen kann. Genau das ist aber das, war wir nicht brauchen können, wenngleich diese Denkungsart gerade in Deutschland ja sehr beliebt ist. Ich bin eher dafür, differenziert zu denken, auch die Graustufen zu sehen und sich das Hinterfragen zu erlauben. Und die vielen Schüler sollten sich mal nicht nur über Twitter und Facebook oberflächlich über wichtige Fragen der Menschheit informieren und daraufhin irgendwelchen Trendfiguren nachrennen und alles glauben, was ihnen vorgesetzt wird, sondern auch Hintergrundinformationen lesen, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Aber das ist im Zeitalter der schnellen oberflächlichen Meinungsbildung wohl nicht mehr in.

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Auf das Leben

Heute habe ich zwei Nachthemden zerschnitten und in den Müll geworfen, die mir einst meine Mutter geschenkt hatte, die seit sechs oder sieben Jahren nichts mehr von mir wissen will, nachdem ich mich nach Jahrzehnten endlich mal getraut hatte, nicht nur von meinem Seelenleid ihretwegen zu berichten und mich durch diese Verletzlichkeit noch angreifbarer zu machen als ich sowieso schon war, sondern ihr zu sagen, was sie mir (und auch dem Vater und eigentlich auch meinen Geschwistern, auch wenn Letztere, vor allem das Goldkind, es nicht sahen) wirklich angetan hat. Und ich habe mir ein wunderschönes neues Nachthemd gekauft, natürlich auch etwas weniger brav als die alten, wobei das eine sogar auch Spaghettiträger hatte. Für morgen schenke ich mir selbst Blumen, in Brombeertönen. Sie hatte zuletzt am Telefon gesagt: „Weißt du was, wir schenken uns keine Blumen mehr. Wenn ich welche will, kaufe ich sie im Supermarkt“. Peng.

Alles muss verkraftet werden und das kann dauern. Das letzte sorgfältig für sie ausgewählte Geburtstagsgeschenk, ein wunderschönes Wolltuch (sie hatte sich eines in diesen Farbtönen gewünscht) schickte sie mir in einem lieblos zusammengeknüllten Päckchen ohne jedes Anschreiben, also wortlos, zurück, nachdem sie mir vorher schon am Telefon gesagt hatte „Das kann ich nicht gebrauchen“. Rums.

Aber irgendwann lernt man doch dazu als Tochter. Es ist nie zu spät, doch ist kostbare Zeit vergangen, die sich nicht zurückholen lässt. Wie wäre ich wohl geworden, wie selbstbewusst wäre ich in die Welt gegangen, wenn man mich gesehen hätte, geschätzt oder sogar geliebt? Nachholen lässt sich das nicht Gehabte nicht.

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Gewissenlose Opportunisten

Dass ausgerechnet Joschka Fischer, der ehemalige Turnschuh-Sponti, einmal zum Kriegstreiber werden würde, darauf wären seine Anhänger (ich fand ihn/die Grünen vorher auch lange Zeit gut) „damals“ wohl nicht im Traum gekommen. Ich finde es richtig und wirklich nachdenkenswert, wenn auch heute nochmal aufgezeigt wird, wie sich alles entwickelt hat und wie die Grünen ehemalige programmatische Ansprüche ins Gegenteil umgedreht haben. Frieden – was war das nochmal? Von „links“ rede ich lieber gar nicht erst. Die meisten Grünen sind längst auf der neoliberalen Schiene.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=48471

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Abendzuhauselicht mit Tönen

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Ach, da schwärmte ich gerade vom mallorquinischen Himmel und plötzlich habe ich auch hier ein schönes Ferbenspiel. Das überraschende Abendrot ließ mich die Kamera ergreifen und auf den Balkon eilen.

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Ah, ein paar Krähen waren auch da, sah ich aus dem Augenwinkel, zu sehr auf die Farben fixiert.

