Portocolom – Mallorca im Januar

Zweiter Urlaubstag, die freundlichwarme Januarsonne macht Lust auf Hafen und weckt den Wunsch, mittags draußen zu essen – sofern ein Lokal geöffnet sein würde. Mir fällt ein, dass wir vor mehr als acht Jahren einmal in Portocolom waren und da gibt es – wie der Name schon sagt – einen Hafen und viele Restaurants.

Und wir fliegen aus… „Colom“ lässt mich an Tauben denken, aber im Spanischen heißt die Taube ja paloma und nicht colomba wie im Italienischen oder columba auf Latein. Doch wie die Tauben ausschwärmen und wieder in ihren Schlag zurückkehren, so laufen auch die Boote aus und wieder ein in ihren Porto. Die Anwohner der kleinen Hafenstadt mit nicht einmal 5.000 Einwohnern haben allerdings eine ganz andere Erklärung für den Ortsnamen: Sie behaupten, dass Portocolom die Geburtsstätte von Christoph Columbus war, dabei soll er in Genua geboren sein. Egal, auch eine schöne Erklärung!

IMG_3093

Portocolom liegt an der südlichen Ostküste von Mallorca und gehört zur Gemeinde Felanitx. Das Städtchen besticht vor allem durch seinen Hafen, den größten Naturhafen der Insel.

IMG_3086

Natürlich gibt es auch inzwischen Yachten, jedoch kaum protzige, und immer noch sieht man viele Fischerboote und die vor allem machen den Charme aus.

IMG_3085

IMG_3081

Man kann auch Boote ohne Führerschein mieten, was meinen Begleiter durchaus zu reizen scheint.

IMG_3084

Die Hafenbucht ist kein einfaches Halbrund, sondern langgestreckt und kurvig. Alte Häuser mit wenigen Stockwerken umrahmen das Becken und wo der Ort endet, werden sie von immergrünen Bäumen abgelöst.

IMG_3094

Die Promenade, hinter der die Restaurants liegen, lädt zum Flanieren ein…

IMG_3080

…nicht nur Besucher, sondern auch Einwohner, die dort ihre Hündchen spazierenführen. Übrigens sind die mallorquinischen Hunde besonders kommunikativ, wie ich feststellte, sie drängen oft von Herrchen und Frauchen weg, um mit neuen Menschen zu spielen, mit oder ohne Ball.

IMG_3079

Portocolom hat sich nicht verraten. Hier existieren Einheimische und Urlauber friedlich nebeneinander, der Ort ist auch im Winter nicht tot. Die meisten Restaurants haben ganzjährig geöffnet, sehr sympathisch. Die kleine Hafenstadt ist nicht schick und nicht laut, sondern einfach charmant. Das Schöne an Portocolom sei, das sich so wenig ändert, sagen sowohl die Einwohner als auch die Besucher, las ich neulich.

IMG_3095

Die Aussicht nimmt von jeder Position aus ein, aber dort, wo man die von weitem eng aussehende Hafenausfahrt erspäht, ist es doch am anziehendsten. Man kann die ankommenden und ausfahrenden Boote sehen, was gibt es Schöneres und zugleich Sehnsucht und Fernweh Weckendes? Heute fährt gerade nichts ein und nichts aus, nur ein Surfer dreht seine Runden, aber das macht nichts.

„sotavento“, Lee, heißt das Boot. Ich glaube, es an der gleichen Stelle schon vor acht Jahren gesehen zu haben, meine sogar, darauf für ein Foto posiert zu haben, aber wo ist bloß die CD mit den Bildern? Damals trug ich ein Sommerkleid, Ende Oktober immerhin.

IMG_3101

Zwei Männer präparieren ihr Boot. Geht es bald hinaus?

IMG_3099

Eine Frau, die deutsch aussieht und einen ihrer Hunde „Lasse“ ruft, ist auf dem täglichen Gassiweg mit Blick.

IMG_3102

Hinter jeder Kurve bieten sich neue Perspektiven…

IMG_3103

…denn der Hafen ist schön verwinkelt

IMG_3111

Hinter diesem „Rücken“ des Hafens, auf einer Halbinsel, liegt der älteste Teil der Stadt mit der Kirche Sant Jaume. Vor hundert Jahren siedelten sich hier die ersten Einwohner an, der Ort ist also noch recht jung.

