Die 31. Woche, 2018

Sprach- und energielos wegen der Hitze schaffe ich gerade noch mein Mindestarbeitspensum, während andere Urlaub machen. Oder auf der Großbaustelle gegenüber arbeiten. Oder den Müll wegfahren. Ansonsten sind Zitate alles, was ich noch von mir geben kann.

Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war.
(Mark Twain)

Die Hitze schafft alles Flussartige weg und treibt, was Schärfe im Körper ist, nach der Haut.
(Johann Wolfgang von Goethe )

Lieber Freund, was für ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzen, mehr Omelette als Mensch.
(Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Was ein rechter Sommer ist, heizt zünftig ein und macht sich dann aus dem Staub.
(Brigitte Fuchs)

Während ich das Zubettgehen hinauszögere, stehe ich morgens trotzdem früher auf der Matte. Wie kann man bei diesen Temperaturen ohne Klimaanlage schlafen (wenn es so weitergeht, wird man auch auch in Mitteleuropa nicht mehr ohne auskommen werden).

Es wäre so schön, ab sieben Uhr auf dem Balkon zu arbeiten, zumal ja jetzt auch hier Schulferien sind und die zuletzt nur noch „Fuck you!“-schreienden Jungs und anderes Fußball- und Hofgebrüll von nebenan (zwischendurch noch Achtungfertiglos, einszweidrei-Sportwettkampfbefehle) Pause machen für himmlische sechs Wochen. Wenn, ja wenn da nicht die Großbaustelle gegenüber wäre, die mich mit meist spitzen und manchmal stumpfen metallenen hämmernden Knällen selbst samstags um sieben Uhr aus dem Bett schleudert. Und heute früh, es war abzusehen, aus Erfahrung, kamen dann noch die Leute mit den Kranwagen, die die Fassaden des Schulgebäudes lautstark-motorisch säuberten. Ich stellte zwar fest, dass es mir mittlerweile bis auf Ausnahmen gelingt, den Dauerlärm der Baustelle von sieben bis mindestens 18 Uhr auszuhalten, manchmal kann ich die Geräusche sogar wie ein Hintergrundgeräusch durch mich durchziehen lassen oder fast ausblenden, aber alles, was zusätzlich dazukommt, ist dann doch zuviel und hindert mich am Denken, wobei sich das Hirn ja eh schon auflöst.

Hat man den Tageslärm endlich überstanden, gibt es da die Sportfeste mit schrecklicher Livemusik in der Turnhalle und das mehrtägige Schlossbergfest in der Nähe mit ebenso grauenvollen dröhnenden Rhythmen. Und dann sind da noch die Frauen aus dem Nachbarhaus, die jeden Sommerabend, jedes Jahr, ihre Umgebung mit ihren rücksichtslos lautstarken Gesprächen unterhalten. Ja, Sommer ist schön.

Heute Abend brachte zwar etwas Regen Abkühlung, doch in der Wohnung hat sich trotz Durchzugs kaum etwas getan. Was mich traurig stimmt, ist aber, dass die Mauersegler seit ein paar Tagen schweigen und schon wieder gen Süden weitergezogen sind. Warum sind sie nicht noch etwas geblieben? Der Herbst scheint doch noch so fern. Vielleicht sind ja selbst die noch verbleibenden wenigen Insekten vertrocknet. HILFE! In diesem Moment umschwirren mich zwei Riesennachtfalter! Ich muss das Licht löschen. Gute Nacht.

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6 Antworten zu Die 31. Woche, 2018

  1. Eric schreibt:

    In deiner Wohngegend Freiburgs gibt es immerhin abends den „Höllentäler“, der Wind, der ja abends doch sehr regelmäßig kühl bläst.
    Ein Sommerabend z.B. am Alten Wiehre Bahnhof ist dann einfach unvergesslich.
    Hier weiter im Westen bewegt sich kaum ein Lüftchen…

    Ich versuche, die Sommerhitze und das -feeling einfach aufzusaugen, abzuspeichern und dann wieder abzurufen, wenn der Herbstnebel durch die Stadt kriecht, dann sind die jetzigen „Nebenwirkungen“ auch erträglicher 😉
    LG

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    • rotewelt schreibt:

      Der Höllentaler hat sich nur leider zur Ruhe gelegt, jedenfalls weht hier schon seit Tagen auch kein Lüftchen mehr. 28 Grad drinnen und draußen, auch nachts um ein Uhr. Ob ich das mit dem Aufsaugen und Abspeichern auch könnte, bezweilfe ich… Ach ja, woher weißt du denn, wo ich wohne? Geht das aus den Beschreibungen hervor? Einen schönen erträglichen Abend wünsche ich.

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  2. kormoranflug schreibt:

    Auf meiner Heimat-Rundreise von der Oberpfalz, Basel, Schwarzwald, Baden Württemberg, Allgäu, Bayern, Berlin wurde mir etwas klar: überall ist es genau so heiss!

    Gefällt 1 Person

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