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Nein, viele Krähen. Seit Ende letzten Jahres werde ich frühmorgens von ihnen geweckt, dachte aber immer, es seien wie vorher nur einige, denn bekanntlich sind sie ziemlich laut. Bislang gab es hier jahrelang ein treues Krähenpärchen, dass immer pünktlich vor der Müllabfuhr einschwebte, die gelben Säcke aufhackte und ab und zu mal ein paar krächzende Töne von sich gab.

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Doch nun höre ich sie auch abends. An einem Weihnachtsabend sah ich, wie sie sich fast  lautlos auf den Dächern und in den Bäumen sammelten. Sehr viele Krähen. Eine Invasion. Ein Nachbar meinte, dass die Vögel letztes Jahr vielleicht besonders gute Vermehrungs- oder Brutbedingungen gehabt hätten. Möglich, ich weiß es nicht.

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Auf jeden Fall ist es beeindruckend, wenn der Himmel nun zweimal täglich fast schwarz wird über der Stadt und der Lärm der Tiere die Geräuschkulisse dominiert oder aber am längst dunklen Abend die Stille durch die Anwesenheit der schwarzen Silhouetten geradezu unheimlich wird – man hört nur die Flügelschläge. Das erinnert schon sehr an Hitchcock und ist etwas gruselig. Woher kommen sie bloß alle, ist das Leben in der Stadt einfacher für sie oder haben sie bald keine anderen Möglichkeiten mehr?

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Südlichtlust

Die letzten Jahre war ich ein paarmal im Februar auf Mallorca, einmal auch im Januar. Damit ließ es sich gut den hier oft erst spät einsetzenden Winter unterbrechen, die Rückkehr fiel aber umso schwerer. Diesmal bleibe ich hier und schon habe ich Sehnsucht. Nicht nur das frische Grün, die Blumenwiesen und die Mandelblüte werden mir fehlen, auch die Tiere auf den Weiden und die Besuchskatzen, die sonnigen Mittage und Nachmittage draußen am Meer oder auch auf einer Restaurantterrasse, aber auch das Licht.

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Morgens zaubert die Inselfeuchtigkeit kleine glänzende Perlen an jeden noch so gewöhnlichen Zweig.

Nachmittags blendet die Sonne, die früh untergeht und den Himmel in immer andere Farben taucht.

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Statt der krächzenden Krähen schwärmen Tauben durch die Lüfte, hörbar nur an ihrem Flügelschlag.

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„Nach Mitternacht“ von Irmgard Keun

Kürzlich bin ich bei einer wegen ihrer Buchrezensionen von mir geschätzten Blogger-Kollegin mal wieder auf Irmgard Keun gestoßen, von der ich bislang nichts gelesen hatte. Es spricht auf den ersten Blick zunächst für die Keun, dass ihre Bücher von den Nazis verboten wurden und gegen sie, dass ausgerechnet die deutsche „Frauenliteratur“ sie in den 70ern hochlobte und zu neuen Ehren führte, denn was unter dem zum Teil haarsträubenden Emanzengedöns veröffentlicht wurde und wird, hat mit anspruchsvoller Literatur oft nichts zu tun.

Irmgard Keun war eine Zeit lang mit Joseph Roth liiert. Angeblich sprachen sie untereinander nie über das, was sie schrieben, es hatte auch nichts Gemeinsames. Trotzdem ist mir die Autorin schon allein deswegen sympathisch, weil sie mit diesem Autor zusammen war und auch mit dem von mir noch mehr geschätzten Schriftsteller Stefan Zweig verkehrte. Angeblich war sie Roth – neben dem Emigrantenstatus – darin ähnlich, dass sie beide gesoffen haben. Ob da noch mehr war, vermag ich nicht zu beurteilen. Literarisch jedenfalls nicht, das steht fest.