IMG_3104

Früher war Porto Colom nicht nur ein Fischerort; die Menschen lebten auch vom Weinhandel. Das Städtchen war Umschlagplatz für den Wein, der in Felanitx und Umgebung angebaut wurde. Allerdings endete das Weingeschäft – wie auch andernorts –, als die Reblaus die Weinstöcke überfiel. Porto Colom soll weitgehend entvölkert gewesen sein. Doch dann wurde die Stadt von den Bewohnern von umliegenden Dörfern und auch von Felanitx als Sommerresidenz entdeckt.

IMG_3106

Eine kleine Straße führt weiter um den Hafen herum. Von der gegenüberliegenden Seite hat man einen schönen Blick auf die Fischerhäuser und die darunter liegenden Bootsgaragen mit Anlegeplatz davor.

IMG_3110

Hier gibt es ein paar kleine Sandbuchten, doch die größeren Strände befinden sich im Süden des Ortes, rund um die Cala Marçal, wo neuere Gebäude für die Touristen entstanden, die jedoch noch nicht überdimensioniert sind.

IMG_3112

Schließlich gelangt man zum Leuchtturm, der auf einer Felsnase liegt.

IMG_3113

Doch nun haben wir Hunger. Zurück im Zentrum entdecken wir an der Promenade ein Restaurant mit sonniger Terrasse direkt am Hafen. Ein Tisch ist auch noch frei, um uns herum sitzen zumeist Spanier, aber auch ein paar Deutsche.

IMG_3115a

Der freundliche Kellner begrüßt uns mit einem lächelnden „que tal“? Danke, es geht uns gut. Gern akzeptieren wir den Vorschlag, mit Oliven, Brot und Aioli zu beginnen. Hier im „Club Nautic“, das, wie ich später las, zu den alt eingesessenen Restaurants gehört, wird man gefragt, anderswo kann es passieren, dass alles unaufgefordert auf den Tisch gestellt wird. So Mancher ist dann verwundert, dass er das Verzehrte auch bezahlen muss…

Porto-Colom1

Zwar gibt es hier keine Tapas variadas, aber Frit de Peix, frittiertes Meeresgetier: verschiedene Sorten Fisch, unter anderem Oktopus und Sepia, sowie gegrillte Garnelen. Mein Begleiter kann nicht umhin, sich vorab Fischkroketten vom Bacalau (Stockfisch) zu bestellen und gnädig nehme ich ihm ein paar davon ab. Alles mundet gut, auch der Wein aus Binissalem.

Genauso hatte ich es vor dem Urlaub gehofft: in der Sonne sitzen, Boote gucken, Fisch essen – aber ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass es im Januar tatsächlich möglich sein würde.

Bei der Verabschiedung gibt uns der Kellner noch ein „Feliz navidad“ mit auf den Weg. Ach ja, es war ja vor kurzem erst Weihnachten bzw. für die Spanier ist es das noch, denn erst heute, am 6. Januar, am Tag der Heiligen drei Könige, bekommen die Kinder dort ihre Weihnachtsgeschenke.

IMG_3090

Dass die Restaurants und Bars und weihnachtlich geschmückt sind – am Hafen steht sogar ein „Baum“ –, während man draußen ohne Wintermantel spazieren und gar sitzen kann, mutet skurril an.

Nun habe ich während der ganzen Rückfahrt diesen Song von José Féliciano im Ohr und auf den Lippen.

Über den Straßen hängt hin und wieder eine Weihnachtsbeleuchtung, ein „bon nadal“ oder „bones festes“. Ich muss lachen – da fährt man an grünen blumenbesäten Wiesen und blühenden Mandelbäumen vorbei und es ist Winter.

Am letzten Urlaubstag geht es nochmal nach Portocolom.

IMG_3361

Mir fällt ein, dass ich die andere Seite der Bucht noch gar nicht gesehen habe, also los.

IMG_3360

Kaum angekommen, bewölkt es sich und ein etwas frischer Wind kommt auf.

