Die 34. Woche, 2013

Wir wissen sehr wohl, mit welcher Vertrautheit
wir uns durch den Tag bewegen, aber nachts
bewegt sich der Tag mit der gleichen Vertrautheit
durch uns…

(Inger Christensen)

***

Heute Nacht schlief ich gut und träumte von diesem und jenem.

Die Farben Rot und Schwarz, doch vor allem Rot, spielten dabei eine wichtige Rolle, so stieg ich zum Beispiel mit roten Strümpfen und Schuhen (im Grunde bissen sich die Rottöne ein wenig, was sich sicher mit der realen, aber von mir zugelassenen Dissonanz meines Lieblingsfußnagellackrots mit meinen roten Lieblingsschuhen erklären lässt) und einem wadenlangen schwarzen Kleid die Innentreppe eines dunklen Gebäudes empor, das sowohl einen Fenster- als auch einen Türeingang hatte. Ich nahm die Tür, wenngleich ich zuerst am Fenstereingang mit einem von außen leicht zu öffnenden Riegel vorbeikam. Vor und hinter mir nahmen andere Menschen diese Treppe, niemand von ihnen stach farblich hervor, eher handelte es sich um eine grauschwarze Masse.

Manchmal trug ich keine Schuhe beim Hinaufsteigen, sondern ging auf meinen halb transparenten roten Strümpfen, so leicht und hüpfend wie ein Vogel – hophop, loplop -, und spürte die kritischen Sohlenblicke der Nachkommenden, doch auch mit den für mich ungewohnt überhohen und schmalen Absätzen gelang mir der Aufstieg erstaunlich leicht. Nur als ich dann, oben auf der Ebene, an einer Art Jury vorbeigehen musste, verlor ich meine Sicherheit ein wenig. Trotzdem gelang es mir, im Laufschritt – aber nur im Laufschritt, weit ausholend und fast tanzend, so dass meine Wackeligkeit fast unsichtbar war – die Prüfungskommission zu passieren und anscheinend zu überzeugen, wobei ich zwischenzeitlich das Gefühl hatte, die spitzen Absätze verfingen sich im Boden wie in heißem Teer.

Später, nach allerlei Wahnsinnig- und -sinnlichkeiten, wurden diverse Köstlichkeiten, vor allem Gemüsesorten, zum Verspeisen angerichtet, von denen mir nur eine gegrillte Auberginenhälfte in Erinnerung geblieben ist, die dunkle Oberseite mir zugewandt. Es gab nur eine Hälfte für alle.

rehaa

PS: Das Zitat hat mit einem Buch zu tun, das ich kürzlich gelesen, nein, geradezu verschlungen habe, „Die Erfindung des Lebens“ von Hanns-Josef Ortheil. Dieser Autor scheint die Geister zu spalten: Man mag ihn sehr oder gar nicht – wie mein Parfum. Ich habe einige Bücher von ihm sehr gern gelesen, so das genannte; vielleicht sind andere ja wirklich schlecht geschrieben, das kann ich nicht beurteilen.

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8 Antworten zu Die 34. Woche, 2013

  1. wildganss schreibt:

    Ortheil hat bei mir sieben Steine im Brett……..Kennst du auch seine kleinen, wunderbaren Videos:
    http://www.literaturhaus-stuttgart.de/programm/ortheils-monologe/
    Gruß von Sonja

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    • rotewelt schreibt:

      Ach, danke, Sonja, diese Videos kannte ich nicht. Die Gelassenheit, die Ortheil anspricht, ist den Deutschen ja doch recht fremd. Sich treiben lassen, selbst beim Autofahren… Ich liebe es, doch sicher bin ich nicht typisch deutsch, das wird mir immer wieder gesagt oder auch gezeigt… So ganz anders ist es auf Sizilien (wo ich noch nie war, bin nur bis kurz davor gekommen, bis Kalabrien, will aber unbedingt bald mal dorthin). Ich bin fest davon überzeugt, dass es (zumindest die Nicht-Lesenden betreffend) des Reisens bedarf, um den geistigen Horizont zu erweitern und zwar des „richtigen“ Reisens abseits Vollpension mit Pool und reservierten Strandtüchern – ohne die Begegnung mit Einheimischen ist doch alles nichts. Lieben Gruß, Ute

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  2. Frau Blau schreibt:

    dieses Buch las ich auch gerade und bin seitdem ganz großer Ortheilfan – ein Erzähler vom Feinsten, seitdem liegen noch zwei neben dem Bett, aber man kommt ja zu nüscht, wenn die AlleTage rufen … ich nehme sie mit in den Urlaub …

    ein sehr surrealistischer Traum (sind Träume nicht immer surrealistisch? – irgendwie ja schon) ich will nix deuten, aber ich finde ihn wirklich sehr eindrücklich- hophop und loplop gefällt mir natürlich ganz besonders in deinem Bericht 🙂 und natürlich das Zitat

    liebe Rotewelt, ich grüße dich herzlich, hab ein feines WE
    Ulli

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    • rotewelt schreibt:

      Ach, du hast auch gerade Ortheil gelesen, Ulli? Ach… 😉 Ich finde auch, er ist ein großer Erzähler!
      Ja, Träume sind wohl immer, na ja, wenigstens oft, surrealistisch, und dass dieser so war, hat sicher einen Grund. 🙂
      Lieben Gruß zurück, Ute

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  3. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe rotewelt,
    Ortheil schätze ich seit vielen Jahren sehr. Ich habe einige seiner Bücher gelesen, und (bis auf eine Trilogie von ihm) unterscheiden sie sich für mich immer wieder sehr, nicht nur inhaltlich natürlich, sondern auch sprachlich.
    Interessieren Dich Versuche von Traumdeutungen? Dann kannst Du ja mal bei Klausbernd Vollmars „Traumdeutung“ nachschauen. Du kennst ihn vielleicht ja auch als Blogger?
    LG mb

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    • rotewelt schreibt:

      Liebe mb, noch ein Ortheil-Fan… 😉 Schaut man sich die Rezensionen auf amazon hat, streiten sich die Geister, es gibt viele Leser, die mit ihm überhaupt nichts anfangen können oder seine Bücher komplett verreißen.
      Für Traumdeutung interessiere ich mich schon länger (vielleicht sollte ich den Traum lieber rausnehmen, haha!), ich glaube – jetzt, wo du es sagst — ich hatte sogar mal ein Traumdeutungsbuch von Klausbernd, das ist ja lustig! Ja, über Dina und durch Kommentare bei anderen bin ich ihm hier als Blogger schon öfter begegnet. Aber vielen Dank für deinen Tipp und liebe Grüße, Ute

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  4. Lakritze schreibt:

    Ich mag ja Traumschilderungen. Zumal ich mich an meine eigenen Träume nur sehr selten und bruchstückhaft erinnere.

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