Nun widerstrebte es mir irgendwie, als erstes Buch von Irmgard Keun ausgerechnet das zu lesen, mit dem sie erfolgreich wurde, „Gilgi“ und auch der später verfilmte Bestseller „Das kunstseidene Mädchen“ regte mich inhaltlich nicht übermäßig zum Lesen an. Also machte ich mich für den Anfang an „Nach Mitternacht“, ein Roman, der den Aufstieg Hitlers und die Manipulation der Bevölkerung vor dem Hintergrund einer Liebesgeschichte und anderer persönlicher Beziehungen beschreibt. Als Keun das Buch schrieb, war sie schon 35 und bereits seit zwei Jahren im Exil. Mit der Geschichte „entsteht ein authentisches Bild des ´gewöhnlichen, alltäglichen Faschismus´, indem Irmgard Keun mit den Erfahrungen von fast vier Jahren nationalsozialistischer Herrschaft zeigt, wie sich Menschen in der Diktatur eingerichtet und ihr angepasst haben“, heißt es im Klappentext. Das interessierte mich, denn genau von diesem gewöhnlichen Alltag liest man viel zu wenig (Ähnliches gilt ja über die Menschen unter der Stasi-Diktatur der DDR, wer schreibt schon wahrheitsgemäß darüber – wenn fast alle mitgemacht haben…).

Was soll ich sagen, ich bin enttäuscht. Schon wieder ein Buch, das ich nicht zuende lesen mag und schon nach weniger als 50 Seiten aus der Hand legte. Lakonischer Stil, neue Sachlichkeit – auch diese oft gelesenen eher freundlichen Kritiken haben mich zur Lektüre angespornt, doch ich finde davon wenig wieder oder es wird überlagert durch die mir zu mädchenhaft-übernaive Schreibweise. Manchmal hatte ich gar das Gefühl, Irmgard Keun richtete sich an Leser im Schulalter, wenngleich jene die an manchen Stellen in der Lakonie hervorblitzende Ironie noch gar nicht verstehen können. Doch, sie macht zum Teil hübsche Bemerkungen über den Führer und seine Gefolgschaft, die sie ins Lächerliche zieht. Und sie zeigt, wie schwierig es damals wurde und wie gefährlich es selbst unter Verwandten und Freunden war, seine Meinung über das Regime zu sagen. Aber wie sie das sprachlich macht und wie sie das in den Alltag von ja nur zwei Tagen einbettet, ist mir zu kindlich, zu gewöhnlich, ich habe nicht mal Lust, hier Zitate aufzuführen. Statt dass das Böse im Banalen klar entlarvt wird, finde ich hier, dass es durch die hingerotzte und für das Alter der Autorin sogar künstlich wirkende Sprache an Schärfe eher noch verliert.

Alfred Döblin soll sie zum Schreiben ermutigt haben, nachdem sie als Schauspielerin gescheitert war, und Tucholsky sagte über sie: „Eine schreibende Frau mit Humor, sieh mal an!“, sie habe Talent und aus ihr könne einmal etwas werden. Doch ja, manchmal fand ich Passagen treffend und wortwitzig und musste schmunzeln. Aber mit so einer Schreibe einen Roman zu gestalten erscheint mir doch etwas, na ja, einfach. Vielleicht hätte Irmgard Keun eher Kabarettistin werden sollen oder Sketchschreiberin als ausgerechnet Romanautorin? Sie würde gut in die Reihe der Kebekus- und Pussy-Terror-Frauen passen, über die ich mich aber auch nicht wirklich amüsieren kann, alles zu platt und wenig hintergründig. Diesen Roman aus wichtiger Zeit kann ich jedenfalls nicht beenden, ich kann dieser Art von Literatur nichts abgewinnen, dafür ist mir die Zeit zu schade und es würde mich Nerven kosten trotz vereinzelter kleiner Schmunzler über ein paar erfrischende Passagen. Und bei „Nach Mitternacht“ soll ihr Stil ja sogar schon „erwachsen“ gewesen sein. Schade eigentlich angesichts eines historisch so bedeutenden Themas, über das noch längst nicht alles gesagt wurde. Dass sie eine große Erzählerin gewesen sein soll, wie Thomas Mann über sie sagte, will sich mir jedenfalls nicht erschließen. Da lese ich zum Thema Nazizeit lieber Erich Maria Remarque.

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