IMG_3362

Der Leuchturm von der anderen Seite

IMG_3365

Es sieht ganz so aus, als würde es heute nichts mit Draußensitzen… Welches Restaurant macht denn auch drinnen einen guten Eindruck und verspricht Tapas? Zufällig erhasche ich das Restaurantschild „Florian“ an einem Lokal, das zwischen zwei anderen liegt und mir fällt ein, dass ich vor acht Jahren eine gute Bewertung darüber gelesen hatte. Eine lange Zeit, aber die Entscheidung ist gefallen, um die Qual der Wahl zu verkürzen.

IMG_3345

Zunächst sind wir die einzigen Gäste, kein gutes Zeichen? Aber später kommen weitere hinzu, die meisten wagen sich doch auf die Terrasse. Doch im Innern ist es sehr gemütlich mit dem dunklen Holz, Polsterbänken und Korbsesseln, man sieht durch die offene Tür und die Fenster das Meer und fühlt sich ein wenig wie auf einem Schiff. Der Kellner ist freundlich und leise und schmückt schon mal zwischendurch diskret etwas ab.

Porto-Colom2

Auch hier gibt es keine gemischten Tapasteller, aber man kann sie sich ja einzeln beliebig zusammenstellen. Zur Auswahl stehen sowohl traditionelle Tapas wie Albondigas (Fleischbällchen) in Tomatensoße, die köstlichen kleinen grünen Paprikaschoten (Pimientos) mit grobem Meersalz, Datteln im Speckmantel und würzige Mini-Chorizo-Würstchen in Rotwein wie auch „modernisierte“ feinere Tapas, etwa Garnelen und Hühnchen in Tempurateig mit Chillisoße oder gebackener Ziegenkäse mit Balsamico und frischen Früchten. Zusammen schaffen wir fünf Tapas, die alle sehr wohlschmeckend sind. Der offene Hauswein dazu ist sehr gut, der beste dieser Woche, ebenso wie die Aioli.

So wird der Abschied von der schönen Insel mit gutem Essen und Wein versüßt, während das heute etwas kühlere Wetter uns offenbar vergraulen möchte, was jedoch nicht gelingt, leider…

Epilog

Zurück am Ferienhaus steht Kofferpacken auf dem Programm, aber das muss warten, denn auf der Straße begrüße ich den Nachbarn nebenan, den ich zum ersten Mal sehe, woraufhin er etwas ruft, das ich nicht verstehe, man kommt sich entgegen und ins Gespräch, da tritt auch schon seine Frau aus der Tür und ehe wir uns versehen, werden wir ins Haus gezogen und auf ein Glas Süßwein eingeladen – „una copa?“, fragt die Senora, die mich zunächst für eine Spanierin hält, mich bei der Hand nimmt und mir erstmal Terrasse und alle Zimmer zeigt. So machen wir die Bekanntschaft mit einem sympathischen alten Ehepaar, das schon lange dort lebt und sich etwas einsam fühlt, weil alle Freunde weggestorben sind und die Eigentümer der benachbarten Häuser ständig wechseln, viele werden fast ausschließlich an Feriengäste vermietet. Das Gespräch mit den beiden aufgeschlossenen Menschen ist interessant, witzig und berührend, er holt Alben hervor und zeigt uns Bilder; beide waren früher Schauspieler und er hat mit Berühmtheiten wie Erol Flynn vor der Kamera gestanden. Zwar ist die Verständigung nicht so einfach, denn er ist ein in Nordengland aufgewachsener Ire und sie gebürtige Katalanin, auf Mallorca großgeworden. Zusammen haben sie auch mehrere Jahrzehnte in England gelebt. So gibt es einen Sprachmix und ein Hinundher und auch wenn sie zwischendurch Englisch spricht, verstehe ich nur Spanisch, aber was vielleicht verbal entgeht, wird über Blicke und Gestik verstanden. Beide haben noch dieses Blitzen in den Augen und vor allem sie sprüht vor Temperament. Schade, dass wir sie erst am letzten Tag kennengelernt haben, aber nun gibt es einen weiteren Grund, wieder nach Mallorca zu kommen… Eine Einladung zum Grillen wurde schon ausgesprochen…

Dieser Beitrag wurde unter Mallorca abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Portocolom – Mallorca im Januar

  1. Sofasophia schreibt:

    oha, das klingt nach wunderbaren urlaubstagen. die bilder sind einfach soo schön. mir schlägt das herz höher. mallorca ist trotz der vielen touristInnen (vornehmlich aus dtld) eine wunderbare insel.
    kommt gut wieder in den norden!

    Gefällt mir

    • rotewelt schreibt:

      Danke, Soso, ja, es war eine schöne Unterbrechung des Halbwinters hier und nun fehlen mir die Farben und das Meer. Leider ging es schon letzten Samstag wieder zurück, bin schon wieder zurück… Mallorca ist wirklich schön! Dass es so viele deutsche Touristen gibt, stört mich bisweilen schon, Mallorca gilt ja auch als 17. Bundesland, haha. Aber die Hochburgen der Deutschen kann man ja meiden. Der Flieger war übrigens voller Schweizer (kein Wunder, wir flogen ja von Basel/Mulhouse), aber deine Landsleute verteilen sich doch eher unauffällig. 🙂

      Gefällt mir

  2. Ulli schreibt:

    liebe Rotewelt, als ich heute Nachmittag gerade in deinen Bericht und die tollen Bilder eintauchte, bekam ich einen Spontanbesuch von einer guten Bekannten aus dem Tal … nun aber habe ich noch einmal gelesen und geschaut … Mallorca ist wohl wirklich eine sehr feine Insel, wennman nciht gerade am Ballermannstrand ist … so höre ich es wenigstens immer wieder, aber noch nie habe ich Bilder gesehen, einfach nur herrlich!
    Ich war mal über Weihnachten und darüber hinaus auf Gomera, auch dort beschenkten sich die EinwohnerInnen am 06. Januar, was ja auch sehr stimmig ist, denn es waren ja (laut Legende) die heiligen drei Könige, die ihre Geschenke in den Stall brachten …
    komm wieder gut hier an und vielen Dank fürs Teilen –

    herzliche Grüße
    Ulli

    Gefällt mir

    • rotewelt schreibt:

      Den Ballermannstrand habe ich noch nie gesehen und muss das auch nicht – was soll ich in einer deutschen Schinkenstraße, wo grölende Horden Sangria saufen und deutsche Schlager singen?! Vielleicht ist es ganz gut, dass viele Menschen deshalb Vorurteile haben, sonst kämen noch mehr Deutsche auf die Insel. Die Landschaft ist wirklich herrlich und sehr abwechslungsreich. Auf Gomera war ich noch nie, habe aber gehört, dass es auch schön sein soll, wenn auch ganz anders landschaftlich und früher galt es ja als Aussteigerinsel, soviel ich weiß. Muchas gracias, liebe Ulli!

      Gefällt mir

  3. traeumerleswelt schreibt:

    wunderschöne Aufnahmen, da könnte es mir auch gefallen ! 🙂

    Gefällt mir

    • rotewelt schreibt:

      Dankeschön, Träumerle, ich könnte mir auch vorstellen, dass dir Mallorca gefallen würde, du bist ja auch Fan des Meeres und schöner Landschaften. 🙂

      Gefällt mir

      • traeumerleswelt schreibt:

        das stimmt ! War vor vielen Jahren, ist sicher 20 Jahre her 🙂 mal auf Mallorca im Ostteil der Insel bei Colonia Sant Jordi. Dort war es auch schön, wenn auch der Ort selber fest in Schweizer Hand war :-). Es gibt auch auf Mallorca schöne Orte fern der Touristenströme, besonders in dieser Jahreszeit.

        Gefällt mir

        • rotewelt schreibt:

          In Colonia San Jordi war ich auch mal zum Flanieren. Dort sieht es ja wieder ganz anders aus, die felsige Küste am Ort selbst wirkt etwas karg, hat aber auch ihren Charme. Wusste nicht, dass das Dorf in Schweizer Hand ist, aber jede Nation hat wohl ihre Kolonien auf Mallorca, lach!

          Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s